John Marshall

Marshall, John Stanley, britischer Jazz-Schlagzeuger, * Isleworth, Middlesex, 28.8. 1941

John Marshall wurde als Kind auf das Schlagzeug aufmerksam, als er bei einem Theaterbesuch im Orchestergraben eine Schlagzeuger bei der Arbeit sah. Obwohl er selbst sich mehr für Big-Band-Jazz interessierte, den er im Radio hörte,willigte ein, das Schlagzeug zu übernehmen, als Schulkameraden eine New-Orleans-Jazzcombo gründeten. Nach der Schulzeit, während des Dienstes beim Civil Service, spielte John Marshall auch in Tanzbands,nahm nebenbei aber immer wieder bei dem einen oder anderen Schlagzeuger Unterricht. Unter seinen Lehrern war auch Jim Marshall, der später die bekannte Verstärkerfirma Marshall gründete; Jim und John Marshall sind nicht miteinander verwandt. Diese Praxis behielt John Marshall bei und nahm später, noch vor seinem Studium der Psychologie, Stunden bei dem Jazz-Drummer Allan Ganey. Der »größte« Name in der Reihe seiner Lehrer dürfte der von Philly Joe Jones sein, der in den 1960er-Jahre zeitweise in London lebte.
Zunächst verfolgte Marshall gar nicht den Plan, Berufsmusiker zu werden. Da er aber bald in die Tubby Hayes Student Big Band engagiert wurde und an diversen anderen Jazz-Veranstaltungen im universitären Bereich teilnahm, entschloss er sich, nach dem Studium als professioneller Musiker zu arbeiten.
Seine erstes Engagement hatte er in der Gruppe des Vibraphonisten Dave Morse, danach spielte er in Alexis Korners Band Blues Incorporated Schlagzeug, daneben aber auch als Sideman für andere Bands. Auf diese Weise lernte Marshall eine Vielzahl anderer Musiker kennen, darunter Graham Collier, der wie er in der Verbindung von Jazz und Rock eine viel versprechende Möglichkeit sah, ein größeres Publikum zu erreichen als mit mehr oder weniger traditionellem Jazz allein. Für Marshall bedeutete dies, dass er quasi »von Anfang an« Teil des sich in Großbritannien entwickelnden Jazzrock war: Er gründete mit dem Trompeter Ian Carr die Band Nucleus- in der Kal Jenkins Saxophonist war -, spielte das Drum Set in der Band von Jack Bruce – er hatte mit dem Bassisten bereits in Michael Gibbs Orchester zusammengearbeitet – und nahm 1972 dann das Angebot an, Schlagzeug bei Soft Machine zu spielen – obwohl er die Musik der Band nur wenig kannte.
John Marshall blieb bis zur Auflösung der Gruppe bei Soft Machine, nahm daneben aber stets Engagements als Session- und Tour-Musiker an. Er war kein Unbekannter im Jazz wie im Rock und spielte mit einer eindrucksvollen Reihe von Musiker zusammen, darunter etwa Hugh Hopper, Volker Kriegel, Georgie Fame, Charlie Mariano, Larry Coryell, Gary Burton, Mary Lou Williams, Elton Dean, Philip Catherine, Steve Swallow, Jasper van’t Hof, John Etheridge, Allan Holdsworth, George Gruntz, Gil Evans, Theo Travis, Sarah Vaughan, Karin Krog und selbst Arthur Brown, auch wieder mit Jack Bruce, Graham Collier, Joe Sachse, Ian Carr und dessen reformierter Band Nucleus, nach der Jahrtausendwende mit SoftWhere, SoftWorks und schließlich Soft Machine Legacy. 1977 wurde er auch Mitglied in Eberhard Webers Formation Colours, die bis 1981 bestand, und häufig spielte er Schlagzeug in den Gruppen des britischen Saxophonisten John Surman, unter anderem in dessen Brass Project.
Wenn der Name John Marshall vor allem für den europäischen Jazzrock steht – und dabei besonders natürlich für den von Soft Machine -, so steht er doch ebenso wie sein Spiel und sein Auftreten auf der Bühne für den Jazzrock schlechthin. Wollte man den europäischen Jazzrock illustrieren, so müsste zu den Bildern eines von John Marshall, das ihn beim Spiel zeigt, dazu gehören. Dabei war und ist der Schlagzeuger keineswegs auf eine bestimmte Ausprägung des Jazz fixiert, sondern näherte sich Laufe seiner Karriere ohne Dünkel jeglicher Art von Musik. Nicht zuletzt deshalb wohl wurde er für Lehraufträge an die Guildhall School of Music and Drama und an die Royal Academy of Music geholt.


Diskografie

Siehe Nucleus, Soft Machine


Weblink

http://www.drummerworld.com/drummers/John_Marshall.html (Interview mit John Marshall auf der Website Drummers World)