Mark Hewins

Hewins, Mark, britischer Rock- und Jazzmusiker (Gitarre, Komposition), * 24.3. 1955 Mark Hewins begann seine Karriere 1970 als noch Jugendlicher in der Londoner Band Mother Sun, einer Pub-Rock-Band. Bereits Mitte der 1970er-Jahre war er eine etablierte Größe in der Musik der britischen Hauptstadt, hatte Kontakt zu Elton Dean gefunden, damit zu einem Vertreter der Canterbury Scene, und war 1976 von ↑Dave Sinclair für die Aufnahmen zu seinem Album »Moon over Man« geholt worden; unglücklicherweise wurde dieses Album zunächst nicht veröffentlicht, sondern kam erst 1993 als CD auf den Markt. Dennoch: Sinclair engagierte Hewins im gleichen Jahr auch auch für seine Bands Sinclair and the South und The Polite Force, und spätestens von diesem Zeitpunkt an gehörte Hewins zum engeren Kreis der Musiker des Canterbury Rocks. Gleichzeitig richtete der Gitarrist sein Interesse auf Jazz und den Jazzrock, spielte im London Musicians Collective und in John Steven’s Dance Orchestra – dessen Namen in die Irre führt, denn es handelte sich um ein dem jüngeren Jazz und Jazzrock verpflichtetes Ensemble –, in dem er auf Musiker wie John Martyn, Robert Calvert, Lol Coxhill, Elton Dean und den Posaunisten Paul Rutherford traf; das Orchester nahm zwischen 1977 und 1981 auch einige Stücke auf, die aber erst 1993 unter dem Titel »A Luta Contina« veröffentlicht wurden. Seit den späten 1970er-Jahren war Hewins auch mehr oder weniger festes Mitglied von Formationen wie Soft Heap und Going Going, 1999 von Gong, spielte mit den Miller-Brüdern im Trio, und in gleicher Besetzung mit Carol Grimes, außerdem mit Hugh Hopper bei Dark Horse und Mashu. Hewins gehörte immer zur ersten Wahl, wenn einer der Musiker des Canterbury-Zirkels ein Album aufnehmen wollte.
Damit erschöpfte sich Hewins Aktivität in der britischen Musik aber nicht. In einer Art »Parallel-Karriere« machte er sich einen Namen in Nashville, wo er mit Musikern wie dem Sänger und Gitarristen Hal Ketchum, der Country-Musikerin Kathy Mattea und den Gitarristen Arlen Roth und Joe Dalton zusammenkam. Diese Karriere hat auch eine technische Seite, denn Hewins übernahm auch Aufträge aus der Musikinstrumente-Industrie und stellte beispielsweise Gitarren auf Messen vor. Er ist ein Virtuose der in den 1990er-Jahren aufgekommenen, mit einer MIDI-Schnittstelle ausgerüsteten Gitarren und zeigte etwa Lou Reed deren Möglichkeiten. Reed begleitete er bei einigen dessen Tourneen auch als Guitar Technician. Über zehn Jahre lang arbeitete er für den Instrumentenhersteller Casio, von ihm stammen Sound-Libraries und in den Keyboards der Firma gespeicherte Demo-Songs.
Hewins hat neben seinen Engagements für Musiker, Bands und Firmen diesseits und jenseits des Atlantiks auch eine eigene Karriere verfolgt. Er selbst ist als Komponist von Werken unterschiedlicher Art erfolgreich und kann einen Katalog von mehr als 200 eigenen Kompositionen vorweisen. Er gründete im Laufe der Jahrzehnte mehrere Bands, darunter The Music Doctors – mit Lol Coxhill –, die Big Band FF und die Dance Band Tritonik, zu der die dann auch als Solistin erfolgreiche Sängerin Tania Evans gehörte. In den 1990er-Jahren fand er häufig in dem Perkussionisten Shyamal Maitra einen kongenialen Partner; das mit ihm gebildete Duo wurde gelegentlich mit Carol Grimes zum Trio erweitert.
Gegen Ende der 1990er-Jahre, dann nach der Jahrtausendwende vermischten sich all diese Tätigkeiten. Seine Erfahrung in der Leitung großer Instrumentalensembles nutzte ihm bei der Produktion von »Rebela«, einem multimedialen Projekt von ↑Lady June, bei dem Hewins Komposition und Aufnahme der Musik übernahm. Mit Gong ging er auf ausgedehnte Tourneen, kam dabei mit jüngeren Musiker wie dem Saxophonisten ↑Theo Travis und dem Schlagzeuger Chris Taylor zusammen, widmete sich danach dem Werk des indischen Dichters Rabindranath Tagore – auch daraus ergab sich ein Album.
Es gibt auch weniger Typisches in dieser Karriere: Hewins nahm das Angebot Bob Geldofs an, in dessen Band Gitarre zu spielen; Hewins ging mit Bob Geldof mehrmals auf Tournee. Noch größere Distanz zur Canterbury Scene, zum Jazz und zum Rock hat Hewins Interesse am Tauchen: Weit über den Stand eines bloßen Hobby-Tauchers hinausgehend, unternahm er 2004 eine Reise in die Arktis, um dort unter Wasser Klänge aufzunehmen. Diese sollten dann – geschnitten und nach seinen Vorstellungen zusammengestellt – ein Ambient-Album ergeben.


Diskografie

The Electric Guitar (1987)
Provocative Thought – Live at the Vortex (1994; mit Hugh Hopper)
Adramor (1995; mit Hugh Hopper)
Bar Torque (2001; mit Elton Dean)
Guerilla Music (2002; mit Theo Travis)


Weblinks

https://archive.org/details/SecondJamWithMarkHewins (Website mit Gitarrespiel von Mark Hewins)
http://www.playback.co.uk (Website mit Links zu diversen Arbeiten Hewins)

Mark Hewins betreute einige Jahre lang die der Musik der Canterbury Scene gewidmete Website Musart. Siehe auch: http://www.hulloder.nl