Bill Bruford

Bruford, Bill, eigentlich William Scott Bruford, britischer Rock- und Jazzmusiker (Schlagzeug, Komposition), * Svenoaks (Kent) 17.5.1949

Biografie

Bill Bruford begann sich für das Schlagzeug zu interessieren, als er im Alter von 13 Jahren im Fernsehen Filme über Big Bands sah. Beeindruckt von dem Instrument, begann er autodidaktisch dessen Spiel zu lernen; auch erhielt er einige Stunden Unterricht bei einem Schlagzeuger des Royal Philharmonic Orchestra. Als 17-Jähriger schloss er sich 1966 der Band The Breed an, gehörte 1967 kurzzeitig zu The Noise und spielte ab 1968 professionell bei der Blues-Gruppe Savoy Brown – allerdings nur für drei Auftritte. Dann wechselte Bruford zu der seit einigen Monaten bestehenden Band Yes, der er bis 1972 angehörte. Anschließend spielte der Schlagzeuger bei King Crimson, bis Robert Fripp sich 1974 entschloss, die Band aufzulösen. Danach nahm Bruford Engagements bei verschiedenen Bands an, spielte kurz bei Gong, National Health, Pavlov’s Dog, bei der Jazzrock-Formation Brand X und für eine Reihe von Konzerten bei Genesis. Steve Howe und Chris Squire holten ihn für ihre Solo-LPs. Das Vorhaben, mit John Wetton und Rick Wakeman unter dem Namen British Bulldog ein Trio zu bilden, schlug fehl, doch gründeten die beiden Musiker 1977 mit dem Gitarristen Allan Holdsworth und dem Geiger und Keyboard-Spieler Eddie Jobson die Band U.K. Als die Formation aufgrund künstlerischer Differenzen schon nach kaum mehr als einem Jahr auseinander ging, widmete sich Bruford seiner Solokarriere; den Plan dazu hatte er bereits 1977 gefasst. Er tat sich mit Holdsworth, dem Keyboard-Spieler Dave Stewart – vorher unter anderem bei Egg und Hatfield and the North – und dem Bassisten Jeff Berlin zu eine Gruppe zusammen, die er einfach Bruford nannte. Für das erste Album, schon 1977 unter dem Titel »Feels Good to Me« vorgelegt, gewann er die Sängerin Annette Peacock (* 1941). 1978 erschien »One of a Kind«, ein Album zwischen Jazz und Rock, das ohne Gesang auskam. Wenn auch Holdsworth nach Veröffentlichung des Albums die Band verließ, so kamen bis zur Auflösung der Band 1980 noch zwei Alben zustande.

Rober Fripp trug sich mit dem Gedanken, eine neue Band zu gründen, die er Discipline nennen wollte. Neben Bruford gehörte zu der Gruppe der Bassist Tony Levin und der Gitarrist Adrian Belew (* 1949). Mit der Band, die dann doch wieder King Crimson hieß, kamen drei Alben zustande, dann kam es zu Spannungen unter den Musikern, so dass Fripp 1984 King Crimson wieder einmal auflöste.

Bruford war in diesen Jahren als Schlagzeuger so gefragt, dass er ständig mit anderen Musikern zusammenarbeitete, so etwa mit den Gitarristen Al Di Meola und David Torn, dem Keyboard-Spieler Patrick Moraz, den Bassisten Mick Karn und Tony Levin und dem Trompeter Mark Isham. 1986 gründete er mit dem Bill Bruford Quartet eine veritable Jazz-Gruppe, der der Keyboard-Spieler Django Bates, der Saxofonist Iain Ballamy und der Bassist Mick Hutton angehörte; bald nannte Bruford sein Quartett Earthworks.

1988 kam es zu einer Reunion der klassischen Besetzung von Yes, an der allerdings der Bassist Chris Squire nicht teilnahm. So hieß die Formation schließlich Anderson, Bruford, Wakeman, Howe. 1991 versammelten sich eine Reihe von früher bei Yes engagierten Musiker zu einer achtköpfigen Band; Bruford machte bei diesem Projekt nur bis 1992 mit, dann folgte er Fripps Vorschlag, King Crimson wieder zu beleben. Es entstand ein Doppeltrio mit Fripp, dem Gitarristen und Bassisten Trey Gunn, dem Schlagzeuger Pat Mastelotto einerseits, Bruford, Belew und Levin andererseits. Aus diesem Sextett formierte Fripp immer wieder Teilgruppen, denen auch Bruford angehörte. 1997 kann es jedoch erneut zum Streit zwischen Bruford und Fripp, so dass der Schlagzeuger sich wieder seinen eigenen Vorhaben zuwandte. Noch im selben Jahr spielte er mit dem Gitarristen Ralph Towner und dem Bassisten Eddie Gomez das Album »If Summer Had Its Ghosts«. Er gründete mit Tony Levin eine Formation und belebte Earthworks wieder. Eine 1999 in Angriff genommene Neugründung von UK kam über einige wenige Aufnahmen mit Wetton und Jobson sowie weiteren Gastmusikern, darunter Steve Hackett, nicht hinaus.

In den folgenden Jahren schränkte Bruford seine Tätigkeit als Musiker zunehmend ein, gründete 2004 mit Summerfold Records und Winterfold Records zwei Schallplattenlabel, die einen Großteil seiner Zeit beanspruchten. Zwar trat er hin und wieder noch als Schlagzeuger in Erscheinung, doch gab er im Januar 2009 bekannt, sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen zu wollen.

Bruford gehört zu den Schlagzeugern, die in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre in Erscheinung traten und sich weniger auf Vorbilder aus dem genuinen Rock bezogen, als vielmehr diverse Elemente aus dem Jazz in die Rockmusik übernahmen. In ähnlicher Weise wie Carl Palmer und Jon Hiseman befreite er das Drum Set aus der untergeordneten Rolle als Taktgeber. Er ist ein äußerst präziser Schlagzeuger und dürfte damit vor allem die Bassisten seiner Bands unter Druck gebracht haben. Schlagzeuger wie Chris Maitland oder Gavin Harrison, insgesamt die im Progressive Rock beheimateten Drummer beziehen sich in ihrem Spiel ohne Ausnahme auf Bill Bruford.

Bruford spielte über viele Jahre relative kleine Sets unterschiedlicher Hersteller. Als in den 1980er-Jahren die britische Firma Simmons die ersten elektronische Schlagzeuge auf den Markt brachte, gehörte er zu den ersten Schlagzeugern, die für längere Zeit ausschließlich diese Instrumente einsetzten und eine dem Instrument adäquate Spielweise entwickelten. In späteren Jahren seiner Karriere bevorzugte Bruford wieder herkömmliche Drum Sets der japanischen Firma Tama. Abweichend vom üblichen Aufbau des Schlagzeugs stellt Bruford die Snare Drum in die Mitte seines Sets, Tom Toms aber rechts und links von der Snare Drum.

Diskografie

Mit Bruford

Feels Good to Me (1977)
One of a Kind (1978)
Bruford – Rock Goes To College (2006; Aufnahmen von 1979)
The Bruford Tapes (1979)
Gradually Going Tornado (1980)

Mit Earthworks

Earthworks (1987)
Dig? (1989)
All Heaven broke loose (1991)
Stamping Ground: Bill Bruford’s Earthworks Live (1994)
Heavenly Bodies (1997)
A Part & Yet Apart (1999)
Sound of Surprise (2001)
Footloose and Fancy Free (2002)
Random Acts of Happiness (2004)

Literatur

Bruford, Bill: The Autobiography; London 2009

Weblink

http://www.billbruford.com/ (Offizielle Website des britischen Schlagzeugers Bill Bruford)