pizzicato

pizzicato, italienisch für »gezupft, gezwickt«, Abkürzung pizz., in engerem Sinn die bei Streichinstrumenten (Violine, Violo, Violoncello, Kontrabass) vorgeschriebene Spielweise, die Saiten mit den Fingern zu zupfen; aufgehoben durch coll’arco, italienisch für »mit dem Bogen«. Gelegentlich wird der Begriff auch für das Klavier verwendet; in diesem Falle werden die Saiten ebenfalls mit einem oder mehreren Fingern, meist der rechten Hand, gezupft.

Bei der Technik wird die Saite des betreffenden Instrumentes mit dem Zeigefinger angerissen; bei Violoncello und vor allem Kontrabass zupft der Instrumentalist die jeweilige Saite auch mit Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig an. Da die Saite auf das Griffbrett gedrückt wird, nicht also hinter einem Bund, schwingt sie nur sehr kurz aus. Die Wirkung des resultierenden Klanges, vor allem im Ensemblespiel, ist enorm.

Kontrabass-pizzicato

pizzicato

Von herausragender Bedeutung ist das Kontrabass-Pizzicato im Jazz, wo es die obligate Spielweise darstellt. Dabei können verschiedene Techniken unterschieden werden: Im frühen Jazz, als der Kontrabass sukzessive die Tuba als Bassinstrument ersetzte, wurde die so genannte Schlagbass-Technik bevorzugt. Dabei wird die Saite vom Griffbrett weggezogen, dann losgelassen. Die Saite schnellt gegen das Griffbrett und erzeugt neben dem gegriffenen Ton auch ein deutliches perkussives Geräusch. Dies hat einerseits eine Erhöhung der Lautstärke zur Folge, andererseits entspricht die Mischung von Ton und perkussivem Klang auch der aus dem afrikanischen Erbe des Jazz herrührenden Klangästhetik. Im Laufe der späteren Entwicklung im Jazz trat die Schlagbass-Technik in den Hintergrund und wurde durch das in der Kunstmusik übliche Pizzicato abgelöst. In der frühen Rockmusik wurde die Schlagbass-Technik bis zur Einführung der elektrischen Bassgitarre wieder aufgegriffen. Eine weitere Pizzicato-Technik, die vorzugsweise im Jazz anzutreffen ist, sind Double Stops: dabei werden zwei Saiten gleichzeitig – oft ein Intervall im Quint- oder Oktavabstand – gezupft.

Diese Technik wurde auch auf die elektrische Bassgitarre – ohnehin ein Zupfinstrument – übertragen, deren Saiten entweder mit den Fingern gezupft oder mit einem Plektron angeschlagen werden. Zwar kann die Bassgitarre auch mit nur einem zupfenden Finger gespielt werden, doch ist der Wechselschlag üblich; dabei werden abwechselnd Zeige- und Mittelfinger der Hand benutzt. Wie bei der Bassgitarre wird auch beim Kontrabass gelegentlich ein akkordisches, mit mehreren Fingern gezupftes Pizzicato eingesetzt. In der Rock- und Popmusik wird vereinzelt auf den Klang des Pizzicato gespielten Kontrabasses zurückgegriffen, dann häufig in stilzitierender Weise, so zum Beispiel als Reminiszenz an lateinamerikanische Musik oder den Jazz.

Erstmals findet sich die Spielanweisung pizzicato in »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda« von Claudio Monteverdi, seitdem auch in anderen Werken des 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts. Im Laufe des 18. Jahrhunderts findet sich die Pizzicato- Vorschrift häufiger. So widmete zum Beispiel auch Leopold Mozart einen Abschnitt seiner Schrift »Versuch einer gründlichen Violinschule« der Ausführung des Pizzicatos. Niccolo Paganini schrieb für das Duo »Merveille« für Violine solo das linkshändige Fingerpizzicato vor, bei gleichzeitigem Streichen der Saiten. Im 20. Jahrhundert wurde die Spielweise erweitert, etwa bei Werken Béla Bartóks zum mit zwei Fingern ausgeführten Pizzicato; ebenfalls auf den ungarischen Komponisten geht das Bartók-Pizzicato zurück, bei dem die Saite der Violine so stark gezupft wird, dass sie gegen das Griffbrett zurückschlägt und damit ein kurzes perkussives Geräusch erzeugt.