Hi-Hat

Hi-Hat, auch Hi Hat, Idiophon (Gegenschlagidiophon, Aufschlagidiophon, Metallophon), mittels eines Pedals zu betätigende Maschine für ein Beckenpaar; gelegentlich sind auch die inzwischen veralteten Bezeichnungen Becken-Fußmaschine und Charleston-Maschine anzutreffen.

Hi-Hat (links) und Standard-Beckenständer (Sonor)

Hi-Hat (links) und Standard-Beckenständer (Sonor)

Eine Hi-Hat besteht aus einem Rohr, das senkrecht auf einem dreibeinigen Fuß befestigt ist. In das Rohr wird eine Stange eingeführt, die etwa 15 Zentimeter über das obere Ende des Rohres hinausragt. Das untere Ende ist über ein Gelenk mit einem Pedal verbunden. Das Pedal wiederum wird von einer im Rohr befindlichen und mit der Stange fest verbundenen Feder in einem Winkel von etwa 30 bis 40 Grad in einer Ruhestellung gehalten. Auf das obere Ende des Rohres wird ein Becken, in dessen Mitte ein Loch gebohrt wurde, mit der Kuppe nach unten auf eine Filzscheibe gelegt; das Becken darf weder Trägerrohr noch Stange direkt berühren. Auf die Stange wird ein weiteres Becken mit der Kuppe nach oben auf das Rohr geschoben. An der Kuppe ist eine Stellschraube fest angebracht, mit der das Becken fest an der Stange befestigt werden kann. In Ruhestellung der Hi-Hat ist zwischen den beiden Becken ein Abstand von drei bis vier Zentimetern einzuhalten, doch stellt jeder Schlagzeuger sich diesen Abstand seiner Spielweise entsprechend ein; die Becken sollten sich jedenfalls in Ruhestellung des Pedals nicht berühren. Wenn der Schlagzeuger das Pedal niedertritt, wird das obere Becken gegen das untere geschlagen und erzeugt dabei einen zischenden, aber kurzen und eher leisen Klang.

Mit der Hi-Hat ist aber eine Vielzahl von Spielweisen möglich. Wird der Tritt auf das Pedal sehr kurz ausgeführt so klingen beide Becken länger nach. In der Rockmusik ist die Hi-Hat neben Snare Drum und Bass Drum das wichtigste Perkussionsinstrument. Hier dominiert eine Spielweise, bei der das Beckenpaar durch dauernde Belastung des Pedals geschlossen gehalten und mit dem Stock in einer Achtel-Bewegung angeschlagen wird; damit hat die Hi-Hat im Rock die Bedeutung, die das Ride-Becken im Jazz hat. Durch wechselnden Pedaldruck kann der Klang der geschlossenen Becken variiert werden. In manchen Rockstilen wird das Pedal mituntern auch gar nicht benutzt, sondern das obere Becken liegt lose auf dem unteren Becken auf, wird also nicht fest mit der Stange verbunden; der resultierende Klang ist laut, eher dumpf und hat einen hohen Geräuschanteil.

Für die Hi-Hat kommen in der Regel keine besonderen Becken zur Anwendung. Die Größe der Becken beträgt zwischen 25 Zentimeter (10 Zoll) und etwa 38 Zentimetern (15 Zoll). Sei sind damit größer als die, die für die Low-Boys verwendet wurden. Auch ist die Kuppe von Hi-Hat-Becken relativ zum Durchmesser kleiner und weniger ausgeprägt als die anderer Becken, dies, um das Anspiel mit Stöcken zu erleichtern – die Becken bieten einfach mehr Schlagfläche. Von vielen Schlagzeugern wurde die dämpfende Wirkung, die die zwischen den Becken befindliche Luft bei Betätigen des Pedals hat, als Problem angesehen, so dass verschiedene Versuche unternommen wurden, der Luft ein schnelles Entweichen zu ermöglichen. Eine einfache Vorrichtung ist der Einbau einer Stellschraube, die das untere Becken leicht schräg zum oberen stellt. Die Becken liegen dadurch nicht kongruent übereinander, so dass die Luft austreten kann. Auch wurden mehrere Löcher in das untere Becken geschnitten, schließlich das untere Becken mit einem gewellten Rand versehen.

Die Charleston-Maschine, wie es sie etwa seit den 1920-Jahren gibt, stellt eine Nachahmung des im Orchester und in Militärkapellen von einem Instrumentalisten gespielten Beckenpaares dar. In den Bands des frühen Jazz wurde diese Aufgabe dem Schlagzeuger übertragen. Zu diesem Zweck wurden zunächst zwei Becken jeweils an einem Brett befestigt. Die Bretter wurden von einem Scharnier zusammengehalten, doch verhinderte eine Feder zwischen den Brettern, dass die Becken zusammenschlugen. Die gesamte Vorrichtung wurde auf den Boden gelegt und der Schlagzeuger trat auf das oben liegende Brett, wodurch die beiden Becken direkt aufeinander schlugen. Aus dieser auch als »Low-Hat« bezeichneten Vorrichtung soll der Schlagzeuger Vic Berton (* 1896, † 1951) die Hi-Hat konstruiert haben, mit der die Becken in die Reichweite der Stöcke des Schlagzeugers gebracht wurden. Er ist aber nicht der einzige, dem die Erfindung zugeschrieben wird: Auch Barney Walberg, Gründer des amerikansichen Hardware-Herstellers Walberg & Auge, sowie die Schlagzeuger Joseph »Kaiser« Marshall und Cuba Austin; letzterer zählen zumindest zu den ersten, die die neuartig Mechanik einsetzten.