Streichinstrumente

Streichinstrumente, Gruppe von Saiteninstrumenten (Chordophone), bei denen die Saite durch Streichen mit einem Bogen in Schwingung versetzt werden. Aufgrund dieser Tatsche werden die Instrumente auch Bogeninstrumente, englisch bowed instruments, französisch instruments à archet, genannt. Es gibt jedoch auch Streichinstrumente, deren Saiten durch ein Reibrad zur Schwingung gebracht werden; zu diesen gehört etwa die Drehleier.

Gemeinsam ist allen Streichinstrumenten, dass die Saite gespannt sein muss. Häufig werden die Saiten zwischen Sattel und Aufhängepunkt über einen Steg geführt; der schwingende Teil der Saite ist der zwischen Sattel und Steg. Je stärker die Saite gespannt ist, desto höher ist der mit ihr erzeugte Ton; je dicker die Saite – bei gleicher Spannung –, desto tiefer ist der Ton.

Der meist mit Tierhaar bezogene Streichbogen kann entweder auf die Saite aufgesetzt oder aber hinter der Saite eingefädelt werden. Zum Spiel wird der Bogen in etwa quer zur Saite bewegt; beim Streichen versetzt der radial zum Saitenquerschnitt bewegte Bogen die Saite in eine Torsionsbewegung, der diese allerdings nur in geringem Maße folgt und wieder entgegen der Streichbewegung zurückschnellt. Diese sich bei anhaltendem Bogenstrich in schneller Folge wiederholende Bewegung erzeugt eine dieser Geschwindigkeit entsprechende Frequenz des Tones.

Der Ton eines Streichinstrumentes kann durch Bogenführung und -haltung sehr differenziert beeinflusst werden. Auch spielt die Wahl der jeweiligen Saite für einen bestimmten Ton, der auch auf einer anderen Saite gespielt werden könnte, eine Rolle. Zudem klingt ein »gegriffener« Ton anders als derselbe auf einer Leersaite gespielte Ton.

Mit dem Bogen gestrichene Streichinstrumente bilden zwei große Gruppen: Die Familie der Viole da braccio – also im Arm gehaltene Instrumente – und die Viole da gamba – also zwischen den Knien gehaltene Instrumente. Nicht alle Mitglieder dieser beiden Familien sind noch aktuell in Gebrauch. Eine Sonderstellung nehmen die im Stehen gespielten Bassinstrumente ein; so zeigt der Kontrabass Merkmale beider Familien.

Zu den in der traditionellen europäischen Musik gespielten Streichinstrumenten zählen die Violine, die Viola (Bratsche), das Violoncello und der Kontrabass. Weitere mit einem Bogen gespielte Streichinstrument sind die Gambe, die Bassgeige – nicht zu verwechseln mit dem Kontrabass – sowie ältere Instrumente wie die Rebec und der Trumscheit. Die Fidel, englisch Fiddle, stellt eine in der Volksmusik Europas und Nordamerikas auftretende Form der Violine dar. In der Volksmusik verschiedener europäischer Länder wie in der außereuropäischen Musik findet sich eine Vielzahl weiterer Streichinstrumente, von denen etwa die Gusle (Balkan) und die chinesische Violine Erh-Hu weltweit einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben.

Im europäisch geprägten Orchester nimmt die Gruppe der Streichinstrumente eine zentrale Stellung ein. Es können auch Ensembles gebildet werden, die ausschließlich aus Streichinstrumenten bestehen. Der Klang der Streichinstrumente in der Gruppe ist aufgrund der auch im Unisono leicht unterschiedlichen Frequenzen, des unterschiedlichen Klanges der einzelnen Instrumente und diverser Phasenverschiebungen sehr lebendig und etwa mit elektronischen Instrumenten kaum nachzubilden.

Der Streichbogen etwa von Violine oder Violoncello kann auch zum Streichen anderer Instrumente eingesetzt werden. So wurden in der Rockmusik vereinzelt auch elektrische Gitarre und elektrischer Bass mit dem Bogen gestrichen (Beispiele bei The Nice, Led Zeppelin), wie es auch möglich ist, Idiophone wie Becken und die Klangplatten von Metallophonen mit dem Bogen zu streichen, um bestimmte Effekte zu erzielen. Zu den Streichinstrumenten im eigentlichen Sinne zählen diese Instrumente dennoch nicht.