Schelle

Schelle, Idiophon (Schlaginstrument, Rassel), Geräuschinstrument, das neben seinem Gebrauch in der Militärmusik vereinzelt auch in der Kunstmusik eingesetzt wurde; als Schellen werden auch die Blechplatten-Paare in Schellenringen bezeichnet.

Schelle

Schelle [Fotolia]

Eine Schelle besteht aus einer Kugel aus dünnem Eisen-, Stahl- oder Messingblech, manchmal auch Silberblech, in die ein Anschlagmittel, etwa ein Steinchen, eingeschlossen ist. In die Kugel ist eine Öffnung geschnitten, meist ein kleiner Schlitz, der jeweils an den Enden kreisförmig erweitert ist; es gibt auch Schellen mit zwei kreuzförmig eingeschnittenen Schlitzen. Gegenüber dem Schlitz ist eine Öse aus dünnem Draht angelötet, um die Schelle befestigen zu können. Die Größe von Schellen ist nicht normiert, sie reicht von etwa einem Zentimeter bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser. Der Klang der einzelnen Schelle ist kurz, leise, hell, blechern und von unbestimmbarer Tonhöhe. Werden mehrere Schellen in nicht zu kleiner Anzahl eingesetzt, so ist der Klang gerade wegen seiner Unbestimmtheit sehr auffällig.

Schellenbaum

Schellenstab [Fotolia]

Um Schellen als Musikinstrument nutzen zu können, werden mehrere – bis zu 20 – an einem Holzstab befestigt; der Stab wird in die Hand genommen und als Ganzes geschüttelt. Der Schellenbaum – ein etwa zwei Meter langer Stab, an dessen Spitze mehrere »Dächer« aus Blech befestigt sind, an denen wiederum die Schellen hängen – wurde im 18. Jahrhundert nach Vorbildern aus China und der Türkei für die Janitscharenmusik übernommen und kam auf diesem Weg auch in die europäische Kunstmusik. Schellenbündel verschiedener Form wurden dann auch etwa von Gustav Mahler und Mauricio Kagel in einigen wenigen Kompositionen verwendet. In der Volksmusik spielen die Schellen ebenfalls ihre Rolle, und bei Liedern, deren Thematik etwa das Schlittenfahren ist, ist ihr Klang geradezu obligat.

Als auffälliger Schmuck werden Schellen seit Jahrhunderten benutzt. So kann eine Schelle eine Art Signalinstrument, ein tönender Schmuck sein und ist dann Bestandteil von Kleidung, etwa Mänteln, Schuhen oder Hüten. Mithin gehören Schellen zu den Trachten verschiedener Regionen Mitteleuropas, wie sie auch fester Bestandteil der Kleidung mancher Figuren (Gschell-Narr) der alemannischen Fastnacht sind, wie die kleinen Rasseln überhaupt zur Berufskleidung der Narren gehören und sich wenigstens eine an der Kopfbedeckung findet. In jüngerer Zeit tragen etwa Mitglieder der so genannten Gothic Scene Schellen an Kleidung und Taschen. Zur Osterzeit sind es Schokoladenhasen verschiedener Größe, deren um den Hals der Figur gebundene Schelle die Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll.

Als Schellen werden in manchen Regionen Deutschlands auch die in der römisch-katholischen Liturgie verwendeten Altar-Geläute bezeichnet, doch handelt es sich bei diesen Signalinstrumenten – sie zeigen die Gegenwart des Allerheiligsten an – um Glockenbündel.

Werke

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4 G-Dur (1899-1901)
Mauricio Kagel: Match (1964)

Diskografie

Dean Martin: The Dean Martin Christmas Album (1966)