Viole da gamba

Viole da gamba, italienisch für Beinviolinen, mit den Beinen zu haltende Violinen, Chordophone (Streichinstrumente); die Übersetzung mit Kniegeige ist nicht exakt, denn die Instrumente sollten nicht zwischen den Knien, sondern zwischen den Oberschenkeln gehalten werden. Der Einfachheit halber werden die Instrumente in Deutschland kurz als Gamben bezeichnet.

Gambe

Viola da Gamba (Fotolia)

Die Gamben, die im 16. bis 18. Jahrhundert eine Familie bildeten, ähneln zwar den Violinen-Instrumenten (Viole da braccio), doch wiesen sie einige deutliche Unterschiede auf. Der Korpus hat abfallende Schultern, das Griffbrett ist mit sieben Bünden versehen, statt f-Löcher haben sie C-Löcher und Decke und Boden stehen nicht über, sondern sind bündig zur insgesamt recht tiefen Zarge ausgestaltet. Bedeutsamer ist, dass die Instrumente in aller Regel sechs, seltener vier, fünf oder sieben Saiten haben, die in Quarten mit einer dazwischen klingenden Terz gestimmt sind. Im praktischen Musikleben spielt vor allem die zwischen Bass- und Tenorlage gestimmte Gambe wieder eine sichtbare Rolle; die Saiten sind auf die Töne d, G, c, e, a, d1 gestimmt. In Frankreich wird dieses Instrument Basse de Viole oder lediglich Viole genannt, eine Bezeichnung, die man gelegentlich etwa auf CDs aus Frankreich oder mit alter französischer Musik findet. Zu der Familie gehören außerdem die Diskantgambe, d, g, c1, e1, a1, d2 gestimmt, und die Alt- und Tenorgambe, die beide gleich auf A, d, g, h, e1, a1 gestimmt, manchmal auch einen Ton tiefer. Die Instrumente sind im Klang feiner und um einiges leiser als etwa ein Violoncello, zumal sie auch heute in historisch korrekter Weise mit Darmsaiten bezogen werden.

Die Gamben hatten aus Vorgängerinstrumenten zuerst in Spanien des 15. Jahrhunderts ihre Form gefunden, waren dann Anfang des 16. Jahrhunderts über Italien und die Niederlande sich bis England verbreitet und waren schließlich in ganz Europa gleichermaßen beliebt. Mitte des Jahrhunderts gab es bereits mehrere Schulen, so etwa von Hans Gerle (* um 1498, † 1570), Silvestro Ganassi (* 1492, † 1550), Diego Ortiz (* um 1510, nach anderen Quellen 1525, † 1570) und Philibert Jambe de Fer (* um 1515, † 1572). Das Instrument wurde solistisch eingesetzt, es wurden aber auch Gamben-Ensembles gebildet, in die im Laufe des 17. Jahrhunderts dann auch Instrumente der Da-braccio-Violen aufgenommen wurden. Diese wiederum verdrängten nach und nach die Gamben, bis lediglich die Bassgambe blieb. So zeigt der Kontrabass noch Reminiszenzen an diese Zeit, ist er doch eher wie eine Gambe gebaut, wie auch seine vier Saiten in Quarten gestimmt sind. Ende des 18. Jahrhunderts war die Gambe nahezu in Vergessenheit geraten. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn war ihre mehrmalige Wiederentdeckung Spezialisten vorbehalten, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Instrument wieder im Konzertleben und auf dem Schallplattenmarkt eine Rolle zu spielen, nicht zuletzt wegen des wachsenden Publikumsinteresses an Alter Musik in historischer Aufführungspraxis. Eine der bedeutenden zeitgenössischen Gamben-Instrumentalistinnen ist die Deutsche Hille Perl (* 1965), die sich um das Instrument in großem Maße verdient gemacht hat.