Alan Gowen

Gowen, Alan, englischer Rock- und Jazzmusiker (Keyboards, Komposition) * North Hampstead 19.8. 1947, † London 17.5. 1981

Alan Gowen begann seine Karriere Ende der 1960er-Jahre als Pianist in einem Jazz-Trio. Etwa zu dieser Zeit lernte er den Gitarristen Phil Miller kennen; Miller war später, gemeinsam mit Gowen, auch Mitglied von National Health. Gowen wechselte 1971 nach London und schloss sich der Band Assagai an, eine Band, die im Umfeld von Osibisa entstanden war. Assagai war zwar eine so genannte Afro-Rock-Band, zu den Musikern gehörten aber auch Jazzmusiker wie der aus Südafrika stammende Schlagzeuger Louis Moholo. Ebenso war der Schlagzeuger Jamie Muir Mitglied von Assagai. Mit Muir und dem Bassisten Laurie Baker gründete Gowen um 1971 die Band Sunship. Bei Sunship spielte zeitweise Allan Holdsworth Gitarre. Als Muir sich 1972 entschloss, Robert Fripps Angebot anzunehmen, bei King Crimson diverse Perkussionsinstrumente zu spielen, bedeutete dies das Ende von Sunship; die Band hinterließ keine Aufnahmen.
Gowen tat sich daraufhin mit einem Freund Muirs zusammen, Mike Travis. Mit Travis gründete er die Band Gilgamesh, eine der Bands der ersten Phase des Canterbury Rock. Zu Gilgamesh gehörten der Gtarrist Rick Morcombe, der Saxophonist Alan Wakeman – Cousin des Keyboardspielers Rick Wakeman – und der Bassist Jeff Clyne. Clyne ging schon bald wieder und wurde durch den Bassisten Richard Sinclair ersetzt. Gowen selbst war zwar auch interessiert, zu Hatfield and the North zu wechseln, nach einem Probespiel wurde ihm allerdings Dave Stewart vorgezogen.
Gilgamesh war in der Tat keine stabile Band: Wakeman ging, Morcombe wurde durch Phil Le ersetzt, Sinclair durch Neil Murray. In dieser Besetzung wurden auch einige Demonstrationsaufnahmen produziert, die indes nicht zur Veröffentlichung eines Albums führten.
1973 trat Gilgamesh mit Hatfield and the North als Doppelquartett auf. Gowen hatte für diese ungewöhnliche Besetzung einige Kompositionen geschrieben. Er und Stewart fanden die Idee eines ständigen Doppelquartetts zwar reizvoll, dennoch taten sich Hatfield and the North nicht zusammen. Stattdessen hatte Giglamesh mit personellen Turbulenzen zu kämpfen: Murray hatte sich entschlossen, die Band zu verlassen und wurde durch Steve Cook ersetzt. Die Idee einer größeren Besetzung blieb allerdings virulent: Zumindest für einige Auftritte gehörte mit Peter Lemer ein zweiter Keyboard-Spieler zu Gilgamesh.
1975 erhielt Gilgamesh einen Plattenvetrag bei Caroline Records, einem Unterlabel von Virgin Records, bei dem Richard Branson zunehmend Bands unterbrachte, von denen er sich nun nicht gerade gewaltige Umsätze versprach. Im selben Jahr kamen Gowend und Stewart ihrem Plan, eine Großformation mit zwei Keyboardspielern, zwei Gitarristen, mehreren Sängern und einer Rhythmusgruppe zu gründen,ein großes Stück näher. Zunächst zumindest: National Health, so der Name der Gruppe, bestand anfangs aus sieben Musikern: Gowen, Stewart sowie einigen Musikern von Hatfield and the North und Gilgamesh; den Gesang musste Amanda Parsons allerdings allein übernehmen. Selbst diese Formation bestand nur kurz, bald, 1977, war National Health mit Blick auf die Besetzung eine normale fünfköpfige Band. Gowen ging dann, kehrte aber noch einmal als Gast zurück, um bei den Aufnahmen zum ersten Album der Band auszuhelfen; immerhin ließ er der Band die Kompositionen »Brujo« und »Elephants«.
Gilgamesh war über die Experimente mit dem Rock-Orchester nicht sang- und klanglos untergegangen. Gowen reaktiviert die Band mit Phil Lee, Neil Murray und dem Schlagzeuger Trevor Tomkins, der zuvor bei Nucelus gespielt hatte. Als es an die Aufnahmen zu dem später unter dem Titel »Another Fine Tune You’ve Got Me Into« veröffentlichten Album ging, ersetzte Hugh Hopper Murray. Parallel zu seinem Engagement bei Gilgamesh spielte Gowen auch bei Soft Heap – später in Soft Head umbenannt – die Keyboards; über kurz oder lang waren dann auch, als der Bassist John Greaves sowohl bei National Health als auch bei Soft Heap den Bass spielte, die beiden Bands in ihrer Besetzung identisch.
Gowen, den mit Hopper eine enge Freundschaft verband, schrieb einige Kompositionen für sich und den Bassisten, die das Album »Two Rainbows Daily« ergaben. Als Gowen mit Leukämie diagnostiziert wurde, setzte er den Plan, noch ein Album zu veröffentlichen, in die Tat um. An »Before A Word Is Said« wirkten seine Weggefährten Phil Miller,Richard Sinclair und Trevor Tomkins mit; Gowen starb kurz nach Fertigstellung der Aufnahmen.
Nach seinem Tod kamen Dave Stewart, Phil Miller, John Greaves und Pi Pyle noch einmal als National Health zusammen und studierten einige Kompositionen aus dem Nachlass Gowens ein. An dem Benefizkonzert für Gowens Familie nahmen weitere Musiker wie Elton Dean, Richard Sinclair und Jimmy Hastings teil; sie hatten neben Amanda Parsons, Barbara Gaskins, Ted Emmett und Annie Whitehead auch an dem Album »D.S. al Coda« mitgearbeitet. Das Cover das Albums zeigt Gowen, verkleidet als Henry V.


Diskografie

Bracknell-Bresse Improvisations (1980; mit Hugh Hopper)
Before A Word Is Said (mit Phil Miller, Richrd Sinclair und Trevor Tomkins)

National Health

D.S. al Coda (1982; Kompositionen von Alan Gowen)