China-Becken

China-Becken, englisch China Cymbal oder China-Type-Cymbal, gelegentlich auch Chinese Boy oder China Boy, Aufschlagidiophon (Selbstklinger, Metallophon), aus Messing oder Bronze gefertigtes Effekt-Becken, das sowohl als Ride- wie als Crash Becken eingesetzt werden kann; in Rock und Jazz wird es zumeist, aber nicht ausschließlich als Crash-Becken verwendet. Die Becken werden je nach Details in der Form in die Unterkategorien Flange, Inverted, Reserved und Chinese Turkish unterteilt, weitere Unterteilungen sind Novo-Becken mit runder Kuppe, Pang-Becken und Swish-Becken. Gemeinsam ist allen China-Becken ein grundtöniger, nach Größe auch dunkler, sehr lauter und auffälliger Klang.

Ein China-Becken weist eine vom Becken türkischer Ausprägung signifkant andere Form aus. Zwar ist auch das China-Becken rund und hat eine Größe zwischen etwa 14 und 24 Zoll, also zwischen 35 bis 60 Zentimetern. Der Querschnitt des Durchmessers aber zeigt die Unterschiede: Die Kuppe hat eine charakteristische zylindrische oder konische Form, während der Rand entgegen der Krümmung der Hauptfläche des Beckens nach oben, quasi zurück gebogen ist. Dies ist auch der Grund, dass China-Becken in der Regel »verkehrt« herum auf dem Ständer befestigt werden. Der Stockschlag trifft dann die eigentlich untere Fläche der Aufbiegung, die auf diese Weise vor Zerstörung geschützt wird. Die Kuppe selbst ist mit dem obligaten Loch in der Mitte versehen, um das Becken auf dem Ständer befestigen zu können. Das Loch kann auch fehlen, dann wird das Becken an der Kuppe gehalten – wobei eine konische Form die sichere Handhabung unterstützt. Wird das mit einem Loch versehene China-Becken innerhalb eines Drum Sets verwendet, befestigen viele Schlagzeuger sie nicht wie die türkischen lose auf dem Dorn des Ständers, sondern ziehen die Schraube des Dornes fest an, so dass sich das Becken nicht mehr bewegen kann.
Eine ältere Ausprägung des China-Beckens erinnert in seiner Form an die von Fingerbecken.
Wie alle Becken wird auch das China-Becken mit verschiedenen Anschlagmitteln in Schwingung versetzt. Der Stock produziert einen rauhen, manchmal geradezu scheppernden und eher kurzen Klang, während Schlegel mit Filzköpfen einen »mächtig« wirkenden, sich dynamisch entwickelnden Klang erzeugen.

China-Becken werden im Orchester meist in thematisch entsprechender Musik eingesetzt, in Neuer Musik auch als Effektbecken. Im frühen Jazz wurden Becken dieser Bauart sogar überwiegend verwendet, doch spielten sie im Jazz schon seit den 1930er-Jahren nur eine untergeordnete Rolle und waren aus dem Jazz der Nachkriegszeit fast völlig verschwunden. In der Rockmusik waren die Becken in den 1950er- und 1960er-Jahren nicht üblich, doch gab es einige Schlagzeuger im Bereich des Jazzrocks, die wenigstens ein Becken dieser Art in ihr Set aufnahmen. Seit den 1970er-Jahren wurden die China-Becken wieder häufiger eingesetzt, zumal seit Ende der 1970er-Jahr von einigen Bands der New Wave. Seitdem konnte sich das China-Becken wieder etablieren und gehört beinahe obligat zum Set von Schlagzeugern im Metal. China-Becken werden von allen namhaften Beckenschmieden hergestellt.

Literatur

Pinksterboer, Hugo/Mattingly, Rick (Ed.): The Cymbal Book; Milwaukee 1992
Aldridge, John: Guide To Vintage Drums; Anaheim Hills 1994
Montague: Timpani & Percussion; Reihe Yale Musical Instruments Series; New Haven/London 2002