Xylophone

Xylophone, zusammengesetzt aus altgriechisch xylon für »Holz« und phonein für »klingen«, Idiophone (Aufschlagidiophone), gestimmte Klangstabspiele; obwohl es eine Vielzahl von Instrumenten gibt, bei denen Holz zur Tonerzeugung verwendet wird, werden in engerem Sinne nur die Klangstabspiele als Xylophone bezeichnet.

Xylophon

Xylophon (Fotolia)

Xylophone sind nahezu weltweit verbreitet und repräsentieren in ihrer Ausgestaltung stets das in der jeweiligen Musikkultur herrschende Tonsystem. So gibt es Xylophone mit nur wenigen Stäben, aber auch Instrumente mit einem großen Tonumfang. Auch kann die Anordnung der Klangstäbe unterschiedlich sein, doch liegen die runden oder quaderförmigen Stäbe aus Hartholz meist der Länge – und damit der Tonhöhe – nach geordnet nebeneinander auf einer Unterlage, also einem Brett, einem Kasten, einem Rahmen oder aber auch auf zwei gespannten Schnüren. Die Klangstäbe liegen dabei nicht in voller Länge auf der Unterlage, sondern auf zwei Stützpunkten. Dabei werden die Stützpunke so gewählt, dass die Klangplatte mit einem Schwingungsknoten auf dieser Unterlage zu liegen kommt. Wurde früher als Zwischenlage eine aus Stroh geformte Rolle zwischen Klangstab und Stützpunkt verwendet, so werden bei modernen Instrumenten als Zwischenlage so genannte Isolatoren aus Gummi oder Kunststoff bevorzugt.

Die Klangstäbe werden mit Schlägeln, auch Mallets genannt, unterschiedlicher Art angeschlagen. Dabei kommen Schlägel mit Köpfen aus Hartholz oder mit Materialien wie Leder, Gummi, Filz oder auch Garn überzogenen Köpfen unterschiedlicher Form zum Einsatz. Der Klang der Xylophone ist direkt von den Schlägeln und deren Ausstattung abhängig: Je härter das Material des Anschlagmittels, desto »härter«, »heller« und kürzer der resultierende Klang.

Es gibt verschiedene Bauformen: Das in der alpenländischen Volksmusik beheimatete Tischxylophon ist ein Instrument, bei dem die Klangplatten nicht in der Anordnung einer Klaviatur gelegt sind, sondern nebeneinander in vier senkrecht angeordneten Reihen; die zwei inneren Reihen der Klangstäbe repräsentieren dabei die G-Dur-Tonleiter, während die äußeren beiden Reihen die übrigen Töne der Chromatik zur Verfügung stellen. Beim Marimbaphon und dem aus diesem entwickelten Orchesterxylophon sind die Klangstäbe in Form einer Klaviatur nebeneinander über ein eigenes Gestell gelegt. Unter den Klangstäben sind Resonanzröhren angeordnet, die in ihrer Länge auf den jeweiligen Ton abgestimmt sind: Je tiefer der Ton des Klangstabes, desto länger die Resonanzröhre. In Afrika werden meist ausgehöhlte Kalebassen verwendet. Es gibt natürlich auch Xylophone dieser Bauart, bei denen auf Resonanzröhren verzichtet wurde. Xylophone dieser Bauart sind Bestandteil des Orff-Instrumentariums; bei diesen Instrumenten bildet der Trog, auf dem die Klangstäbe ruhen, den Resonanzkörper. Für pädagogische Zwecke werden Klangstäbe auch einzeln auf jeweils eigenen Resonanzkästen befestigt, so dass der Spieler nur die Klangstäbe vor sich aufstellt, die er für die jeweilige Komposition benötigt.

Vermutlich als Übungsinstrument für Glockenspieler wurden seit dem 17. Jahrhundert auch mit einer Tastatur versehene Xylophone gebaut. Dabei werden die Klangplatten von unter den Platten befindlichen Hämmern angeschlagen. Instrumente dieser Art werden gelegentlich auch in jüngerer Zeit noch verwendet, insbesondere, wenn der Klang eines Xylophons akkordisch gefordert wird. In Béla Bartóks Oper »Herzog Blaubarts Burg« (1911) kommt ein derartiges Instrument zum Einsatz.

Das Xylophon stammt ursprünglich vermutlich aus Asien und spielt besonders in der Musik Südostasiens eine zentrale Rolle, gehört es doch etwa zur höfischen Musik Kambodschas und Thailands. In Afrika wurden die Xylophone mit Resonatoren ausgestattet, die auch Bestandteil der Instrumente Südamerikas sind. Das Marimbaphon ist ein moderner Vertreter dieser Bauart und wird auch in Jazz, Rock und Popmusik verwendet.

Nach Europa kam das Xylophon im 15. Jahrhundert, zunächst als Instrument des fahrenden Volkes. Unter dem Namen »Hölzern Gelächter« erwähnt es Arnolt Schlick in seiner Schrift »Spiegel der Orgelmacher und Organisten« (1511). Das Instrument erhielt aber noch andere Namen: Strohfiedel, Holzfiedel, Holzharmonika; der Name Strohfiedel geht auf das Material für die Auflage der Klangstäbe zurück.
Das Xylophon fand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts größeres Interesse bei Komponisten, die seinen »sprechenden« Klang adäquat einsetzten, so etwa Camille Saint-Saëns in »Danse Macabre« (1875), Engelbert Humperdinck in der Oper »Hänsel und Gretel« (1893) und Gustav Mahler in seiner sechsten Symphonie (1904). Seitdem ist das Instrument etwa von Giacomo Puccini, Edward Elgar, Igor Strawinsky, Richard Strauss, Claude Debussy, Paul Hindemith, Béla Bartók, Pierre Boulez, Olivier Messiaen und Hans Werner Henze berücksichtigt worden. In der Rockmusik wurde das Xylophon besonders von Frank Zappa immer wieder eingesetzt. Besonders präsent ist das Xylophon in der Musik zu Animationsfilmen, wo sein Klang beinahe obligatorisch für schnelle Bewegungslabläufe von Figuren, aber auch zur Illustrierung von Zusammenbrüchen jeglicher Art dient.