Karl Jenkins

Jenkins, Karl William Pamp, britischer Musiker (Komposition, Oboe, Keyboards, Sopransaxophon, Baritonsaxophon), * Penclawdd, Swansea (Wales) 17.2. 1944

Karl Jenkins wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Musik eine wichtige Rolle spielte, denn sein Vater war Organist und leitete einen örtlichen Chor. Von ihm auch erhielt Karl Jenkins ersten Instrumentalunterricht am Klavier. Er lernte Oboe und gehörte dem National Youth Orchestra of Wales an. An der Cardiff University nahm er 1963 ein Musikstudium auf, das er 1967 mit einem Bachelor of Music abschloss. Er ergänzte seine Studien durch den Besuch der Royal Academy of Music.
An der Cardiff University war er erstmals mit dem Jazz in Berührung gekommen und spielte im Cardiff University Jazz Quintet. Direkt nach seinem Studium nahm er an einem Jazzkurs der Barry Summer School teil. In London wurde er unter den Jazzmusikern der Stadt schnell bekannt und war bereits 1967 Mitglied in Graham Colliers Band; er blieb in der Formation bis 1969. Neben Studium an der Royal Academy und dem Engagement bei Collier arbeitete Jenkins auch als Studiomusiker und nahm als Saxophonist und Keyboard-Spieler an Tourneen von Scott Walker und den Ryan-Brüdern Paul und Barry teil.
In diesen Jahren war Jenkins auch mehrfach mit dem Trompeter Ian Carr zusammengekommen und hatte gelegentlich mit ihm und John Marshall – Schlagzeuger in Colliers Band – zusammengespielt. 1969 gründete Carr mit Jenkins seine Gruppe Nucleus. Jenkins schrieb für die ersten beiden Alben der Gruppe einen großen Teil der Kompositionen, fand daneben aber noch Zeit, in Keith Tipetts Orchester Centipede Saxophon zu spielen, im Spontaneous Music Ensemble und im Jazz Composer’s Orchestra – Jenkins wurde in den diesen wenigen Jahren zu einer führenden Figur des britischen Jazz, ohne dass er selbst eine Gruppe leitete.
Jenkins kannte natürlich Soft Machine, kannte die Musiker der Band, die allesamt in Tippets Centipede-Orchester gesessen hatten. Als Elton Dean Soft Machine 1972 verließ, übernahm Jenkins dessen Platz. Jenkins war kein bloßer Ersatzmann, der Deans Arbeit da fortführte, wo diese sie abgebrochen hatte. Mindestens ebenso an Komposition und Arrangement wie an der Aufgabe als Instrumentalist interessiert, führte er die Band aus der Nähe zum Free Jazz, in die sie Dean gebracht hatte, wieder näher an den Rock, wenn auch Soft Machine eine Jazzrock-Band blieb, in der es keinen Gesang gab. Der Bassist Hugh Hopper zog bald die Konsequenz und ging 1973, Mike Ratledge, Keyboard-Spieler der Gruppe und vor Jenkins Eintritt der eigentliche »Leader« der Band, fühlte sich im Laufe der wenigen Jahre auch als Keyboard-Spieler an den Rand gedrängt und verließ Soft Machine 1976. Jenkins führte die nach seinen Vorstellungen umgebaute Band weiter, wenn der Publikumszuspruch stetig abnahm, bis die Gruppe mit einer kleinen Konzertserie in Ronnie Scott’s Jazz Club 1984 ihr Dasein beendete.
Jenkins hatte bereits seit Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre an einer Karriere als Komponist und Arrangeur für Werbefilmmusik gearbeitet, dann auch für die Werbeagentur Bartle Bogart Hegarty. Im Laufe der Jahre komponierte er Musik etwa für Lewis-Jeans, für Volvo, für die Schmuckfirma De Beers, für den französischen Autobauer Renault und für die Fluggesellschaft Delta Airlines. Damit war er dennoch nicht ausgelastet und gründete auf der Grundlage der Musik für Delta das Projekt Adiemus. Die von Jenkins komponierte Adiemus-Musik für Chor und Orchester wurde teilweise auch im Konzert aufgeführt, hat aber weder mit Rock noch mit Jazz etwas zu tun, sondern ist eher eine tonal gebundene, mit Elementen traditioneller Kunstmusik unterfütterte, sehr gefällige Musik, in der Perkussionsinstrumente eine hervorgehobene Rolle spielen, vor allem aber der auf weiblichen Stimmen basierende Chorgesang, mit dem oft die Klangwelt von aus Afrika stammendem Chorgesang heraufbeschworen wird. Jenkins war mit den mehrere Alben umfassenden Adiemus-Reihe kommerziell sehr erfolgreich.
Karl Jenkins ist hoch angesehen. Der Inhaber eines Doctorates in Music der University of Wales und Ehrendoktor der University of Leicester wurde 2005 ausgezeichnet und zum Officer of the Order of the British Empire beziehungsweise Commander Commander of the Order of the British Empire ernannt. Er ist Fellow der Royal of Academy of Music, der Cardiff University, des Royal College of msic 6 Drama, des Trinity College Carmarthen und der Swansea Metropolitan Unversity. Außerdem ist Jenkins einer der Präsidenten der British Double Reed Society, einer Gesellschaft in der Spieler von Doppelrohrblattinstrumenten wie Oboe und Fagott organisiert sind. Schließlich erhielt Jenkins auch für seine Musik zu Werbefilmen diverse Auszeichnungen, darunter zweimal den D &AD Award und mehrere »Clios« und »Golden Lions« (Filmfestival Cannes).
Karl Jenkins gilt mit seiner Musik als der zeitgenössische lebende Komponist, dessen Werke am häufigsten im Konzert aufgeführt werden, allein seine Messe »The Armed Man: A Mass for Peace« brachte es bis dato auf mehr als 1000 Aufführungen. Als Jazzmusiker geriet Jenkins zwar nicht in Vergessenheit, aber er wird fast ausschließlich mit Soft Machine verbunden, damit auch mit dem Niedergang dieser Band. Die Zeit von 1972, als Jenkins Mitglied der Band wurde, bis 1976, als Mike Ratledge Soft Machine verließ, war indes für die Gruppe überaus erfolgreich. In der auf seiner Website zu findenden Biographie wird dennoch mit keinem Wort erwähnt, dass er über zehn Jahre lang mit Mike Ratledge und dann John Marshall Soft Machine leitete.


Werke (teils auf Tonträger veröffentlicht)

Palladio (1993)
Eloise (opera)
Imagined Oceans (1998)
The Armed Man: A Mass for Peace (1999; Uraufführung 2000)
Dewi Sant, a work for SATB chorus and orchestra (1999)
Diamond Music (1996)
Merry Christmas to the World (1995; Arrangements traditioneller Weihnachtsmusik)
Over the Stone (2002)
Crossing the Stone (2003)
Ave Verum (2004)
In These Stones Horizons Sing (2004)
Requiem (2005)
Quirk (2005)
River Queen (2005)
Tlep (2006)
Kiri Sings Karl (2006)
This Land of Ours (2007)
Stabat Mater (2008)
The Concertos (2008; Zusammenstellung von: Over the Stone, La Folia, Quirk, Sarikiz)
Music of the Spheres(2008; mit Mike Oldfield)
Stella Natalis (2009)
Gloria / Te Deum (2010)
The Bards of Wales (2011)
Songs Of The Earth (2012)
The Peacemakers (2012)

Mit Adiemus

Adiemus: Songs of Sanctuary (1995)
Adiemus II: Cantata Mundi (1997)
Adiemus III: Dances of Time (1998)
Adiemus IV: The Eternal Knot (2001)
Adiemus Live (2001)
Adiemus V: Vocalise (2003)
Adiemus Colores (2013)

Weitere Alben mit Soft Machine, Nucleus


Weblinks

http://www.karljenkins.com/ (Offizielle Website des Kompositen und Holzbläsers Karl Jenkins)
http://www.boosey.com/pages/cr/composer/composer_main.asp?composerid=2764 (Karl Jenkins gewidmete Seite bei dem Verlag Boosey & Hawkes mit ausführlicher Werkliste)
http://www.adiemus.f2s.com/ (Website mit diversen Informationen zu Adiemus)