Glockenspiel

Glockenspiel, englisch glockenspiel, Bezeichnung für verschiedene Zusammenstellungen von Glocken oder wie Glocken klingende Metallstäbe, Idiophon (Aufschlagidiophon, Metallophon, teilweise Stabspiele)

1) Das im Mittelalter gebräuchliche Glockenspiel bestand aus einer mehr oder weniger großen Anzahl kleiner Glocken, den Cymbala, die nach Tonhöhe geordnet in einem Rahmen hingen. Die Glocken kleiner Glockenspiele wurden von einem Spieler, größere aber auch von zwei Spielern mit Hämmern oder Stäben angeschlagen. Dem Instrument waren zwei Aufgaben zugewiesen: Zum einen diente es in der Musikausbildung der Intervalllehre, zum anderen kam es bei der Ausführung des Organums (frühe Form der Mehrstimmigkeit) zum Einsatz.

2) Das Turmglockenspiel (englisch. Carillon, französisch: carillon) trat seit dem 12. Jahrhundert zunächst in den Niederlanden auf, verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten in seinen verschiedenen technischen Ausführungen zunächst in Belgien, Nordfrankreich und Deutschland, dann auch in England und Russland. Im 19. Jahrhundert wurden auch in den USA Turmglockenspiele gebaut. Die Glocken von Turmglockenspielen hängen im Turm und werden durch Klöppel angeschlagen. An den Glocken sind Seile befestigt, deren Ende zu einer Schlaufe gebunden sind, in die der Spieler tritt und damit die Glocke in Bewegung versetzt; das »Treten« der Glocken wurde auch Beiern genannt. Diese schwerfällige Traktur wurde später durch je eine großformatige Manual- und eine Pedalklaviatur ersetzt, in denen die Seile zusammenliefen; der Spieler schlug die großen Tasten aus Holz mit der Faust bzw. mit den Füßen an.
Turmglockenspiele waren häufig in Stadt- und Kirchtürmen aufgehängt, in denen sich auch Uhren befanden. Das Glockenspiel wurde jeweils vor dem eigentlichen Stundenschlag gespielt. Da der Stundenschlag von der Uhr gesteuert wurde, lag die Idee nahe, auch das Carillon von der Uhr in Gang setzen zu lassen. So wurde das Glockenspiel mit dem Uhrwerk verbunden, und die jeweilige zu spielende Musik mit einer entsprechend eingerichteten Stiftwalze – dem Programm – automatisch abgespielt. Die Stiftwalze, angetrieben von dem Uhrwerk, setzte Klöppel in Gang, die die Glocke von außen anschlugen.
Der ursprünglich begrenzte Tonumfang der Turmglockenspiele wurde im Zuge dieser Entwicklung erheblich gesteigert, so dass große Turmglockenspiele einen Tonumfang von mehreren Oktaven haben können. Das Carillon in Berlin, Stadtteil Tiergarten, hat einen Tonumfang von fünfeinhalb Oktaven; dieses Glockenspiel kann per Hand gespielt werden, es verfügt aber auch über eine zeitgesteuerte Automatik.

3) Als Glockenspiel werden auch Metallstabspiele aller Art genannt. Im einfachsten Fall werden dazu mehrere abgestimmte Platten aus Stahl oder Leichtmetall auf einem Rahmen oder in einem Kasten befestigt; jede der Platten ist auf zwei Punkten, den Schwingungsknoten der Platte auf Gummi oder Kunststoff gelagert. Die Platten sind zwar gleich breit, je nach Tonhöhe aber von unterschiedlicher Länge.
Einfache Glockenspiele gehören noch in den Bereich von Kinderspielzeug, die diatonisch angeordneten Platten sind farblich gekennzeichnet. Glockenspiele dieser Bauart werden auch in der Musikpädagogik verwendet und sind Bestandteil des Orff-Instrumentariums.

Diatonisches Glockenspiel für kinder (Fotolia)

Diatonisches Glockenspiel für Kinder (Fotolia)

Chromatisches Glockenspiel (Fotolia)

Chromatisches Glockenspiel (Fotolia)

Die Platten chromatischer Glockenspiele sind in Form einer Klaviatur angeordnet und haben in der Regel einen größeren Tonumfang. Orchesterglockenspiele dieser Art können einen Tonumfang von bis zu drei Oktaven haben und werden in ein Gestell eingebaut, so dass das Instrument im Stehen gespielt werden kann. Die Platten werden mit Holzschlägeln oder Metallstäben angeschlagen und können mittels eines Pedals abgedämpft werden. Glockenspiele wurde auch mit einer Tastatur ausgerüstet; in diesem Fall werden die Stäbe von kleinen Hämmern angeschlagen. Die Eigenart dieser Mechanik erlaubt es allerdings nicht, das Instrument dynamisch zu spielen, ein Grund dafür, dass es entweder von der Celeste oder aber von dem Malletinstrument ersetzt wird.

Chromatisches Glockenspiel in Lyraform (Fotolia)

Chromatisches Glockenspiel in Lyraform (Fotolia)

Eine besondere Form des Glockenspiels stellt das bei Militärkapellen oder Spielmannszügen verwendete Lyraglockenspiel dar: Hier sind die Klangplatten in einer in die Senkrechte gedrehten Form in einem lyraförmigen Metallrahmen befestigt. Eine am Bogen der Lyra befestigte Stange ermöglicht es, dass das Instrument in einem Köcher getragen werden kann. Dabei wird das Glockenspiel and er Stange mit der linken Hand gehalten, während mit de rechten Hand die Platten angeschlagen werden, meistens mit einem Stab aus Metall.

Glockenspiele können als Register auch Teile einer Orgel sein. Während der Cymbelstern lediglich ein effektvolles Geläute und Geklingel bietet, gibt es auch vollwertige Glockenspiele, die der Organist vom Manual aus spielen kann.

Diskografie

Elvis Costello: Spike (1989)