Standard Drum Set

Standard Drum Set, von einigen Firmen auch Studio Drum Set genannt, konfektionierte Zusammenstellung von Trommeln – Bass Drum, Tom-Toms und Snare Drum sowie Hardware –, wie sie sich vor allem im so genannten Einsteiger-Bereich durchgesetzt hat.

Ein Standard Drum Set entspricht etwa dem Schlagzeug-Aufbau, dass Ringo Starr Ende der 1960er-Jahre benutzte und wie es in dem Film »Let It Be« (1970) zu sehen ist. Es besteht aus einer Bass Drum, zwei Hänge-Toms, einer Stand-Tom (Floor Tom) und einer Snare Drum; zusätzlich gehören zu einem derartigen Set wenigstens eine Hi-Hat-Maschine und ein Beckenständer sowie die Fußmaschine für die Bass Drum. Becken sind nicht Bestandteil eines Standards Sets.

Wenn auch spätestens seit den 1970er-Jahren ein Standard Set dem beschriebenen Umfang an Trommeln und Hardware entspricht, so war dies keineswegs traditionelle Regel. Noch Anfang der 1960er-Jahre, als das in der Rockmusik übliche Drum Set im Grunde genommen dem im Jazz üblichen Set glich, gehörten zu einem Standard-Aufbau eine Bass Drum, eine Snare Drum, ein Hänge-Tom, ein Stand-Tom, eine Hi-Hat und ein einziger Beckenständer, der zudem häufig noch neben dem Hänge-Tom auf der Bass Drum befestigt wurde. Ergänzt um ein oder zwei Crash-Becken mitsamt Ständer spielt etwa Charlie Watts von The Rolling Stones bis heute ein derartiges Set. In jüngerer Zeit allerdings scheint sich der Aufbau eines Standard Sets ein wenig zu verschieben: Statt zwei Hänge-Toms und eines Floor-Toms werden häufig zwei Floor-Toms und eine Hänge-Tom als Standard angesehen.

Doch sind sowohl Art der Trommeln als auch deren Anzahl und Größe bei einem Standard Set gewissen Moden unterworfen: Während in den 1980er Jahre sehr tiefe Kessel eher großen Durchmessers gefragt waren, hatten die Trommeln in den 1960er-Jahren geringere Tiefen, während der Durchmesser in den 1970er-Jahren von den meisten Drummern kleiner gewählt wurde. Andererseits verursachte der Erfolg der Band The Police bzw. deren Schlagzeuger Steward Copeland hier eine Kehrtwendung. Seitdem waren wieder geringere Kesseltiefen gefragt, während in den späten 1990er-Jahren viele Schlagzeuger auch kleinere Durchmesser der Tom-Toms bevorzugten. Für ein Standard Drum Set verwenden die meisten Hersteller Trommeln aus Holz, lediglich für die Snare Drum wurde vor allem in den 1980er-Jahren ein Stahlkessel bevorzugt.

Es wäre eine genauere Untersuchung wert, ob die Ausprägungen des Standard Drum Sets Auswirkungen auf das Schlagzeugspiel selbst hatten und haben. Offensichtlich ist etwa, dass der Ausbau der Fill-Ins, wie ihn etwa Ringo Starr im Laufe der 1960er-Jahre forcierte, einen anderen Aufbau des Standard Sets erzeugte; ähnliches lässt sich bei der Umformung des Standards Sets in den Jahren nach 2000 beobachten, in denen die Tendenz zu tiefer gestimmten Instrumenten eben auch tiefer gestimmte Trommeln bedingt – zweí Floor-Toms statt zwei Hänge-Toms.

Die Regel ist allerdings, dass Schlagzeuger, die ihre Klangvorstellungen verwirklichen wollen, ihre Sets individuell zusammenstellen. Standard Drum Sets sind daher lediglich als Ausgangsbasis zu betrachten, die jederzeit verändert werden kann. Die Bezeichnung Studio Drum Set dagegen beruht einerseits auf Überlegungen des Marketings, die Standard Sets aufzuwerten, andererseits auf der Tatsache, dass vor allem kleinere Studios genau so ein Standard Set bereithalten.