Singende Säge

Singende Säge, Streich- oder Schlaginstrument (Idiophon), das aus einer gewöhnlichen Baumsäge oder einem Fuchsschwanz besteht und mit einem Violin- oder Cellobogen gestrichen oder aber mit einem Holzstab angeschlagen wird.

Als Sägen kommen verschiedene Ausführungen, Größen und Materialien (Stahl, Eisen) in Betracht, denn grundsätzlich kann mit jeder Säge ein Ton erzeugt werden, doch wird im Allgemeinen ein relativ großer Fuchsschwanz bevorzugt; die besten Ergebnisse werden mit speziell für den Einsatzzweck als Musikinstrument gebauten Sägen erzielt. Der Spieler klemmt den Griff zwischen die Knie, fasst mit der linken Hand (Rechtshänder) das nach oben stehend Ende des Blattes und bringt es durch Druck in Richtung Griff in eine s-förmige Biegung. Die gerade, also ungezahnt Seite der Säge kann vom Spieler weg oder auf ihn zu zeigen. Diese Kante des Sägeblattes wird mit dem Bogen gestrichen. Meistens werden Violinbögen benutzt, doch kommen auch Bögen für die chinesische Violine Erhu zum Einsatz. Die Tonhöhe wird durch wechselnden Druck auf das Sägeblatt verändert. Die einzelnen Zieltöne werden obligat durch Glissandi erreicht, das Sägeblatt schwingt also ständig. Bei dem erzeugten Ton handelt es sich annähernd um einen Sinuston, der seltsam körperlos erscheint und starke Ähnlichkeit mit dem Ton eines Theremins hat.

Obwohl das Instrument wegen seiner Kuriosität vor allem in Variete- und Zirkusmusik beheimatet ist, wurde es vereinzelt auch in der Kunstmusik vorgeschrieben, so etwa von Arthur Honegger in »Antigone« (1927) oder Hans Werner Henze in »Elegie für junge Liebende« (1961). Außerdem gibt es zahlreiche Bearbeitungen von Kompositionen aus der Kunstmusik.

Unter den Spielern der Singenden Säge finden sich auffallend viele Schauspielerinnen, so etwa Katharina Micada und Meret Becker. Die bekannteste Spielerin des Instrumentes dürfte Marlene Dietrich gewesen sein, die das Spiel der Säge 1927 von dem Schauspieler Igo Sym erlernte und später immer wieder vorführte. In Rock und Jazz ist die Singende Säge selten anzutreffen, doch gehört zu der Musikerformation Beat Circus obligat ein Spieler des Instrumentes. Jeff Lynne ließ in einer versteckten Reminiszenz an die 1920er- und 1930er-Jahre und vielleicht auch an Marlene Dietrich in seiner Fassung des von Maxwell Anderson und Kurt Weill verfassten Songs die Säge von einer geheimnisvolle »RITA« spielen; eventuell verbarg sich dahinter der Keyboardspieler RIchard TAndy und damit eigentlich dessen Synthesizer.

Über die Geschichte der Säge als Instrument ist wenig bekannt. Sie wird auf europäische Holzfäller zurückgeführt, die die musikalischen Möglichkeiten ihres Handwerkszeugs als erste entdeckt haben sollen. Bereits um 1920 hat die amerikanische Folkgruppe The Weavers die Säge in ihren Shows eingesetzt.

Diskografie

Jeff Lynne: Armchair Theatre (1990; September Song)

Weblinks

www.singende-saege.com (Website der Schauspielerin Katharina Micada)
www.musicalsaw.com (Website zur Singenden Säge)
www.datacomm.ch/fesch/ (Informationen zum Musikinstrument Singende Säge, u.a. Spielanleitung)