Überblasen

Überblasen, englisch: overblowing, französisch: quintoiement und octaviement, Möglichkeit, auf Blasinstrumenten durch verstärkte Luftzufuhr andere Töne als bei normalem Blasen zu erzeugen.

Der Vorgang sei an einem Beispiel erläutert: Schließt der Spieler bei einer Sopranblockflöte (Schulblockflöte, siehe Blockflöte) alle Löcher außer dem rückwärtigen Daumenloch und bläst eher schwach in das Instrument, so ist der Grundton des Instrumentes zu hören, bei der genannten Sopranblockflöte eben das c2. Verstärkt der Spieler den Blasdruck deutlich, so erzeugt er damit bei gleichem Griff das c3, also das eine Oktave über dem Grundton liegende C, das dem ersten Oberton entspricht. Bei noch stärkerem Luftdruck kann das Instrument auch den zweiten Oberton, die Duodezime g3, und den dritten Oberton, das c4 erzeugen.

Ob ein Instrument in die Oktave oder in die Quinte überbläst, hängt von Weite der Mensur – also Durchmesser der Bohrung – und Form der Bohrung ab: Instrumente mit enger Mensur werden grundsätzlich überblasen, da sie im tieferen Register keine verwertbaren Töne erzeugen. Blasinstrumente mit konischer Bohrung – dazu gehören neben den Flöten die Doppelrohrblattinstrumente (Oboe, Englisch Horn, Fagott) überblasen in die Oktave, Instrumente mit zylindrischer Bohrung (Klarinetten) in die Quinte oder die Duodezime. Entsprechend seiner Mensur überbläst das Saxophon trotz seines Klarinettenmundstückes in die Oktave. Auch alle Polsterzungeninstrumente – also vorrangig Blechblasinstrumente – überblasen in die Oktave.

Holzblasinstrumente verfügen, um das Überblasen zu erleichtern, oft über eine Oktavklappe. Andererseits überblasen manche Instrumente sehr leicht auch aus anderen Gründen, z.B. wenn eventuell vorhandene Klappen leichte Undichtigkeiten aufweisen oder aber etwa bei Klarinette und Saxophon das Blatt zu dünn gewählt wurde. Den größten Einfluss auf das Überblasen hat aber der Spieler selbst, der durch Luftstrom und veränderten Ansatz das Überblasen steuern kann.