Glasspiel

Glasspiel, auch Verrophon oder Krystallophon, englisch: Musical glasses, französisch: verillon, Idiophon (Aufschlagidiophon, Reibidophon), Zusammenstellung von verschieden gestimmten Gläsern, die entweder angeschlagen oder mit angefeuchtetem Finger gerieben werden.

Glasspiel

Glasspiel (Fotolia)

Im einfachsten Falle eines Glasspieles werden normale Trinkgläser von gleicher Art mit unterschiedlichen Mengen Wassers gefüllt, je mehr Wasser sich in dem Glas bedient, desto tiefer ist der Ton, den das Glas bei Anschlag erzeugt. Will man ein Glasspiel als Reibidophon benutzen, so sollten die Gläser eine bauchige Form und einen Stiel haben, also Weingläser sein. Der Ton wird mit dem angefeuchteten Zeigefinger erzeugt, in dem der Spieler mit der Fingerbeere auf dem Rand des Glases entlangfährt. Der entstehende relativ leise Ton entwickelt sich ohne ein charakteristisches Einschwingen und ist einerseits sehr klar und »ätherisch«, andererseits auch ein wenig starr. Dennoch hat der Klang der schwingenden Gläser einen unmittelbaren Reiz und so ist dieser Klang in vielen Synthesizern als Preset vorrätig.

Glasharmonika

Glasharmonika (Fotolia)

Wird ein solches Glasspiel als Musikinstrument eingesetzt, so kann es mehrere Oktaven umfassen. Da es sich als mühselig herausgestellt hat, stets Gläser in ausreichender Menge bereit zu halten, gab es seit dem späten 18. Jahrhundert mehrfach Versuche, ein Musikinstrument zu konstruieren, das Töne mit Glas erzeugt. Das bekannteste Glasspiel dieser Art ist die 1761 von dem Amerikaner Benjamin Franklin in London vorgestellte Glasharmonika. Sie besteht aus einem rechteckigen Kasten, in dem sich eine Welle befindet, die durch einen Fußantrieb in Drehung versetzt werden kann. Auf der Welle ist eine Anzahl von Glas-Halbschalen von unterschiedlicher Größe so befestigt, dass sich links die großen Schalen befinden, in deren Höhlung die jeweils nächst kleineren Schalen stecken, ohne ihre Nachbarn zu berühren. Jede Halbschale erzeugt einen Ton, die Größe steht für die Tonhöhe, je kleiner, desto höher. Die Glasharmonika hatte zunächst einen Tonumfang von g bis g2, der erst auf c bis f3 und dann auf c bis c4 erweitert wurde. Die Glassschalen sind wie eine Klaviatur angeordnet, wobei die Schalen der Töne Cis/Des, Dis/Es und so weiter einen vergoldeten Rand haben.

Zum Spiel nahm der Instrumentalist vor dem auf Beinen ruhenden Kasten Platz und setzte mit einem Fußpedal den Antrieb für die Welle mit den Glasschalen in Gang. Die Töne wurden auf die übliche Weise mit angefeuchtetem Finger erzeugt.

Die Glasharmonika wurde um 1800 durchaus ernsthaft betrachtet und Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven komponierten für das Instrument, und kleine Partien finden sich in einigen Opern. Auch gab es mit Marianne Kirchgessner, P.J. Frick, J.G. Naumann und Carl Ferdinand Pohl sen. eine Reihe von Virtuosen der Glasharmonika.

Der Klang des schwingenden Glases regte weitere Erfinder an, Glasharmonika-Instrumente zu bauen. Manche, so zum Beispiel die Klavierharmonika, hatten Tasten, mit denen Streichpolster an die Gläser gedrückt wurden, andere wiesen mehrere »Manuale« auf, so zum Beispiel das Harmonikon, die Coelestine sogar drei. Alle diese Instrumente setzten sich nicht durch und gerieten schon vor Mitte des 19. Jahrhunderts außer Gebrauch. Richard Strauss erinnerte sich Anfang des 20. Jahrhunderts an die Glasharmonika und gab dem Instrument einen kleinen Part in der Oper »Frau ohne Schatten« (1919). Er gab auch den Bau einer Glasharmonika in Auftrag, doch wurde dieses nicht eingesetzt und der Part von einer Celesta übernommen.

Mit einem Glasspiel lassen sich leicht grundlegende Phänomene und Gesetze der Musik wie beispielsweise der Zusammenhang von Füllung eines Glases und Tonhöhe demonstrieren. So hat das Glasspiel eine gewisse Bedeutung in der Musikpädagogik und wurde in diesem Sinne auch von Carl Orff in seinem »Schulwerk« angeführt.

Werke

Wolfgang Amadeus Mozart: Quintett für Glasharmonika, Flöte, Oboe, Viola und Cello KV 617
Wolfgang Amadeus Mozart: Adagio in C KV 617a
Ludwig Beethoven: Melodram für Sprechstimme und Glasharmonika, Nr. 3 (Bühnenmusik zu Fr. Dunckers Drama »Leonore Prohaska« [1815])
Elliott Goldenthal: Othello (1998)

Diskografie

Wiener Glasharmonika Duo: Mozarts letztes Glas (2009)

Weblink

www.glassarmonica.com (Englischsprachige Site zur Glasharmonika)