Snare Drum

Snare Drum, englisch; Schnarrtrommel, deutsch: Kleine Trommel, französisch: caisse claire, italienisch: tamburo piccolo, Idiophon (Membranophon, Zylindertrommel), auch Side Drum

Die Snare Drum hat einen Durchmesser von etwa 25 cm bis 40 cm, meistens aber einen von etwa 35 cm (14 Inch). Die Zargenhöhe beträgt zwischen etwa 12 cm und 20 cm, doch gibt es auch Modelle mit geringerer Zargenhöhe und welche mit größerer. Durchmesser und Zargenhöhe haben direkten Einfluss auf den Klang der Trommel, die indes keine bestimmte Tonhöhe aufweist. Auch das Material, aus dem die Snare Drum besteht, ist für den Klang des Instrumentes von größter Bedeutung: Im Allgemeinen werden Snare Drums aus Holz, Metall, seltener auch aus Kunststoff gefertigt.

Snare Drum, Holz

Snare Drum mit Holzkessel (Fotolia)

Für Snares – so die Kurzform der Bezeichnung – aus Holz werden verschiedene Hölzer eingesetzt, so etwa Ahorn, Mahagoni, Birke, Esche oder exotische Hölzer, beispielsweise Bubinga. Die runde Form des Kessels kann auf zwei verschiedene Arten erreicht werden: Zum einen werden mehrere Lagen dünnen Holzes laminiert; zum anderen entspricht die Bauweise annähernd der eines Fasses. Holzkessel werden farblos, farbig lasiert oder farbig decken lackiert, oft auch mit Folie beklebt oder mit Celluloid belegt.

Snare Drum, Stahl

Snare Drum mit Metallkessel (Fotolia)

Metall-Snare-Drums bestehen aus Stahl, Messing, Bronze, Kupfer, Titan oder Aluminium. Sie werden in der Regel nicht lackiert – allenfalls, um das Material optisch zu erhalten –, mitunter aber auch eloxiert oder brüniert, manchmal auch mit Gravuren versehen.

Snare Drums aus Kunststoff bestehen meist aus Acryl-Glas, das entweder klar-durchsichtig ist oder aber eingefärbt ist.

Snare Drum, Snare-Teppich

Snare Teppich auf dem Resonanzfell einer Snare Drum (Fotolia)

Snare Drums haben ein Schlagfell und ein Resonanzfell; die Felle sind verschiedenartig, das Schlagfell meist um einiges dicker und auch aufgerauht. Über dem Resonanzfell ist auch der Snare-Teppich, eine mehr oder weniger große Anzahl von dünnen, gewellten Drähten angebracht; die Drähte liegen parallel nebeneinander und bilden den Snare-Teppich. Mit Hilfe einer Abhebevorrichtung, die vom Schlagzeuger mittels eines an der Trommelzarge befestigten Hebels betätigen kann, kann der Snare-Teppich vom Fell, auf dem er lose aufliegt, abgehoben werden, so dass er nicht weiter durch das Fell in Schwingung versetzt wird. Die Felle werden von Spannreifen, die entweder aus Stahl gepresst oder bei höherwertigen Instrumenten gegossen werden, gehalten. Die Spannreifen ihrerseits haben Löcher, durch die die Spannschrauben laufen. Die Spannschrauben haben ihre Befestigung entweder in speziellen an der Zarge angebrachten Böckchen oder aber im gegenüberliegenden Spannreifen. Mithilfe der Spannschrauben wird das Fell mehr oder weniger stark gespannt. Snare Drums werden zwar nicht auf einen bestimmten Ton gestimmt, doch hängt von der Spannung insbesondere des Schlagfells der Klang der Trommel ab: Je stärker gespannt, desto heller. Auch Ausführung und Spannung des Snare-Teppichs wirken sich auf den Klang aus, so dass für Experimente des Musikers großer Raum ist.

Snare Drum, Ständer

Snare Drum auf einem Ständer (Fotolia)

Snare Drums werden auf einen besonderen Ständer aufgelegt und mittels drei Haltearmen, die durch eine zentral gelegene Spannschraube die Trommel fest einklemmen, befestigt. Der Ständer bietet auch die Möglichkeit, die Trommeloberflächen – also das Schlagfell – in beliebige Neigungen zu versetzen; dies, um der jeweiligen Spielweise des Drummers (Side Stick, Matched Stick) gerecht zu werden.

Manche Snare Drums sind mit einem so genannten Innendämpfer versehen. Dieser besteht aus einem an der Zarge angebrachten Hebel oder einem Stellrad, das direkt auf eine an einem kleinen Arm befestigte Filzscheibe wirkt, die in der Trommel in mehr oder weniger starken Kontakt mit dem Schlagfell gebracht werden kann. Schlagzeuger bevorzugen allerdings eine auf dem Schlagfell direkt angebrachte Dämpfung, die aus einem einfachen Stück Klebestreifen, aus einem aufgeklebten Stoffstück oder einfach aus einem aufgeklebten Papiertaschentuch bestehen kann. Manche Schlagzeuger gehen bei der Dämpfung ihrer Snare Drum noch weiter: Ringo Starr breitete über das gesamte Schlagfell seiner Snare ein Geschirrtuch und erreichte damit seinen sehr individuellen Snare-Klang.

Für die Snare Drum oder Kleine Trommel gibt es diverse Spielweisen. Sie wird beispielsweise im Rock für Markierung der unbetonten Taktteile eingesetzt (obligat Zählzeit 2 und 4). Typische Spielweisen sind auch Ghost Notes und Wirbel. Der Klang des Instrumentes mit ausgeschaltetem Snare-Teppich wird besonders in lateinamerikanischer Musik und im Ska bevorzugt. In der traditionellen Kunstmusik wird die Kleine Trommel entsprechend ihrer Historie besonders bei militärischen Szenen eingesetzt, aber auch als Überraschungseffekt. In der Zirkusmusik kommt der Snare Drum die Aufgabe zu, besonders schwierige oder gefährliche Kunststücke der Akrobaten mit einem anhaltenden Wirbel zu untermalen; der Wirbel verdeutlicht und verstärkt die Spannung des Zuschauers.

Die Kleine Trommel oder Snare Drum spielt in jeder Musik eine zentrale Rolle innerhalb der Gruppe der Schlaginstrumente. In Jazz und Rock führte dies zu einer Vielzahl von Ausführungen des Instrumentes, wobei es diverse Kombinationen von Material, Größe, Fell und Dämpfung gibt.

Die Kleine Trommel entstammt der Militärmusik, in der sie heute noch üblich ist. Als Landsknechts- und Rührtrommel des 15. und 16. Jahrhunderts bestand sie aus einem langen zylindrischen Kessel, der mit meist zwei Fellen versehen war. Die weitere Entwicklung nahm zwei Richtungen: Einerseits entstand die Große Trommel (Bass Drum), andererseits die Kleine Trommel. Gemeinsames Kennzeichen aller Kleinen Trommeln und Snare Drums ist, dass der Durchmesser größer als die Zargenhöhe ist und dass sie über einen Snare-Teppich verfügen.

Literatur

Montagu, Jeremy: Timpani & Percussion; New Haven/London 2002
Pinksterboer, Hugo/Mattingly, Rick (Ed.): The Cymbal Book; Milwaukee 1992
Aldridge, John: Guide To Vintage Drums; Anaheim Hills 1994