Orchestrion

Orchestrion, von altgriechisch orchestra für »Platz vor der Bühne«, Zusammenstellung verschiedener Musikinstrumente, die von einer Pogrammeinrichtung gesteuert automatisch vorher festgelegte Musikstücke abspielen.

Zu einem Orchestrion gehören insbesondere eine Orgel sowie diverse Schlaginstrumente. In avancierte größere Orchestrions wurden auch Streichinstrumente, beispielsweise Violinen, eingebaut. Die gesamte Apparatur befand sich meist in einem reich verzierten Gehäuse, das beträchtliche Ausmaße annehmen konnte. Fenster in dem Gehäuse erlaubten es, der Mechanik zuzusehen.

Orchestrion

Orchestrion (Fotolia)

Der Antrieb von Orchestrions erfolgte durch Druckluft, die von Bälgen zur Verfügung gestellt wurden. Die Bälge wurden in früherer Zeit von Gewichten betätigt, die sich hinter dem Orchestrion befanden. Nachdem sie hochgezogen worden waren, senkten sie sich langsam herab und setzten damit einen Mechanismus zum Füllen der Bälge in Gang. Große Orchestrions benötigten für ihren Betrieb Gewichte von mehreren hundert Kilogramm. Nach Erfindung der Dampfmaschine wurden diese auch für den Betrieb der Orchestrions eingesetzt; auch der für den Betrieb der Dampfmaschine benötigte Dampf konnte auch für das Anblasen von bestimmten Instrumenten des Orchestrions dienen und ermöglichte Lautstärken von bis dahin ungekannter Größe. Später wurde vor allem der Elektromotor als Antrieb für die Mechanik der Orchestrions benutzt.

Die Musikstücke, die ein Orchestrion spielte, waren auf Stiftwalzen quasi programmiert. Durch das langsame Drehen der Walzen lösten die Stifte bestimmte Aktionen aus. Ab etwa 1900 wurden auch Lochstreifen eingesetzt, wie sie dann auch in Drehorgeln benutzt wurden.

Orchestrion-jahrmarkt

Orchestrion (Fotolia)

Die Orchestrions waren besonders zwischen 1850 und 1920 beliebt und standen auf Jahrmärkten, in Tanzhallen und auch einigen Passagierschiffen. Vereinzelt gab es Orchestrions in der Bundesrepublik Deutschland auf Jahrmärkten noch bis in die 1960er-Jahre. Die ersten Spielmechaniken, die den Namen Orchstrion trugen, wurden von der in Dresden ansässigen Firma Kaufmann gebaut. Auch die Firma Welte im Schwarzwald beschäftigte sich mit dem Bau von Orchestrions; die Erfahrungen der Firma im Bau von Spielmechaniken flossen dann auch in den Bau des Welte-Mignon-Flügels ein.

Die laute, farbige und unter Umständen auch aufdringliche Klangwelt wird unweigerlich mit Jahrmarkt, Kirmes und Zirkus verbunden. In diesem Sinne nutzte etwa auch die Beatles für den Song »For the Benefit of Mr. Kite« auf der LP »Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band« (1967) Aufnahmen mehrerer Dampforgeln und Orchestrions zur Illustrierung.

Diskografie

The Beatles: Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)