Fred Frith

Frith, Fred, englischer Komponist und Musiker (Gitarre, Violine, elektrische Bassgitarre, Keyboards, Perkussionsinstrumente, Elektronik), * Heathfield, Sussex (England) 17.2. 1949; Fred Frith ist Bruder des Musiksoziologen Simon Frith.

Fred Frith begann bereits im Alter von fünf Jahren, das Violinspiel zu lernen und war später auch als Geiger Mitglied im Orchester seiner Schule. Als er bei einem Konzert eine Band hörte, die Songs der seinerzeit sehr beliebten britischen Band The Shadows nachspielte, war er so beeindruckt, dass er beschloss, Gitarre zu lernen. Er lernte das Spiel des Instrumentes auf autodidaktischem Wege und konnte bald bei der Schülerband The Chaperones mitspielen. Die Band spielt zu dieser Zeit vor allem Songs der Shadows und der Beatles nach. Als Frith die Musik von Alexis Korner und des in New Orleans beheimateten Bluesmusikers Snooks Eaglin kennenlernte, wandet er sich dem Blues zu und veranlasste auch seine Mitmusiker von The Chaperones, es ihm gleich zu tun. Seinen ersten öffentlichen Auftritt unter eigenem Namen absolvierte Frith 1967 – mit einem aus Folk-Songs und Blues-Titeln bestehenden Programm.
1967 nahm Frith an der Universität von Cambridge ein Studium der englischen Literatur auf, das er 1970 mit einem Bachelor abschloss; 1974 folgte der Master-Abschluss im selben Fach. Bedeutender für sein zukünftiges Leben war aber wohl sein Zusammentreffen mit dem wie er an Musik jeder Art interessierten Saxophonisten Tim Hodgkinson. Gemeinsam gründeten sie die Band Henry Cow, die bis 1978 bestand.
Parallel zu seinem Engagement bei Henry Cow verfolgte Frith stets eigene Ideen, die ihm nicht zum Konzept Rockband zu passen scheinen. Im Mittelpunkt seines Interesses stand dabei häufig die experimentelle Auseinandersetzung mit seinem Instrument, der elektrischen Gitarre. 1974 veröffentlichte er seine Album »Guitar Solos«, 1980 folgte »Gravity«, ein Album, in dessen Zentrum der Tanz stand. Frith hatte die LP teils mit der schwedischen Band Samla Mamma Manna in Uppsala, teils in den USA, in Rockville mit der Band The Muffins – die Band ist nicht mit der Gruppe Martha and the Muffins zu verwechseln – aufgenommen.
Wenn Frith auch nach dem Ende von Henry Cow mit der Sängerin Dagmar Krause und dem Schlagzeuger Chris Cutler das Trio Art Bears gegründet. Das Engagement in dieser Gruppe geriet Frith aber bald in den Hintergrund, da er sich 1979 in New York niederließ und bald zu einer unangefochtenen Größe in der seinerzeit sehr aktiven Jazz-Szene der Stadt wurde – Frith bildete geradezu den Brückenkopf vom avancierten europäischen Jazzrock zum jüngeren US-amerikanischen Jazz.
Er blieb 14 Jahre in der Stadt und spielte mit diversen Musikern zusammen: Tom Cora, Eugene Chadbourne, Zeena Parkins, Henry Kaiser, Bob Ostertag wie auch mit den Bands The Residents, Material um Bill Laswell und The Golden Palominos; ebenso war er Mitglied von John Zorns Formation Naked City, in der er den Bass spielte. Er selbst gründete die Bands Massacre, Sekeleton Crew und Keep the Dog. Die Zeit in New York war für Frith so etwas wie eine Befreiung. Sukzessive erweiterte er in den 1980er-Jahren das Spektrum seiner musikalischen Aktivitäten und komponierte für Film, Theater und Tanztheater, und häufig ergaben diese Arbeiten weitere Solo-Alben. Auch komponierte er für andere, schrieb etwa für das Rova Saxophone Quartet, das Frankfurter Ensemble Modern und das Arditti Quartet, die Grenzen von Rock und Jazz wie mehr oder weniger traditioneller Kunstmusik hinter sich lassend. Mit René Lussier, Nick Didkovsky und Mark Stewart gründete er das Fred Frith Guitar Quartet, auch dies eine Band, die von Fall zu Fall das überkommene konservative Bild von der elektrischen Gitarre, wie es in Rock und Jazz favorisiert wird, in Frage stellte. So weicht auch seien Auftreten, insbesondere im Solo-Konzert, von dem gängiger Konzerte ab: Er spielte und spielt einerseits mehr oder weniger konventionelle elektrische Gitarren der Machart von Gibson oder Fender, andererseits aber auch eigens angefertigte Instrumente singulärer Bauart. Er legt diese Konstruktionen aus Holz, Pickups und Saiten oft auf einen Tisch oder nimmt sie auf den Schoß und bearbeitet die Saiten mit diversen Anschlags- und Anreißmitteln, oft zweckentfremdete, gefundene und für interessant befundene Gegenstände. Instrument und Verstärker verbindet er über eine Vielzahl von Effektgeräten, die er mit bloßen Füßen traktiert; in jüngerer Zeit verwendete er auch Sampler. Das Resultat sind oft versponnene Klangforschungen, manchmal aber auch brüllend laute »Soundwolken«. Dazu passen keine Gitarrero-Posen und so ähnelt sein Auftreten eher dem eines mit sich allein glücklichen Tüftlers.
Wenn auch Frith im Laufe der Jahrzehnte mit vielen Musiker zusammen im Studio oder auf der Bühne stand, so gibt es eine bemerkenswerte Kontinuität in seinen Beziehungen zu Musikern, mit denen er zusammenarbeitet. Immer wieder mal waren das zum Beispiel Chris Cutler, Tim Hodgkinson und Lindsay Cooper. Mit anderen gründete er auch neue Bands, so etwa 1997 mit dem Saxophonisten Larry Ochs vom Rova Saxophone Quartet das Trio Maybe Mond – zu dem auch die Koto-Spielerin Mya Masaoka gehört – oder mit Zeena Parkins Cosa Brava.
Nach 1990 fand Fred Frith mit seiner Musik auch formale Anerkennung, war in Villeurbanne in Frankreich und in Oakland in Kalifornien jeweils an den lokalen Hochschulen Composer in Residence; am Mills College ein Oakland lehrte er 1999 auch Komposition. 2008 erhielt er den Demetrios Stratos Prize und 2010 den Titel Dr. h.c. der University of Huddersfield (West Yorkshire). Frith fehlt zwar jegliches Emblem eines Stars, dennoch war er Protagonist in einigen Filmen, von denen der ihm gewidmete Dokumentarfilm »Step Across the Border« (1990: Regie: Nicolas Humbert und Werner Penzel) der bedeutendste ist – der Titel kann als Motto über der gesamten Karriere von Fred Frith stehen.


Werke (Auswahl)

The As Usual Dance Towards the Other Flight to What is Not (1989; for four electric guitars)
Helter Skelter (1990; for two sopranos, contralto and a large electric ensemble)
Stick Figures (1990); for six guitars and two players)
Lelekovice (1991; string quartet no. 1 for Iva Bottová)
Stone, Brick, Glass, Wood, Wire (1992; graphic scores for any number of players)
Freedom in Fragments (1993; a suite of 23 pieces for saxophone quartet
The Previous Evening . Tribute to John Cage (1993; for four clarinets, tapes, bass, footsteps, electric guitars, whirled objects and voice)
Elegy for Elias (1993; for piano, violin and marimba)
Pacifica (1994; a meditation for 21 musicians with texts by Pablo Neruda)
Seven Circles (1995; for piano)
Impur (1996; for 100 musicians, large building and mobile audience)
Shortened Suite (1996; for trumpet, oboe, cello and marimba)
Back to Life (1997; for trumpet, oboe, cello and marimba)
Traffic Continues: Gusto (1998; for large ensemble with improvising soloists)
Landing for Choir (2001; for Flamenco singer, cello, saxophone and samples)
Allegory (2002; for string quartet and electric guitar)
Fell (2002; for string quartet & electric guitar)
The Happy End Problem (2003; for flute, bassoon, gu zheng, percussion, violin and electronics)
The Right Angel (2003; for orchestra and electric guitar)
Still Urban 82004; for sax quartet and elecric guitar)
Save As (2005; for cello and percussion)
Álftanes (2005; for guitar quartet)
Snakes and Ladders (2006; for clarinet, electric guitar, piano, percussion, cello and double bass)
Episodes (2007; for Baroque orchestra)
Water Stories (2007; for clarinet, piano, percussion, violin, and cello)
For Nothing (2008; for contralto and Baroque string quartet)
Fair (2008; for guitar quartet)
Small Time (2009; for percussion quartet)


Diskografie

Solo

Guitar Solos (1974)
Gravity (1980)
Speechless (1981)
Cheap at Half the Price (1983)
Prints (2002)
Clearing Customs (2011; mit u.a. Wu Fei, Patrice Scanlon, Anantha Krishan, Daniela Cattivelli)
Long as in Short, Walk as in Run (2011; mit Annie Lewandowski)
Contretemps; etc (2011, mit Jean-Pierre Drouet und Louis Sclavis)


Auf Tonträger veröffentlichte Theatermusik

The Technology for Tears (1987)
Helter Skelter (1991)
Allies (1996)
Accidental (1996)
The Precious Evening (1997)
The Happy End Problem (2006)
Nowhere/Sideshow/Thin Air (2009)


Soundtracks

The Top of His Head (1989)
Step Across the Border (1990)
Middle of the Moment (1995)
Eye to Ear (1997)
Rivers & Tides (2003)
Eye to Ear II (2004)
Touch the Sound (2005)
Eye to Ear III (2010)


Als Gastmusiker

Robert Wyatt: Ruth is Stranger than Richard (1976)
Brian Eno: Before and After Science and Music for Films (1976)
Gavin Bryars: Squirrel & the Ricketty-Racketty Bridge (1976)
Lindsay Cooper: Rags (1979)
Eugene Chadbourne: 2000 Statues (1979)
The Residents: Commercial Album (1980)
Material: Memory Serves (1981)
John Zorn: The Big Gundown (1984)
John Zorn: Hu Die (1986)
Christian Marclay: More Encores (1988)
Heiner Goebbels: Der Mann im Fahrstuhl (1989)
Bob Ostertag: Attention Span (1990)
John Zorn: Naked City (1990)
Naked City: Heretic (1992)
Naked City: Grand Guignol (1992)
Naked City: Radio (1993)
Naked City: Absinthe (1993)
Looping Home Orchestra: Live (1993)
Stefan Tickmeyer: The Science Project (1997)
Christian Wolff: Burdocks (2001)
John Zorn: Xu Feng (2001)
Alvin Curran: Lost Marbles (2004)
ROVA: Ascension (2005; mit u.a. Nels Kline, Ikue Mori, Otomo Yoshihide, Carla Kihlstedt)

Weitere mit Henry Cow, Art Bears, Skeleton Crew, Keep The Dog, The Guitar Quartet, Massacre, Death Ambient, Cosa Brava


Weblink

http://www.fredfrith.com (Offizielle Website des britischen Komponisten und Gitarristen Fred Frith)