Lol Coxhill

Coxhill, Lol, eigentlich George Lowen Coxhill, englischer Jazzmusiker (Sopransaxophon, Sopraninosaxophon, Komposition, Elektronik), * Portsmouth, Hampshire 19.9. 1932, † London 10.7. 2012

Lol Coxhill begann als Jugendlicher, sich für Musik zu interessieren und kaufte sich im Alter von 15 Jahren ein Saxophon. Bei dem Jazzsaxophonist Aubrey Frank (* 1921, † 1993) nahm er ein wenig Instrumentalunterricht, in den Frank auch Musiktheorie einbezog. Nach seinem Dienst in der Royal Air Force arbeitete Coxhill als semiprofessioneller Musiker und wurde häufig für Begleitbands von amerikanischen Jazz- und Bluesmusikern engagiert, wenn diese auf Tournee in Großbritannien waren. Daneben war er aber auch Mitglied in Bands wie Denzil Bailey’s Afro Cubists, The Graham Fleming Combo und SonnyG and the G Men. Offen und vorurteilsfrei gegenüber jeglicher Musik gründete er mit Beginn der 1960er-Jahre eigene Bands, ließ sich aber weiterhin von durchreisenden Amerikanern engagieren. So packte er sein Saxophon auch für Soul-Musiker wie Rufus Thomas, Martha & the Vandelas, Screamin‘ Jay Hawkins und Mose Allison, für Bluesmusiker wie Otis Spann,Champion Jack Dupree und den britischen Lokalmatador Alexis Korner aus. Der Radio-Discjockey John Peel entdeckte ihn, als er auf der Straße Saxophon spielte; er nahm Coxhill für sein Label Dandelion unter Vertrag.

Mit dem Canterbury Rock kam Coxhill in Berührung als er Mitglied von Steve Millers Band Delivery wurde. Wenn auch diese Band stark auf den Jazz ausgerichtet war, gilt sie dennoch – unter anderem, weil der Gitarrist Phil Miller, der Bassist Roy Babbington und der Schlagzeuger Pip Pyle Mitglied waren – neben The Wilde Flower als Keimzelle dieser Strömung der britischen Musik. Auch in der Band The Whole World von Kevin Ayers, zu der neben anderen David Bedford und Mike Oldfield für kürzere oder längere Zeit gehörten, spielte Coxhill Saxophon.

Die Verbindung zum Canterbury Rock ließ er in den folgenden Jahren nie ganz abreißen, wenn er sich auch zunehmend als frei improvisierender Musiker einen Namen machte und sich stets zwischen den »Sphären« Jazz und Rock bewegte. So arbeitete er mit The Brotherhood of Breath und Django Bates, mit Henry Cow und selbst der Punk-Gruppe The Damned zusammen, übernahm die musikalische Leitung der Theatergruppe Welfare State, gründete mit dem Schlagzeuger Roger Turner und dem Gitarristen Mike Cooper die Gruppe The Recedents – die an die amerikanische Formation The Residents angelehnte Namensgebung gibt ein Beispiel seines ironischen Humors –, dann mit dem Pianisten Steve Beresford und dem Klarinettisten Tony Coe das Trio The Melody Four und immer wieder Duos und Trios. Selbst für Kino- und Fernsehfilme ließ er sich engagieren, wenn auch nicht als Saxophonist.

Das Unkoventionelle zeigte sich immer wieder im Spiel Coxhills. Zwar galt er vielen als freier Improvisator, flocht im Solo wie im Ensemble aber Musik vielerlei Provenienz ein – Jazz, Pop, Free Jazz, Elektronik. Einen guten Überblick über sein Verständnis von Musik gibt ein 2007 veröffentlichtes Doppelalbum, mit dem Aufnahmen der Steve Miller Band und des Duos Steve Miller/Lol Coxhill versammelt sind. 1998 nahm er dann auch an einem Benefiz-Konzert zugunsten Steve Millers teil, in dem er auf die Weggefährten seiner Zeit bei Delivery stieß.

Diskografie (Auswahl)

Ear of Beholder (1971)
Toverbal Sweet (1972; mit Pierre Courbois und Jasper Van’t Hof)
Miller/Coxhill (1973; mit Steve Miller)
The Story So Far…Oh Really! (1974; mit Steve Miller, fälschlich als Stephen Miller angegeben; 2007 in erweiterter Form wiederveröffentlicht)
Welfare State/Lol Coxhill with Welfare State Theatre Group (1975)
Fleas In Custard (1975; mit G.F Fitzgerald)
The Joy of Paranoia (1978)
French Gigs (1983; mit Fred Frith)
Instant Replay (1983)
The Dunois Solos (1984)
Cou$cou$ (1984)
10:02 (1985)
The Inimitable (1985)
Café de la place (1986)
Frogdance (1986; Soundtrack)
Before My Time (1987)
Solo – Live (1990)
One Night in Glasgow (1995; mit Pat Thomas)
Six Beautiful Girls – The Garden of Love (1997; mit Kevin Ayers, Mike Oldfield, Robert Wyatt und David Bedford)
Alone and Together (1999)
Mouth (2001; mit Mike Walter)
Duology (2003; mit Howard Riley)

TV-Dokumentation

Frogdance (1987)

Weblink

www.lolcoxhill.com (Offizielle Website des britischen Saxophonisten und Komponisten Lol Coxhill)
efi.group.shef.ac.uk/mcoxhill.html (Website mit ausführlicher Diskographie)