Becken

Becken, englisch cymbal, Idiophon (Metallophon, Gegenschlagidiophon, Aufschlagidiophon), kreisförmiges Schlaginstrument aus Bronze oder Messing, das entweder paarweise unmittelbar gegeneinander geschlagen, oder aber als Bestandteil von Drum Sets mit Stöcken, Besen oder Schlägeln unterschiedlicher Art angeschlagen wird; in Rock- und Pop-Musik werden abgesehen von der Hi-Hat ausschließlich Einzelbecken innerhalb eines Drum Sets benutzt.

Becken im Orchester-Schlagwerk

Becken im Orchester-Schlagwerk (Fotolia)

In den Orchestern der Kunstmusik werden Becken vor allem paarweise eingesetzt. In dem Loch in der Mitte jedes Beckens ist eine Lederschlaufe befestigt; der Instrumentalist nimmt in jede Hand ein Becken und schlägt die offenen Flächen gegeneinander. Dazu haben sich verschiedene Techniken herausgebildet. Gängig ist es, die Becken leicht aneinander vorbeistreifend gegeneinander zu schlagen. Häufig werden die ausklingenden Becken nach dem Schlag mit der Öffnung in Richtung Publikum gehalten.
In der Militärmusik und bei zivilen Blaskapellen kommen ebenfalls Beckenpaare zur Anwendung. Wenn nicht ein einzelner Musiker das Beckenpaar spielt, so kann auf der Basstrommel ein Becken fest installiert sein, auf das der Spieler der Trommel ein zweites Becken, das er in der freien Hand hält, schlägt.

Crash-Becken und Hi-Hat

Crash-Becken (links) und Beckenpaar auf der Hi-Hat (Fotolia)

In Rock, Jazz und Popmusik werden die Becken auf Ständern verschiedener Art aufgehängt. Dazu wird der mit einem Gewinde versehene Dorn des Beckenständers durch das Loch des Beckens auf eine Filzscheibe gesetzt, anschließend auf das Becken eine zweite Filzscheibe; eine Flügelmutter ermöglicht es, das Becken mehr oder weniger starr auf dem Dorn zu befestigen. Eine Sonderform ist die Hi-Hat, zu der zwei Becken gehören, die mittels einer durch den Fuß des Schlagzeugers betätigten Maschine gegeneinander geschlagen werden. Je nach Aufgabe und Einsatz werden Ride- und Crash-Becken unterschieden; auf Ride-Becken werden in der Regel durchlaufende rhythmische Werte, etwa Achtel, gespielt, während ein Crash-Becken dem Akzentuieren dient, stets zum Beispiel auf der Zählzeit Eins am Beginn einer viertaktigen Periode. Schlagzeuger setzen aber auch Ride-Becken für Crashs und Crash-Becken für Ride-Spiel ein.

Becken bestehen aus einer Legierung von Kupfer und Zinn, gelegentlich werden weitere Metalle (z.B. Silber) in geringen Anteilen zugesetzt; auch gibt es aus Messing gefertigte Becken. Die Bronzelegierung wird entweder in runde, der späteren Beckenform ungefähr entsprechende Formen gegossen, oder aber in große Platten, aus denen die Beckenrohlinge geschnitten werden. Eine dritte Herstellungsweise, in der ein Becken aus einem spiralig gelegten Bronzedraht geschmiedet wird, ist heute nicht mehr gebräuchlich und hat bestenfalls musealen Wert. Der so oder so entstandene Rohling wird in mehreren Arbeitsgängen gepresst, gehämmert und abgedreht; dabei entsteht die bekannte leicht glockige Form mit einer ausgeprägten kugeligen Kuppe. Eine spezielle Form sind die sehr lauten und durchdringend klingenden China-Becken, deren Kuppe zylindrisch oder konisch geformt ist und die einen breiten, aufwärts gebogenen Rand aufweisen. Eine weitere Spezialform eines Beckens sind die so genannten Sizzle-Becken: In deren Rand werden Löcher gebohrt, in denen wiederum kleine Nieten frei schwingen können. Der Klang dieser Becken ist sehr weich und äußerst lang anhaltend. Derselbe Effekt lässt sich aber auch mit einer am Beckenständer befestigten und über das Becken gelegten feingliedrigen Metallkette erreichen. Sizzle-Becken werden in der Rockmusik nur sehr selten eingesetzt, dann vor allem in Balladen. Becken werden in verschiedenen Größen hergestellt, der Durchmesser kann – etwa bei Fingerbecken – nur wenige Zentimeter betragen, doch gibt es Becken mit bis zu 60 Zentimetern (24 inch) Durchmesser, in Einzelfällen auch mehr. Klang und Tonhöhe hängen direkt von Durchmesser, Material und Stärke des Beckens ab. Die Tonhöhe indes ist nicht eindeutig festgelegt, zumal der Klang des Beckens auch einen hohen Geräuschanteil hält. Der Frequenzbereich von Becken kann von etwa 100 bis 9000 Hertz betragen. Außerordentlich groß ist der dem Instrument mögliche dynamische Umfang – Becken können sehr leise und sehr laut gespielt werden. Werden die Becken angeschlagen, so kommen verschiedene Anschlagmittel in Betracht, allen voran der Stock. Üblich sind aber auch Schlägel mit mehr oder weniger weichen Köpfen. Eine besondere Technik besteht darin, auf dem Becken einen längeren Wirbel zu schlagen, der den Ton anschwellen lässt; besonders geeignet für diese Technik sind Schlägel, deren Kopf mit Filz oder Fell bezogen ist.

Die Beckenherstellung wurde in Asien entwickelt und in der Türkei zur Blüte gebracht. Im Zuge der Kriege mit den Türken im 17. Jahrhundert kamen die Instrumente nach Europa. Türkische Hersteller beziehungsweise deren amerikanische Nachfahren haben noch heute eine große Bedeutung als Beckenhersteller, etwa A. und K. Zildjian, deren Becken von vielen Schlagzeugern als die besten ihrer Art angesehen werden. Weitere Hersteller von verschiedenen Becken sind u. a. Sabian, Meinl, Ufip und Paiste.

Literatur

Pinksterboer, Hugo/Mattingly, Rick Mattingly (Ed.): The Cymbal Book; Milwaukee 1992
Aldridge, John: Guide To Vintage Drums; Anaheim Hills 1994
Montague, Jeremy: Timpani & Percussion; Reihe Yale Musical Instruments Series; New Haven/London 2002