Dirty Dozen Brass Band

Dirty Dozen Brass Band, amerikanische Brassband, 1977 aus der 1972 gegründeten Fairview Baptist Church Marching Band hervorgegangen.

Bandbiografie

Die Fairview Baptist Church Marching Band entstand im Rahmen eines von der Fairview Baptist Church konzipierten Programms, Jugendliche von der Straße zu holen und ihnen mit Hilfe der Musik eine Möglichkeit zu geben, sich in die Gesellschaft einzupassen. Aus der ursprünglich als traditionelle Marching Band geplanten Gruppe kristallisierte sich die Hurricane Brass Band, die unter der Leitung des Trompeters Leroy Jones professionell arbeitete. Mitte der 1970er-Jahre war das Publikumsinteresse an Marching Bands allerdings so gering, dass Jones die Band verließ. Die Hurricane Brass Band nannte sich noch für kurze Zeit noch Tornado Brass Band, dann fiel die Marching Band endgültig auseinander.
1977 kamen einige der Musiker – der Trompeter Gregory Davis, der Sousaphonist Kirk Joseph, dessen Bruder, der Posaunist Charles Joseph und der Saxophonist Kevin Harris – überein, erneut eine Brass Band zu gründen, aber das musikalische Spektrum stark zu erweitern. Verstärkt um die Saxophonisten Ephram Townes und Roger Lewis sowie um den Bass-Drum-Spieler Benny Jones und den Snare-Drum-Spieler Jenell Marshall übte die Band, die sich zunächst Original Sixth Ward Dirty Dozen nannte, ein Programm ein, das zwar auf der Musik der Marching Bands fußte, aber auch Elemente des Jazz und Funk einflocht.
Nach einigen einzelnen Engagements zu Familienfeiern war die Band so bekannt, dass sie an einigen Auftrittsorten feste wöchentlich Konzerttermine hatte. Die steigende Popularität der Marching Band mit dem ungewöhnlichen Programm erregte die Aufmerksamkeit eine Rundfunksenders und 1980 nahm die Band ihre erste Schallplatte auf. 1982 trat die Dirty Dozen Brass Band beim Jazzfestival in Groningen erstmals in Europa auf, hatte dann Auftritt in New York und unternahm, 1984 schließlich eine Europatournee. Nach einem Auftritt 1986 auf dem Jazzfestival in Montreux erhielt die Band 1987 einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Bereits an den Aufnahmen zur ersten CD »Voodoo« (1987) nahmen Rock- und Jazzgrößen wie Dr. John, Dizzy Gillespie und Branford Marsalis teil, und im Lauf der Jahre arbeiteten etwa auch Elvis Costello, Norah Jones und DJ Logic mit der Bläsergruppe aus New Orleans zusammen.
1991 verließen die Joseph-Brüder, der häufigen Tourneen müde, The Dirty Dozen. Der relativ abrupte Bruch stellte für die gesamte Band einen Einschnitt dar, denn das Markenzeichen der Dirty Dozen, der pumpend hüpfende Klang des von Kirk Joseph gespielten Sousaphons, fehlte beinahe von heute auf morgen. Als Ersatz wurde nicht etwa wieder ein Bläser für das Bassinstrument gewählt, sondern ein Bassgitarrist. Als dann auch noch die beiden Schlagzeuger gingen und an ihrer statt mit dem Drummer Terry Higgins ein konventionelles Drum Set in die Band Einzug hielt, war die Wende von der Brass Band zu einer zwar exzellenten, aber eben auch nicht mehr ungewöhnlichen Funk Band vollzogen, zu deren Besetzung folgerichtig bald auch ein Keyboardspieler und ein Gitarrist gehörten.
Es konnte dann nicht ausbleiben, dass der Erfolg allmählich ausblieb. Zwar war die Band im amerikanischen Konzertleben durchaus noch gefragt, doch veröffentlichte The Dirty Dozen kaum noch CDs. Nach eine fünfjährigen Pause kam 1998 das Album »Ears to the wall« in die Läden, ein Jahr später die von John Medeski produzierte Platte »Buck jump«. Erst mit »Funeral for a friend« (2004) kehrte die Brass Band zu ihren Wurzeln zurück und spielte die Stücke, die auch bei Beerdigungen in New Orleans zu hören sind. Die Verwüstungen, die der Hurrikan Katrina und die damit verbundene Flutkatastrophe in New Orleans hinterließen, waren Thema für das 2006 veröffentlichte Album »What´s going on«.
Die Reputation, die die Dirty Dozen Brass Band zumal unter Jazz- wie Rockmusikern genießt, ist kaum zu überschätzen. Das instrumentale Können der Musiker steht dabei noch nicht einmal im Vordergrund, sondern vielmehr die Art, wie diese Musiker ihre Musik zusammenbauen. Bei allem Reichtum ihrer musikhistorischen Kenntnis und dem Witz, auch auf den ersten Blick Unvereinbares unter einen Hut zu bekommen – etwa die amerikanische Nationalhymne mit der Erkennungsmelodie der Zeichentrick-Figuren The Flintstones -, ist es immer die sanft ironische Gelassenheit, mit der die Musiker um Gregory Davis zu Werke gehen. Der Einfluss der Brassband ist enorm und in der Musik von Tower of Power ebenso zu finden wie in Lester Bowie´s Brass Fantasy. Es gibt kaum eine Bläserband in Jazz, Soul, Rock und selbst Klassik, die nicht in irgendeiner Weise sich von der Musik des Dirty Dozen inspirieren ließ.



Diskografie

My feet can’t fail me now (1984)
Live: Mardi Gras in Montreaux (1986)
Voodoo (1987)
The New Orleans album (1989)
Open up: Watcha gonna do for the rest of your life? (1991)
Jelly (1993)
Ears to the wall (1998)
Buck jump (1999)
Medicated magic (2002)
We got robbed: Live in New Orleans (2003)
Funeral for a friend (2004)
What’s going on (2006)



Weblinks

http://www.dirtydozenbrass.com (Offizielle Website der amerikanischen Gruppe The Dirty Dozen Brass Band)