Schlagzeug

Schlagzeug, auch Drums, Drum Set oder Drum Kit, seltener Trap Set genannt, Zusammenstellung verschiedener Trommeln (Schlaginstrumente; Membranophone) und Becken (Schlaginstrumente; Idiophone), vor allem in Jazz und Rock gebräuchlich, vereinzelt auch in der traditionellen Kunstmusik; das Schlagzeug entwickelte sich aus dem Schlagwerk der Militärmusik.

Drum-Set

Schlagzeug (Fotolia)

Im einfachsten Fall, etwa im Rockabilly, kann das Schlagzeug lediglich aus einer Snare Drum und einem Becken bestehen; auf der anderen Seite stellen manche Schlagzeuger – beispielsweise Carl Palmer, Cozy Powell, Mike Portnoy – Drum Sets imposanten Umfangs zusammen. So können zu einem Schlagzeug auch bis zu drei Bass Drums, mehrere Snare Drums, mehrere Tom Toms, diverse Ride-, Crash- und China-Becken sowie weitere Perkussioninstrumente jeglicher Art und Herkunft gehören. In jüngerer Zeit wurde diese als »akustisch« bezeichnete Arsenal noch durch elektronische Pads erweitert, mit deren Hilfe es möglich ist, jegliches akustische Ereignis als perkussives zu begreifen und in das Schlagzeugspiel zu integrieren. Als Standard-Aufbau eines Drum Sets hat sich eine Kombination von Trommeln und Becken erwiesen, wie sie etwa Ringo Starr, Schlagzeuger der Beatles, in der zweiten Häflte der 1960er-Jahre durchgängig benutzte. Dazu gehören: eine Bass Drum, eine Snare Drum, drei Tom Toms, eine High-Hat, ein Ride-Becken und wenigstens ein Crash-Becken. Die Bass Drum wird durch eine Fußmaschine angeschlagen; in jüngerer Zeit konnten sich hier auch Doppelpedale durchsetzen, mit deren Hilfe zwei Schlägel auf eine Bass Drum wirken. Ansonsten verwenden Schlagzeuger Stöcke (englisch Drum sticks) aus Holz oder Metall, seltener auch Kunststoff, sowie Besen (englisch brushes) aus Metall oder Kunststoff. In jüngerer Zeit sind auch so genannte Multi-Rods oder nur Rods gebräuchlich geworden. Dabei handelt es sich um mehrer dünne Stöcke, die zu einem dickeren Stock zusammengefasst werden; mit Rods ist ein grundsätzlich leiseres Spiel möglich.

Die meisten Schlagzeuger stellen ihr Set zwar nach persönlichen Vorstellungen zusammen, doch haben sich einige als stilistisch bedingt herausgestellt. So bevorzugen Jazz-Schlagzeuger in der Regel Trommeln kleineren Durchmessers, Snare Drums mit eher flachen Kesseln und dünnere Becken. Rock-Schlagzeuger hingegen verwenden meist Trommeln mit relativ großen Kesseln und auch dickere Becken. Die Anforderungen an das Material sind enorm, so dass seit den 1960er-Jahren die so genannte Hardware der Drum Sets stetig verbessert und verstärkt wurde. Selbst für Anfänger gedachte Instrumente sind heute weitaus stabiler ausgeführt als noch die für professionelle Musiker vorgesehenen Sets der 1960er-Jahre. Es gibt zwar immer wieder Moden in der Zusammenstellung von Trommeln – so waren etwa in den 1970er- und 1980er-Jahren Toms Toms mit sehr großen Kesseln ebenso beliebt wie tiefe Snare Drums aus Holz – doch wählen Schlagzeuger ihr Instrument nach den Vorgaben des musikalischen Umfeldes. Dabei spielen klischierte Klangvorstellungen natürlich eine gewisse Rolle. Nicht zu unterschätzen ist auch der Show-Wert eines größeren Schlagzeugaufbaus: Immer wieder kann man im Konzert Drummer beobachten, die nur einen Teil ihrer Schlaginstrumente nutzen. Obligat werden Schlagzeuge zumindest in Rock-Konzerten auf einem Podest aufgebaut – musikalische Gründe gibt es dafür nicht.

Literatur

Bacon, Tony: Rock Hardware; Poole 1981
Hofmann, Siegfried: Das große Buch für Schlagzeug und Percussion; Bonn 1994
Nicholls, Geoff: The Drum Book – A History of the Rock Drum Kit; New York 1997, 2., erweiterte Auflage 2008

Weblink

www.drummerworld.com (Website mit Informationen über Schlagzeuger und deren Instrumente)