Geoff Leigh

Leigh, Geoff, britischer Jazz- und Rockmusiker (Sopransaxophon, Querflöte, Keyboards, Gesang, Komposition), * 5.10. 1945

Geoff Leigh begann seine Karriere als professioneller Musiker in Manchester, als er Mitte der 1960er-Jahre in einigen Soul-Formationen Saxophon spielte; es war die Zeit der Herausbildung des Northern Soul. Im Laufe weniger Jahre wandte Leigh sich allerdings sukzessive Jazz und Rock und dessen Verbindungen zu. Eine Zeit lang spielte er in der Rockband Crazy Mabel, eine Band, die in ihrer Musik Blues, Jazz und Progressive Rock miteinander verband. Mit Leigh veröffentlichte Crazy Mabel auch den Mitschnitt eines Konzertes, bei dem er auch als Flötist zu hören ist. 1969 schloss er sich der Band Mouseproof an. Mouseproof war von dem Gitarristen und Sänger Gerry Fitz-Gerald gegründet worden, stand zwar in der zweiten Rehe der britischen Rockbands, brachte es aber zu Auftritten im Rahmenprogramm von Pink Floyd und Soft Machine. Auf diese Weise lernte Leigh Robert Wyatt, Daevid Allen und Kevin Ayers kennen. Tatäschlich weist die Musik Mouseproofs
Die Verbindung Leighs zur Musik der Canterbury Scene manifestierte sich, als sein Schulfreund Chris Cutler ihn bat, gelegentlich mit Henry Cow aufzutreten. Aus der losen Verbindung ergab sich bald, dass Leigh 1972 Mitglied der Band wurde. Er nahm an den Aufnahmen zur ersten LP der Band, »Legend« (1973) teil, war aber mit der Ausrichtung der Musik zwischen komponierten und improvisierten Teilen nicht einverstanden und verließ Henry Cow nach einer Tournee durch die Niederlande. Leigh blieb aber im Umfeld der Canterbury Scene, seinerzeit vor allem durch die Aktivität des Schallplatten-Labels Virgin Records präsent, arbeitete mit Slapp Happy, Hatfield and the North und Mike Oldfield zusammen, und fand sich schließlich sogar bereit, 1975 bei den Aufnahmen von Henry Cows Album »In Praise of Learning« mitzuwirken.
1974 hatte Leigh einen entscheidenden Schritt in seiner Karriere getan und seine erste eigene Band gegründet, zu der die Keyboard-Spielerin Cathy Wiliams, der Bassist Jack Monck – früher bei Delivery -, Charles früher bei Quiet Sun – und Fitz-Gerald gehörten. Virgin wollte Radar Favorites – so der Name der Band – zwar unter Vertrag nehmen, unterließ dies aber aufgrund angeblich zu hoher finanzieller Forderungen der Musiker. Monck und Hayward hatten die Band bald verlassen, weil sie mit der Musik Leighs dann doch nicht einverstanden waren und waren durch den Gitarristen Charles Bullen und den Bassisten Alan Möller ersetzt worden. Wegen der Entscheidung Virgins löste sich die Band, ohne irgendetwas veröffentlicht zu haben, 1976 auf. Mit Cathy Williams arbeitete Leigh indes weiterhin zusammen, so in dem gemeinsamen Duo Rag Doll, dann in einer Performance-Gruppe namens Red Balune. Ein Album, dessen Produktion Red Balune 1978 in Angriff nahm, kam zwar nicht zustande, wohl aber eine EP mit dem Titel »Maximum Penalty« (1979). Für Leigh bedeuteten die Aufnahmen ein erneutes Zusammentreffen mitt Fred Frith, Chris Cutler und Tim Hodgkinson.
Leigh pendelte zu dieser Zeit zwischen England, Belgien und den Niederlanden. Er kam dabei mit einer Vielzahl der in Frankreich und der Region der Benelux-Länder aktiven Musiker zusammen, so mit den Bands Aksak Nmaboul und Univers Zero,gründete 1981 mit dem Bassisten Colin McClure,dem Sänger und Gitarristen Aloijsius van Saus, dem Schlagzeuger Gert van Seters und dem Saxophonisten Jos Valster das nur einige Monate bestehende Kontakt Mikrofon Orkest; immerhin brachte es das Orchester zur Veröffentlichung einer Single. Die Verbindungen Leighs mit manchen Musikern seiner Bands hielten allerdings länger, beispielsweise mit McClure und van Saus – mit ihnen tat er sich zu der Gruppe Black Sheep zusammen.
In den 1980er-Jahren verließ Leigh allmählich den Wirkungsbereich von Jazz, Jazzrock und Rock und wandte sich der seinerzeit gefragten so genannten »Weltmusik« zu. Nicht zuletzt in immer wieder selbst gegründeten Formationen kam er mit Musikern wie dem Perkussionisten Asad Oberoi, dem Schlagzeuger Coen Alberts, dem Sänger Hamsy Boubaker, den Oud-Spielern Hassan Erragie und Abid, in einer Theaterproduktion mit der Schauspielerin Sabra Ben Arfa und dem Sänger und Perkussionisten Jalil El Afra zusammen. Die Auseinandersetzung mit der Musik anderer als der europäischen Kulturen führte für Leigh dazu, dass er neben den traditionellen europäischen Holzblasinstrumenten auch einige in Asien und Afrika beheimatete Musikinstrumente wie Mundorgel, Shenai und Mbira einsetzte.
Gegen Ende der 1980er-Jahre verstärkte er parallel zu diesen Aktivitäten auch wieder sein Engagement in eher dem Jazz zuzurechnenden Bands, aber auch im Formationen, die im Bereich von Theater und Performances auftraten. In diesen oft nur für ein einzige Projekt gebildeten Formationen traf er auf Musiker wie John van Rymenant, Peter Veyles, Claude Janssen und Pierre Jacobs,mit dem er 1988 die Gruppe Sables gründete. Im selben Jahr rief er mit dem Saxophonisten Joe Higham die MortonFork Gang ins Leben, zu der außedem die Saxophnsnten Mark Bogaerts und Daniel Stokart, der Violoncellsit Jan kuijken, der Bassist Guy Segers und der Schalgzeuger Danile Denis gehörten.
Eine schwere Erkrankung, die auch seine Bewegungsmöglichkeiten einschränkte, unterbrach ab 1992 für Jahre Leighs Karriere. Erst 1999 war er so weit genesen, dass er wieder als Musiker arbeiten konnte. Er tat sich mit Colin Edwin, dem Bassisten von Porcupine Tree,zu der Formation Ex Wise Heads zusammen; im Laufe der Jahre veröffentlichten die beiden Musiker mit dieser Band auch einige CDs. Wenn Leigh durch seine Erkrankung auch eingeschränkt wurde, so war sein Interesse an jeglicher Art von Musik ungebrochen. 2002 etwa gründete er mit dem Perkussionisten Tom Zunk das Duo Men Working Overhead,dem sich für allfällige Auftritte oft auch die Tänzerin Elke Postler anschloss. Auch die Zusammenarbeit mit Cathy Williams nahm er nach der Jahrtausendwende wieder auf, trat ab 2005 einige Male mit Musikern der deutschen Band Faust auf und 2009 dann auch mit Chris Cutler und John Greaves. Seitdem ist Geoff Leigh sporadisch bei Konzerten zu hören und zu sehen, gelegentlich werden auch CDs veröffentlicht, bei deren Aufnahmen er sich engagierte.
Das Schallplattenwerk Geoff Leighs ist äußerst unübersichtlich: Seine Karriere beinhaltet im Grunde drei: Als Jazz- und Jazzrock-Musiker, als Musiker der »Weltmusik«-Szene und als begleitender Musiker im Rahmen von Theateraufführungen und Performances. Mindestens so bedeutend wie seine zumeist mit anderen Musikern gemeinsam produzierten Alben sind seine Auftritte, von denen naturgemäß die wenigstens auf Schallplatte dokumentiert sind. In jüngerer Zeit werden immer wieder aktuelle CDs Leighs veröffentlicht, aber auch solche mit älteren Aufnahmen.


Diskografie

Chemical Bank (1979)
The Russians are Coming (1988)
Mouseproof (1970; mit Mouseproof)
Me (1970; mit Mary-Anne Paterson)
Crazy Mabel (1971; mit Crazy Mabel)
Onze Danses Pour Combattre la Migraine (1977; mit Aksak Maboul)
Spider In Love/Capitalist Kid (1978; mit Red Balune)
Maximum Penalty (1979; mit Red Balune)
La Piscine (1979; mit Pierre Vassilu)
Le Cadeau (1980; mit Pierre Vassilu)
Living in Rotterdam / Do The Residue (1981; mit Konakt Mikrofoon Orkest)
Animal Sounds (1981; mit Black Sheep)
Strangelove (1981; mit Black Sheep)
From Here to Drums (1988; mit Frank Wuyts)
Why Politicize? (1989; mit 9T2)
Sables (1989; mit Pierre Jacobs)
Baby B (1990; mit Bassline Boys)
IEM (2000; mit Steve Wilson)
Things from the Past (2005; mit MCCB)
Multiphonic Music (2006; mit Uli Trepte)
Mirage (2006; mit Mirage)
Faust…In Autumn (2006; mit Faust)
Child’s Play (2007; mit Mirage)
Radar Favourites (2010; mit Radar Favourites)
Stadtfischflex (2010; mit Stadtfisch)


Mit Ex-Wise Heads

Everything is Hear (1999)
No Grey Matter (2000)
Time and Emotion Study (2003)
Holding Up the Sky (2006)
Grounded (2007; nur Download)
Liquid Assets (2007)
Celestial Disclosure (2008; Ausgabe Vinyl-Tonträger, CD 2010)


Duo Geoff Leigh/Yumi Hara

Upstream (2009)
Riverhead (2009)


Weitere Alben mit Henry Cow, Slapp Happy, Hatfield and the North