Fender-Rhodes-Electric-Piano

Fender-Rhodes-Electric-Piano, auch kurz nur Rhodes, elektromechanisches Tasteninstrument (Idiophon), in den 1940er-Jahren von Harold Burroughs Rhodes (* 1910, † 2000) für die gesundheitliche Rehabilitation von Soldaten entwickelt.

Das Instrument wurde erst in den 1960er-Jahren einem größeren Kreis von Musikern bekannt. 1959 hatte der Gitarrenhersteller Fender Rhodes’ Firma gekauft. Leo Fender entwickelte gemeinsam mit Rhodes das Klavier weiter, stellte allerdings aufbauend auf der Technik zunächst nur ein Bassinstrument mit einem Umfang von 32 Tasten her. Danach verlor Leo Fender das Interesse an dem Instrument. 1965 verkaufte er seine gesamte Firma an CBS. CBS wiederum sah in der Technik durchaus die Möglichkeit, ein vollwertiges elektrisches Piano auf den Markt bringen zu können und stellte schließlich ab 1965 mehrere Varianten her. Das Fender-Rhodes-Klavier erfreute sich bald wegen seines perkussiven Klanges größter Beliebtheit bei Jazzmusikern und wurde vor allem bei Jazzrock-Gruppen zum festen Bestandteil es Instrumentariums. In jüngerer Zeit fand es auch Anklang bei Hiphop- und Triphop-Formationen.

Fender-Rhodes Klaviere gab es in zwei grundsätzlichen Bauformen: Das so genannte Suitcase-Piano wurde mit einer Verstärker-Lautsprecher-Kombination ausgeliefert; dabei diente die Lautsprecherbox als Unterteil für das eigentliche Klavier. Die Stage-Version bestand lediglich aus dem Klavier selbst, das in einem Gehäuse aus Holz und stabilem Kunststoff untergebracht war und auf Stahlrohrbeinen ruhte. Ursprünglich war dieses Gehäuse auf der ganzen Länge stark abgerundet; da es sich bei den Musikern einbürgerte, eine weiteres Tasteninstrument auf das Gehäuse zu stellen – meist einen Minimoog-Synthesizer –, änderte Fender/CBS bald das Gehäuse und begradigte seine Form.

Die Tastatur hatte in den ersten Versionen lediglich einen Umfang von 73 Tasten; später gab es auch Instrumente mit dem bei Klavieren und Flügeln üblichen Umfang von 88 Tasten.

Die Tonerzeugung des Fender-Rhodes-Klaviers besteht je Taste aus einem dünnen Rundstab, auf den eine Spiralfeder als Stimmhilfsmittel aufgeschoben ist. Der Rundstab – Tine genannt – ist über einen kleinen Metallblock mit dem so genannten Tonebar verbunden, der aus einer dünnen Metallzunge besteht, die länger als der Tine ist und den eigentlichen Resonator darstellt. Der Tine wird von dem mit der Taste verbundenen Hammer angeschlagen und versetzt damit nicht nur diesen, sondern auch den Tonebar in Schwingung. Während des Anschlags wird der jeweilige Tine von dem ihm zugeordneten Dämpfer freigegeben; mittels eines Pedals können alle Dämpfer von den Tines abgehoben werden. Der Ton selbst wird von einem elektromagnetischen Tonabnehmer abgenommen, verstärkt und einer Klangregelung zugeleitet.

Die gesamte Konstruktion der Tonerzeugung bietet diverse Eingriffsmöglichkeiten – so an Hämmern und an den Tonebars – den Klang des Instrumentes grundsätzlich zu manipulieren, eine Möglichkeit, die nicht wenige Pianisten nutzten, in dem sie etwa kleine Gewichte an den Tonebars befestigten, um deren Schwingungsverhalten zu beeinflussen.

In den 1960er- und 1970er-Jahren gehörte das Fender-Rhodes-Piano beinahe obligat zu Jazzrock-Gruppen, verlor indes schnell an Bedeutung, als Anfang der 1980er-Jahre die japanische Firma Yamaha die ersten FM-Synthesizer (DX7) vorstellte, die gerade den Klang elektrischer Klaviere täuschend genau nachahmen konnten. So wurde 1984 die Produktion des Fender-Rhodes eingestellt.

Der Mythos des Instrumentes allerdings hielt sich über die Jahre und die verschiedenen Modelle des Pianos blieben gesuchte Instrumente, zumal auch jüngere Ausprägungen der Popmusik wie etwa Trip Hop zu einem guten Teil auf dem Klang basierten. 1997 kaufte Rhodes die Rechte an dem Namen von dem Instrumentenhersteller Roland Corporation zurück und gründete mit Hilfe von Joseph A. Brandstetter die Firma Rhodes Music Corporation. Nach dem Tode von Rhodes erwarb Brandstetter seinerseits die Rechte und stellte 2007 den Prototyp eines neuen elektrischen Klavieres vor. Seit 2010 ist das Instrument unter dem Namen Rhodes MK7, eine Reinkarnation der alten Fender-Rhodes-Pianos, auf dem Markt.