Vibraphon

Vibraphon, Idiophon (Aufschlagidiophon, Metallophon), gestimmtes Metallstabspiel, das mit Resonatorröhren ausgestattet ist; in den Röhren befinden sich drehbar gelagerte Klappen, die den Vibratoeffekt erzeugen; tatsächlich handelt es sich nicht um ein Vibrato, sondern um ein periodisches Unterdrücken der Resonatorwirkung.

Das Vibraphon wurde etwa 1920 aus dem einfachen Metallophon entwickelt. Dabei wurden die im Sinne einer Klaviatur angeordneten Klangplatten mit je nach Tonhöhe der entsprechenden Klangplatte mit mehr oder weniger langen Resonatorröhren aus Metall versehen, die sich jeweils unter der Platte befinden. Am oberen Ende der Röhren sind runde Scheiben drehbar gelagert, die die Öffnung bei waagerechter Stellung völlig verschließen, bei senkrechter Stellung aber öffnen. Die Scheiben stecken auf einer gemeinsamen, quer durch die Röhren geführten Welle befestigt, die von einem in der Geschwindigkeit regelbaren Elektromotor angetrieben werden kann; die Geschwindigkeit kann zwischen 0 bis 12 Umdrehungen eingestellt werden.

Die Klangplatten selbst bestehen aus Leichtmetall, deren Ausklingen durch eine mit Filz belegte und einem vom Instrumentalisten betätigten Pedal abgestoppt werden kann. Besondere Klangeffekte sind durch das nur teilweise Betätigen des Pedals möglich. Die Platten selbst werden mit verschiedenen Schlägeln angeschlagen; die Köpfe der Hämmer sind – dem Klangcharakter des Instrumentes entsprechend – meist eher weichem Material wie Filz, Gummi oder einer Garnwicklung belegt. Viele Instrumentalisten beherrschen die Technik mit vier Schlägeln gleichzeitig zu spielen. Manche Spieler verwenden mitunter auch Schlägel mit flexiblem Schaft, die eine Beeinflussung des Klanges nach Anschlag erlauben. Für besondere Effekte können die Klangplatten des Vibraphons auch mit einem Violinbogen gestrichen werden. Der Tonumfang der Vibraphone beträgt drei oder vier Oktaven, dabei von f bis f2 oder auch von c bis c4 reichend.

Das Vibraphon wird in der Kunstmusik wenig eingesetzt, kommt aber etwa in Alban Bergs Oper »Lulu« (1928-1935), in Darius Milhauds »Concerto Marimba« (1947) und Pierre Boulez’ »Le marteau sans maître« (1957) zum Einsatz. Gelegentlich wird es auch zur Nachahmung exotischer Metallophone verwendet, so in Giacomo Puccinis Oper »Madame Butterfly« (1904). Im Jazz gehört das Vibraphon zur Rhythmusgruppe und wurde etwa von Lionel Hampton, Milt Jackson, Gary Burton und Wolfgang Schlüter virtuos gehandhabt; Burton entwickelte diverse Spieltechniken. In Rock und Pop ist das Vibraphon selten zu hören, war jedoch in den 1960er-Jahren bei Soul-Aufnahmen beinahe obligat vertreten.

Diskografie

Modern Jazz Quartet: Concorde (1955)
Gary Burton: The New Quartet (1973)