Virginal

Virginal, Chordophon (Saiteninstrument, Tasteninstrument, Kielinstrument), mit dem Spinett eng verwandtes Kielklavier; die Herkunft des Namens ist ungeklärt.

Wie das Spinett verfügt das Virginal über nur ein Manual, das allerdings im Unterschied zu diesem in den Instrumentalkasten integriert ist, also nicht hervorsteht. Auch wurde das Virginal aus Linden- oder Pappelholz gebaut und nicht wie das Spinett aus Zedernholz. Damit erschöpfen sich aber auch schon die wesentlichen Unterschiede: Hier wie da werden die Saiten von Federkielen angerissen, der Tonumfang des Instrumentes beträgt in der Regel nicht mehr als vier Oktaven und der Saitenbezug verläuft parallel zur Tastatur, wobei die tiefen Saiten direkt vor dem Spieler angeordnet sind; der Stimmstock ist rechts. Die Mehrzahl der Virginale sind 8’-Instrumente, doch gibt es auch Quint- und Oktav- also 4’-Instrumente.
Mit dem wesentlich größeren Cembalo haben Virginal wie Spinett zwar die Art der Tonerzeugung gemeinsam und damit auch einen ähnlichen Klang, doch verlaufen die Saiten beim Cembalo senkrecht zur Tastenreihe des Manuals.

Das Virginal war besonders im nördlichen Mitteleuropa verbreitet; in Flandern wurde der Bau in Maßen standardisiert, wenn es auch stets zahlreiche Formen des Instrumentes gab. Ein augenfälliges Unterscheidungsmerkmal ist die Lage der Tastatur, die entweder weiter links oder weiter rechts in den Kasten des Instrumentes gesetzt ist: Bei der Anordnung links ergibt sich ein anderer, hellerer Klang; befindet sich die Tastatur rechts, so ist der Klang dunkler, aber auch voller.

Von musikhistorisch besonderer Bedeutung sind die so genannten »Virginal-Bücher«, Sammlungen von Kompositionen für alle Kielinstrumente; in England etwa wurden bis ins 17. Jahrhundert hinein alle Kielinstrumente als Virginal bezeichnet. In England auch widmeten sich zahlreiche Komponisten besonders dem Instrument, so William Byrd, Thomas Morley, John Bulls, Peter Philips, Giles Farnaby, Thomas Tomkins und Orlando Gibbons.