Low-Boy

Low-Boy, englisch low für »niedrig, tief« und boy für »Junge«, Idiophon (Gegenschlagidiophon, Aufschlagidiophon, Metallophon), auch Low-Sock oder Low-Hat, Beckenpaar, das auf einer Fußmaschine montiert ist, aber nicht auf einem Ständer wie die Hi-Hat.

Paare von gleich großen Becken, die gegeneinander geschlagen wurden, waren in der Kunstmusik wie der Marschmusik schon lange üblich, und kamen auf diesem Weg auch in den frühen Jazz. Da für das Spiel aller Perkussionsinstrumente in der Regel nur ein Instrumentalist zuständig war, hatte dieser häufig mehrere Instrumente gleichzeitig zu spielen. Zur Erleichterung wurde ein Beckenpaar auf einer einfachen, mit dem Fuß zu betätigenden »Maschine« gesetzt. Dazu waren zwei längliche Bretter an einer Schmalseite mit einem Scharnier versehen, während die beiden Becken gegeneinander zwischen die Bretter gesetzt und je ein Becken auf je einem Brett verschraubt wurden. An einem der Bretter war eine Schlaufe aus Leder befestigt, in die der Spieler einen Fuß steckte; die komplette Maschine wurde auf den Boden gelegt. Bei anderen Konstruktionen war in der Nähe des Scharniers eine Sprungfeder zwischen den Brettern angebracht. In jedem Fall bewegte der Instrumentalist mit der Bewegung seines Fußes die Becken gegeneinander. Wegen ihres Aussehens wurden diese Instrumente auch Snowshoe oder simple Charleston-Maschine genannt, manchmal aber auch Crocodile Foot Cymbal Pedal..

Aus diesem primitiven Instrument wurde um 1920 innerhalb weniger Jahre der so genannte Low-Boy entwickelt, eine mechanisch ausgefeiltere Konstruktion der einfachen Brettmechanik, die nunmehr komplett aus Metall gefertigt war, wobei die Becken von einer Feder auseinander gehalten wurden. Der wesentliche Unterschied zur Hi-Hat bestand aber nach wie vor darin, dass die Becken nicht mit dem Stock angeschlagen wurden. Mit der Verfügbarkeit der Hi-Hat kam der Low Boy schnell außer Gebrauch, da die Hi-Hat wesentlich mehr Spielmöglichkeiten bietet. Gelegentlich allerdings ist ein Low-Boy in Aktion zu sehen, so etwa in einem Video, das der britische Rockmusiker Neil Innes aufnahm: Darin trägt er den einzigen Hit seiner Band Bonzo Dog Doo-Dah Band vor, »I’m the Urban Spaceman« vor, begleitete sich dabei mit einem kleinen Keyboard und einem Low-Boy.

Die mit einem Low-Boy betätigten Becken hatten in der Regel eine Durchmesser von etwa 8-10 Inch, waren damit also um einiges kleiner als die heute mit Hi-Hats verwendeten Becken, deren Durchmesser 12-14 Inch beträgt; manche Schlagzeuger verwenden auch noch größere Becken für ihre Hi-Hat. Ian Paice von Deep Purple etwa bevorzugte zeitweise Becken von 16 Inch Durchmesser.

Literatur

Montagu, Jeremy: Timpani & Percussion; New Haven/London 2002
Nicholls, Geoff: TheDrum Book – A History of the Rock Drum Kit; New York 2. Auflage 2008

Weblink

www.lib.uchicago.edu/e/su/cja/cymbal.html (Website mit Abbildung eines Low-Boy)