Centipede

Centipede, Jazz-Orchester, 1970 in London gegründete; zu dem von dem Pianisten Keith Tippett geleiteten Ensemble bestand aus Musikern diverser britischer Bands sowie aus Studenten der London School of Music; der Name der Band ist die Bezeichnung für eine Klasse von Gliederfüßern, deutsch Hundertfüßer.

Keith Tippett hatte die Idee, ein mehrsätziges Werk für Orchester zu schreiben, 1970 so weit in ein Konzept gefasst, dass er für die Aufführung Musiker für das benötigte Orchester suchte. Zu dieser Zeit war er einerseits mit einigen Musikern der Canterbury Scene verbunden, andererseits mit der Band Robert Fripps, King Crimson; Tippett hatte etwa bei den Aufnahmen von »In the Wake of Poseidon« (1970) die Keyboards gespielt. So fanden sich Musiker von Soft Machine, Nucleus und King Crimson in Centipede ein, darunter Robert Wyatt, Elton Dean, Nick Evans, Karl Jenkins, Ian Carr, Roy Babbington, John Marshall, Robert Fripp, Ian McDonald und Boz Burrell; weitere Mitglieder des Orchesters waren beispielsweise Julie Tippett (Julie Driscoll), Maggie Nicols, Zoot Money, Gary Windo und Alan Skidmore.

»Septober Energy«, so der Titel von Tippetts Komposition, war weniger ein auskomponiertes, in eine Partitur gegossenes Werk, das von den Musikern lediglich akkurat gespielt werden musste, als vielmehr das Konzept für kollektive Improvisationen, bestand also vor allem aus Zeitangaben und Spielanweisungen. Innerhalb dieses Konzeptes gab es aber festgelegten Raum für einige Soli, für kleinere Instrumentalgruppen innerhalb des Orchesters, für den Gesang von Julie Tippetts und natürlich ein signifikantes Klavier-Solo von Tippetts selbst.

Centipede trat mit »Septober Energy« erstmals im November 1970 in London auf und ging anschließend auf eine kleine Tournee durch Frankreich und die Niederlande, kehrte dann nach Großbritannien zurück, gab dort ein weiteres, zunächst letztes Konzert. Danach unterschrieb Tippetts einen Vertrag bei Neon Records, einem Unterlabel von RCA. Produziert wurde das Doppelalbum von Robert Fripp, der nunmehr aber nicht als Musiker an den Aufnahmen teilnahm. »Septober Energy« wurde zu etwa gleichen Teilen auf die vier LP-Seiten verteilt, der kürzeste der vier Sätze dauert knapp 19 Minuten, der längste etwas mehr als 23. Zu Unterstützung der Veröffentlichung des Albums trat Centipede – nunmehr als kleinere Gruppe – 1971 für zwei Konzerte in London auf, eines in der Royal Albert Hall, eines im Rainbow Theatre.

Da die Doppel-LP nicht die erwartete Resonanz beim Publikum erzeugte, blieb es bei dem einen Album und Tippett löste das Orchester auf. RCA hatte einer Veröffentlichung der Doppel-LP in den USA zunächst keine Chance eingeräumt, es aber 1974 dann doch auf den Markt gebracht. Mit wenig Erfolg: Da es Centipede nicht mehr gab, konnte Tippett »Septober Energy« auch nicht in Konzerten präsentieren. 1975 stellte er Centipede – mit deutlich weniger Musikern – noch einmal für einige Konzerte bei Jazz-Festivals in Frankreich zusammen.

Schon 1971, mit Veröffentlichung von »Septober Energy« auf LP, war sicher, dass diese Musik ein nur kleines Publikum würde erreichen können: Einerseits hatte der gerade aktuelle US-amerikanische Jazzrock auch in Europa eine dominante Stellung einnehmen können, andererseits unterschied sich die Musik Tippetts allzu deutlich von den Erwartungen selbst toleranter Rock-Fans. Zudem waren die Veröffentlichungen von Neon, damit eben auch »Septober Energy«, auf dem deutschen Schallplattenmarkt schwer erhältlich.

Diskographie

Septober Energy (1971)