Jakko Jakszyk

Jakszyk, Jakko, eigentlich Michael Lee Curran, britischer Musiker (Gitarre, Gesang, Keyboards, Komposition, Produktion), * London 8.6. 1955. Jakszyk ist ein Musiker, der trotz der Länge seiner Karriere – er arbeitet seit Mitte der 1970er-Jahre professionell als Musiker –, vielen Rock-, Pop- und Jazzhörern unbekannt blieb, obwohl er in allen drei Bereichen, außerdem in der Filmmusik, stets präsent war und ist.

Jakko Jaskzyk wurde als Kind adoptiert und nahm daher den Namen seiner Adoptiveltern, Jakszyk, an; aus dem Namen wurde sein Spitznamen Jakko, den er schließlich als Vornamen benutzte, gelegentlich ergänzt um ein »M.«, das für Michael steht.

Vielseitig begabt, war Jakszyk unsicher, welchen Berufsweg er einschlagen sollte. Gleichermaßen interessiert an Fußball wie an der Schauspielerei und der Musik, entschied er sich als Jugendlicher zunächst für eine zweigleisige Karriere – einerseits als Musiker, andererseits als Schauspieler. Inspiriert von der Musik unter anderem von King Crimson gründete er eine eigene Jazzrock-Band Soon After, so der Name, bestand nur kurz, dann spielte er bei weiteren Bands, die durchweg keine tieferen Spuren in der Rockmusik hinterließen. Auch 64 Spoons, der Jakszyk zwischen 1976 und 1980 angehörte, konnte zwar die Aufnahmen für ein eigenes Album beenden, dieses wurde aber erst 1992 veröffentlicht.

Immerhin war Jakszyk bei 64 Spoons nicht nur als Gitarrist aktiv, sondern auch als Sänger, hatte vor allem einen Großteil der Songs geschrieben, mit denen er zwischen Pop, Rock und Jazz eine Balance versuchte. Während seiner Zeit mit 64 Spoons hatte er außerdem diverse andere britischer und amerikanischer Musiker kennengelernt. Als 64 Spoons sich schließlich auflöste, konnte er bei der von Dave Stewart, Rick Biddulph und Pip Pyle gerade gegründeten Band Rapid Eye Movements Gitarre spielen. Ohnehin Verehrer von Bands wie Henry Cow und Hatfield and the North, war er damit selbst in der Reihe der Musiker der Canterbury Scene getreten. Zwar löste Stewart die Band schon 1981 wieder auf, Jakszyk war mittlerweile aber so bekannt als Gitarrist, Sänger und Song-Schreiber, dass er noch im selben Jahr einen Plattenvertrag bei Chiswick Records unterschreiben konnte. Für Chiswick nahm er sein erstes Solo-Album auf. »Silesisa« wurde unter Mithilfe von Stewart, dem Saxophonisten David Jackson – dem Mitglied von Van der Graaf Generator hatte Jakszyk bei dessen Solo-Album geholfen – und der Sängerin Amanda Parsons, eine der Sängerinnen der Northettes, gerade noch vor der Bankrott-Erklärung Chiswicks veröffentlicht. Wieder kam Jakszyk zugute, dass er mittlerweile eine bekannte Größe unter den Musikern der Canterbury Scene war. Peter Blegvad engagiert ihn für jedes seiner in den 1980er-Jahren veröffentlichten Solo-Alben. Stiff Records nahm ihn unter Vertrag, es ließ sich für Jakszyk mit der Produktion von drei Singles für das Label auch gut an, auch konnte er ein zweites Solo-Album fertigstellen – dann meldete auch Stiff Zahlungsunfähigkeit an. Jakszyk sah sich gezwungen, seine Zeit wieder gleichermaßen auf die Schauspielerei und die Musik zu verteilen, nunmehr vornehmlich als Session-Musiker. Stewart hatte sich mittlerweile mit Barbara Gaskin zusammengetan und holte Jakszyk zur Unterstützung. Auch bei der Produktion für den auch als Komiker auftretenden Schauspieler Nigel Planer dachte Stewart an Jakszyk; bei den Aufnahmen zu »Neil’s Heavy Concept Album« (1984) lernte der Gitarrist den Schlagzeuger Gavin Harrison kennen, mit dem er in Zukunft immer wieder mal zusammentraf. Auch nahm Jakszyk einen neuen Anlauf für ein drittes Solo-Album: Nunmehr bei MDM Records unter Vertrag, nahm er das Album auf. Virgin als Vertriebspartner von MDM lehnte die Übernahme aber ab und so kamen auch diese Aufnahmen, dann sogar nur jeweils teilweise, erst später bei anderen Alben Jakszyks unter.

Jakszyk verlegte sich gegen Ende der 1980er-Jahre nahezu vollständig auf die Arbeit als Produzent und Studiogitarrist. Sein Name war mal hier, mal da auf einem Platten-Cover zu lesen, er diesseits und jenseits des Atlantiks, mal für Shari Belafonte, mal mit Swing Out Sister und der Sängerin Sam Brown. Mit Gavin Harrison gründete er die Gruppe The Kings of Oblivion, zusammen spielten die Musiker das Parodie-Album »Big Fish Popcorn« ein. Ernst machten Jakszyk und Harrison gemeinsam mit dem Schlagzeuger Pandit Dinesh und dem Bassisten Danny Thompson in der Formation Dizrhythmia mit einer zwischen Jazz und Rock, durchsetzt mit Details aus der indischen Musik. Es blieb indes bei der Veröffentlichung eines einzigen Albums.

In den folgenden Jahren wurde Jakszyk unter anderem von Tom Robinson, Level 42 und selbst den Kinks engagiert. Der Grundtenor aber blieb: Jakszyk wurde immer dann geholt, wenn die jeweiligen Musiker und Bands wegen Konzert- und Plattenverpflichtungen unter Druck standen, wurde aber nie gebeten, etwa Mitglied einer der Bands zu werden – bei Level 42 spielte er von 1991 bis 1994 Gitarre, war aber nie Mitglied der Gruppe um Mark King und nahm auch nicht an den Aufnahmen zu einer der Studio-Alben teil. Ähnlich erging es ihm in der Zusammenarbeit mit dem Keyboard-Spieler Richard Barbieri, dem Bassisten Mick Karn und dem Schlagzeuger Steve Jansen – alle drei gehörten einst zu der Band Japan –, als Jakszyk die Möglichkeit erhielt, ein Solo-Album aufzunehmen: Die gerade aufgebaute Band war damit schon wieder Geschichte. Für sein Album »Mustard Gas and Roses« aber traten Karn und Jansen an, dazu kamen frühere Weggefährten wie Sam Brown und Gavin Harrison.

1995 präsentierte Jakszyk ein von ihm seit 1991 verfolgtes Projekt, mit dem er seine eigene Lebensgeschichte in eine Hörspielform brachte; »The Road to Ballina«, so der Titel der Dokumentation, wurde von der BBC übernommen und 1996 ausgestrahlt. Jakszyk fand Gefallen an dieser Form künstlerischer Arbeit und legte im Lauf der Jahre weitere ähnliche Dokumentationen vor, allemal Mischungen von Originaltönen, gesprochenem Text und von ihm eigens komponierter Musik.

Jakszyk war nicht zuletzt aufgrund der Zusammenarbeit mit Barbieri, Karn und Jansen in den seit Anfang der 1990er-Jahre in den inneren Bereich des wieder aufblühenden Progressive Rocks gekommen, ohne dass er zu einer der neuen Bands gehörte. Er arbeitet weiter mit Barbieri und Karn, mit Gavin Harrison und Peter Blegvad zusammen. 2002 gehörte er zu den Mitbegründern der Band 21st Century Schizoid Band, die ihre Aufgabe in der Interpretation älterer Musik von King Crimson sah; zu der Band gehörten in der Tat frühere Mitglieder von Robert Fripps Band, so die Brüder Giles, Ian McDonald, Mel Collins und Ian Wallace. Die Band, die in Europa, Japan und den USA auf Tour ging, bestand bis 2007. In diesen Jahren hatte Jakszyk auch stetig an einem weiteren eigenen Album gearbeitet, das er 2006 unter dem Titel »The Bruised Romantic Glee Club« präsentierte. Das Album bestand aus zwei CDs; eine enthielt neue Arbeiten von Jakszyk, die andere war eine Art Show Case, denn der Gitarrist hatte Kompositionen von King Crimson, Soft Machine und Henry Cow eingespielt. Geholfen hatten ihm diverse befreundete Musiker, darunter auch Robert Fripp. Jakszyk freundet sich mit Fripp an, bis dieser ihm eine Zusammenarbeit anbot, die die beiden Musiker 2010 begannen, die zunächst in der Formation Jakszyk Fripp & Collins mündete – die dann allerdings ein etwas blutleeres Album vorlegte. Fripp kündigte 2012 zwar an, sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen, insbesondere nicht mehr im Konzert auftreten zu wollen. Schon 2013 aber gab er die Reaktivierung von King Crimson bekannt. Zweiter Gitarrist neben ihm und Lead-Sänger dieser Band sollte Jakko Jakszyk sein.

Jakszyk ist damit in den Olymp des Progressive Rocks aufgenommen worden. Nach Jahren der Wasserträgerei, des zähen Mühens um die Veröffentlichung eigener Alben, auch des Ertragens der Ignoranz der einschlägigen Presse ist er nun zentrales Mitglied der Band, deren Musik er schon als Jugendlicher bewunderte. Musiker hingegen wussten schon seit den späten 1970er-Jahren, über welche Fähigkeiten Jakszyk verfügt. Er arbeitete ebenso mit den Vertretern des Progesisve Rocks der 1970er-Jahre zusammen, wie ihn nach der Jahrtausendwende etwa The Tangent für ihr Album »Not as Good as the Book« (2008) oder Steven Wilson für sein Album »The Raven That Refused to Sing« (2013) um Unterstützung baten.

Neben seiner Karriere als Musiker baute sich Jakszyk auch eine Karriere als Komponist von Musik für Filme und für Fernsehsendungen auf. Auch für Computerspiele komponierte er die Musik, so für die Kriegsspiele »World War II« und »The War in the Pacific«.

Diskografie

Als Jakko/Jakko M. Jakszyk

Silesia (1982)
Mustard Gas and Roses (1994)
Are My Ears on Wrong? (1995)
The Road to Ballina (1997)
The Bruised Romantic Glee Club (2009)
Waves Sweep the Sand (2009)

Mit Jakszyk Fripp Collins

A Scarcity of Miracles – A King Crimson ProjeKct (2011)

Mit The Lodge

Smell of a Friend (1987)

Mit The Kings of Oblivion

Big Fish Popcorn (1987)

Mit Dizrhythmia

Dizrhythmia (1988)

Mit Tom Robinson

We Never Had It So Good (1990)

Mit 64 Spoons

Landing on a Rat Columns (1991)

21st Century Schizoid Band

Official Bootleg Volume One (2002)
In Concert – Live in Japan and Italy (2005)
Pictures Of A City – Live in New York (2006)

Mit The Tangent

Not As Good as the Book (2008)

Weblink

http://www.jakko.com (Offizielle Website des britischen Musikers Jakko Jakszyk)