Pauke

Pauke, auch Kesselpauke, englisch: kettledrum, timpano, französisch: timbale, italienisch: timpano, Membranophon (Schlaginstrument), wichtigstes Schlaginstrument im klassischen Orchester

Kesselpauke

Kesselpauke (Fotolia)

Im einfachsten Fall besteht eine Pauke aus einem halbkugel-förmigen Kessel aus Kupfer, über den ein Kalbfell gespannt ist. Bei modernen Pauken ist die Form des Kessels parabolisch und das Fell besteht aus Kunststoff. Wenn auch das Kunststofffell einige Vorteile aufweist – es ist insgesamt wesentlich robuster und auch witterungsunempfindlich – bevorzugen die Instrumentalisten auch bei modernen Pauken das besser klingende Kalbfell. Dabei wird das Fell so aufgespannt, dass das »Rückgrat« mittig über dem Kessel zu liegen kommt; in diesem Bereich ist das Fell dicker als an seine Außenbereichen. Die Kessel weisen, um eine Druckausgleich zu bewirken, im Boden ein Loch von etwa drei Zentimetern Durchmesser auf.

Grundsätzlich können Pauken gestimmt werden. Dazu dient ein mit Spannschrauben ausgerüsteter Spannreifen, mit dessen Hilfe das Fell mehr oder weniger stark über den Rand des Kessels gezogen werden kann. Je stärker die Spannung, desto höher der Ton. Pauken dieser Art stehen in einem Ständer mit drei oder vier Beinen und können von diesem getrennt werden. Es ist nicht möglich, die Stimmung dieser Instrumente ad hoc vorzunehmen.

Pauke-modern

Pedalpauke (Fotolia)

Moderne Pauken sind mit einer festen Stimmmechanik versehen, bei der Pauke und Ständer eine feste, funktionale Einheit bilden. Im Laufe der Entwicklung des Instrumentes wurden verschiedene Lösungen gefunden, die Stimmung der Pauke in kürzester Zeit zu verändern. Bei der Drehkesselpauke, Anfang des 19. Jahrhunderts konstruiert, waren die Stimmmechaniken über Stangen in einem am Fuß der Pauke angebrachten Ring zusammengefasst, der in einer zentral angebrachten Schraube drehbar gelagert war. Durch Drehen des Kessels der Pauke in eine Richtung wurde das Fell gespannt, durch Zurückdrehen wieder entspannt. Bei der Hebel- oder Kurbelpauke wurde der Kessel durch eine vertikal beweglich Kurbel- oder Hebelmechanik als Ganzes gegen das Fell gedrückt – dieses dadurch stärker gespannt –, oder aber von diesem wegbewegt. 1881 schließlich wurde mit der Pedalpauke die moderne, noch heute übliche Paukenmechanik patentiert. Bei dieser Mechanik, die in Teilen der der Drehkesselmechanik ähnelt, werden die Spannschrauben des Spannreifens über Stangen ebenfalls mit einer zentral angeordneten Schraube verbunden. Diese Schraube wird mittels eines einzelnen Pedals bewegt. Das Pedal ist bei diesen Pauken mit einer am Kesselrand angebrachten Anzeige verbunden, die es ermöglicht, die Pauke recht exakt zu stimmen.

Die Tonhöhe der Pauken ergibt sich aus deren Durchmesser und der Spannung des Fells. Da ein Fell nicht über ein gewisses Maß hinaus gespannt werden kann, gibt es Pauken in diversen Durchmessern: Die Bass-Pauke oder Tiefe Pauke hat einen Durchmesser von 75 bis 81 Zentimetern bei einer Tonlage zwischen D und H. Die Große Pauke hat eine Durchmesser von 68 bis 71 Zentimetern, Tonlage zwischen F und d, die Kleine Pauke einen Durchmesser von 61 bis 65,5 Zentimeter, Tonlage zwischen A und fis, die Hohe Pauke schließlich hat einen Durchmesser von 56 bis 58 Zentimetern und der Ton liegt zwischen e und c1. Bis etwa 1800 wurden die üblichen zwei Pauken als Tonika- und Dominantinstrument eingesetzt, die Stimmung jeweils angegeben und transponierend auf C und G notiert. Ab 1800 wurde dann klingend notiert.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren im Orchester zwei Pauken obligat besetzt; später wurden meist vier Pauken verwendet, in der spätromantischen Musik auch mehr. Hector Berlioz schrieb für sein Werk »Grande messe des morts« (1837) 16 Pauken vor. Beim Einsatz von vier Pauken werden in der Regel zwei Große und zwei Kleine Pauken aufgestellt.

Das Fell der Pauke wird mit ein oder zwei Schlägeln je Hand angeschlagen. Die Köpfe der hölzernen Schlägel von knapp 40 Zentimetern Länge wurden früher mit Leder oder Stoff bezogen, heute werden verschiedene weiche und harte Filze, Schaumstoff und auch Holz verwendet. Der Klang einer Pauke ergibt sich nicht zuletzt aus der Anschlagstelle, dem so genannten Schlagfleck; der typische Klang wird durch Schlag auf eine Stelle kaum 15 Zentimeter vom Rand des Kessels entfernt erreicht. In der Mitte des Schlagfells ergibt der Schlag einen deutlich anderen, weit dumpferen Ton.

Die Pauke stammt aus Asien und kam nach den Kreuzzügen über Kleinasien nach Europa, zu dieser Zeit in einer deutlich kleineren Form; die Pauke konnte von ihrem Spieler am Gürtel befestigt werden. Entsprechend ihrer Bindung an das Militär, vor allem die Kavallerie, ergab sich auch eine große Nähe zu den Blechblasinstrumenten, so dass die Pauker den Trompetern gleichgestellt waren. Im Orchester dagegen war die Pauke bis ins 17. Jahrhundert hinein von geringer Bedeutung. Da die Instrumentalisten eine Vielzahl von Schlagtechniken und Schlagformeln aus dem militärischen Bereich kannten, wurde ihr Part noch nicht einmal notiert – es war jedem Pauker geläufig, wie er sein Instrument zu welcher Musik zu spielen hatte.

Literatur

Montagu, Jeremy: Timpani & Percussion; New Haven/London 2002