Zwölfsaitige Gitarre

Zwölfsaitige Gitarre, englisch: 12 String Guitar, akustische oder elektrische Gitarre, die mit zwölf anstatt mit den üblichen sechs Saiten ausgestattet ist; zwölfsaitige Gitarren werden ausschließlich mit Stahlsaiten bespannt.

Gitarreninstrumente mit zwölf Saiten sind doppelchörig bespannt, das heißt, dass zu jeder Saite parallel eine weitere Saite aufgespannt; entsprechend der Saitenzahl ist auch der Wirbelkasten bzw. die Wirbelplatte mit zwölf Stimmmechaniken ausgestattet. Jeweils zwei Saiten liegen dabei so dicht nebeneinander, dass sie stets nur gemeinsam angeschlagen werden können.

Üblicherweise werden die vier tiefen Saiten mit einer um eine Oktave höher gestimmten zweiten Seite versehen, während die beiden höchsten Saiten eine zweiten, gleich gestimmte Saite erhalten. Der Klang der Instrumente ist voll, relativ hell und erinnert mitunter an den eines Cembalos, neigt bei nachlässigem Spiel aber auch zum Klirren. Zwölfsaitige Gitarren werden vor allem zur Begleitung, zumal zur Gesangsbegleitung verwendet und daher zumeist akkordisch gespielt; solistisches Spiel ist nicht ganz einfach. Langwierig ist auch das Stimmen der zwölf Saiten. Der besondere Klang beruht auch auf der Tatsache, dass sich die Saitenpaare nie völlig exakt stimmen lassen; die Schwebungen sorgen dann für den bekannten, »flirrenden« Klang.

Die zwölfsaitige Gitarre wurde unter anderem von Lead Belly, Glen Campbell, Gordon Lightfoot, Tim Buckley, Larry Coryell, Don Felder, Justin Hayward, Greg Lake, Melissa Etheridge, Taylor Swift und mitunter auch von Pete Townsend (The Who); meisterhaft spielt Leo Kottke das Instrument.

Es gibt einige serienmäßig hergestellte elektrische Gitarren mit zwölf Saiten, so von den Firmen Rickenbacker und Gibson, Instrumente, die etwa von John Lennon, Roger McGuinn, Peter Buck, Johnny Marr, Michael Åkerfeldt und The Edge gespielt wurden. Jazz- und Rockgitarristen greifen häufig aber auch zu Doppelhalsgitarren, deren einer Hals mit sechs, deren anderer mit zwölf Saiten ausgestattet ist. Zu diesen Gitarristen gehören etwa John McLaughlin, Pat Metheny, Anthony Phillips, Alex Lifeson und Jimmy Page.

Die Gitarrenbaufirma Hamer stellte zeitweise auch einen elektrischen Bass her, der mit zwölf Saiten ausgestattet war. Dabei waren parallel zu den üblichen vier Saiten je zwei weitere aufgespannt, das Instrument damit dreichörig. Nur wenige Bassisten setzten dieses »Quad« genannte Instrument ein, so Tom Petersson von Cheap Trick, Doug Pinnick (Kings X), Joey DeMaio (Manowar) und Jeff Ament von Pearl Jam. Der Klang des Basses ist zu Beginn des Songs »Jeremy« von Pearl Jam deutlich zu hören.