Heaven (Band)

Heaven, britische Rockband, um 1968 in Portsmouth gegründet; die Band ist nicht mit der australischen bzw. rumänischen Formation gleichen Namens zu verwechseln.
Einige der Gründungsmitglieder der britischen Band hatten zuvor bei The Universal Trash Band, einer Soul-Band, gespielt, und so glich auch die Besetzung von Heaven der einer Soul-Band: Zu der von dem Bassgitarristen und Sänger Brian Kemp, dem Gitarristen und Sänger Andy Scarisbrick, dem Pianisten und Organisten Mick Cooper und dem Schlagzeuger Malcolm Nobby Glover gebildeten Rhythmusgruppe kamen der Saxophonist und Flötist Ray Ollie Holloway, der Trompeter Dave Gautrey und der Saxophonist, Klarinettist und Sänger Ray King. Die Band, die sich mit ihrer Musik an der Musik von Moby Grape und Love, allemal also US-West-Coast-Bands orientierte, trat zunächst regional auf, konnte aber schon 1969 im Rahmen des Isle-of-Wight-Festivals auf sich aufmerksam machen. Die Karriere schien vorgezeichnet, die Band ging zu ersten Aufnahmen Ende 1969 und Anfang 1970 nach London und auch 1970 sollte Heaven auf der Isle of Wight auftreten. Noch vor diesem Termin geriet das personelle Gefüge der Band durcheinander, doch entstand aus den Trümmern der ersten Formation eine zweite, noch größere Band: King, Gautrey und Glover waren von der ersten Besetzung übrig geblieben, neu hinzugekommen waren der Sänger Terry Scott Jr., der Gitarrist Barry Paul, der Bassist John Gordon – allesamt von der kurz zuvor aufgelösten Band Paper –, der Posaunist und Keyboard-Spieler Dave Horler, der Trompeter Butch Hudson und der Saxophonist, Flötist und Posaunist Derek Somerville. Paul, dem die Band in dieser Form nicht gefiel, ging und wurde durch den Gitarristen Eddie Harnett ersetzt.
Die instrumentale Ausrichtung der neuen Formation signalisierte, dass Rikki Farr, nach Ricky Martin nunmehr Manager der Band, Heaven von dem Erfolg der seinerzeit populären Horn Bands Chicago und Blood, Sweat & Tears profitieren lassen und quasi ein britisches Pendant zu den US-amerikanischen Vorbildern etablieren wollte. Das gelang zunächst: Nach dem Auftritt beim Festival auf der Isle of Wight nahm CBS die Gruppe unter Vertrag und veröffentlichte 1971 ein Doppelalbum, aufwändig in einem mehrteiligen Klapp-Cover untergebracht. Die Hoffnungen von Band und Management erfüllten sich indes nicht, so dass die Band erneut vor dem Ende stand. Zwar gab es dann noch eine dritte Formation unter dem Namen Heaven, doch erreichte diese Band keine größerer Aufmerksamkeit und veröffentlichte auch keine Schallplatte.
Als Heaven 1970 zur Big Band wuchs, waren die Vorbilder Chicago und Blood, Sweat & Tears übermächtig; diese Erfahrung mussten nicht nur andere US-amerikanische Horn Bands machen, sondern eben auch die britische Gruppe. So näherten sich die Musiker mit ihrem Doppelalbum an diverse Kompositionen der Amerikaner an und ließen ihre Musik wie diese zwischen Rhythm ’n‘ Blues, Progressive Rock und kühlem Jazzrock – mit einem gewissen Anklang an den Jazzrock der Canterbury-Bands – oszillieren. Instrumental konnten einige der Musiker mit den Amerikanern noch mithalten, wenn auch am Gesang von Scott Terry sich die Geister scheiden konnten. Von zentraler Bedeutung aber war, dass die Band keine überzeugenden eigene Songs hatte, von Hits wie »25 Or 6 To 4« (Chicago) oder »Spinning Wheel« (Blood, Sweat & Tears) ganz zu schweigen.
Von Interesse ist das Schicksal dieser britischen Band dennoch: Der Keyboard-Spieler von Heaven, Michael Cooper, hat einige Texte zur Geschichte der Band geschrieben bzw. gesammelt. Sie geben ein beredtes Zeugnis von den Umständen jener Zeit um 1970 für Musiker ab.

Diskographie

Brass Rock I (1971)

Internet

michaelcooper.org.uk/C/heaven (Website des Pianisten und Organisten Michael Cooper mit zahlreichen Informationen und Fotos zur Bandgeschichte von Heaven)