Blood Sweat & Tears

Blood Sweat & Tears, amerikanische Rockband, 1967 von dem Organisten und Pianisten Al Kooper, dem Gitarristen Steve Katz und dem Schlagzeuger Bobby Colomby in New York gegründet; der Name geht auf die Schallplatte »Blood Sweat & Tears« (1963) von Johnny Cash zurück. Deren Titel wiederum nahm vage Bezug auf eine Passage in einer Rede, die der britische Premierminister Sir Winston Churchillam 13.5.1940 hielt und die lautet: »I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat.«

Bandbiografie

Steve Katz und Al Kooper hatten zu der Band The Blues Project gehört und damit wesentlich zu dem von jungen weißen Musikern angestoßenen Blues-Revival Mitte der 1960er-Jahre beigetragen. Als The Blues Project 1967 an internen Gegensätzen auseinanderbrach, wollte Kooper, der als Organist bereits mit Bob Dylan, Jimi Hendrix und The Rolling Stones gespielt hatte, eine neue Band gründen, in der er aber das Sagen haben wollte. Katz willigte ein, als Bassist kam Jim Fielder, vorher bei Frank Zappas Mothers of Invention und kurzzeitig bei Buffalo Springfield, während Bobby Colomby das Schlagzeug übernahm.

In dieser Konstellation bestritt die Band einige Konzerte im Cafe Au Go Go in New York. Kooper nahm dann den Altsaxophonisten Fred Lipsius hinzu, der Kooper bald überredete, weitere Bläser – New Yorker Musiker, die er kannte – zu engagieren. Darunter befand sich auch der später als Jazzmusiker erfolgreiche Trompeter Randy Brecker. Die zu dieser Zeit ungewohnte Kombination – die es in ähnlicher Konstellation nur im Soul gab – und der deutliche Bezug zum Rock wie zum Jazz hatte von Anbeginn an größten Erfolg beim Publikum. Kooper unterzeichnete einen Plattenvertrag mit Columbia Records und 1968 erschien das Debüt-Album »Child is father to the man«. Das stark beachtete Album, das eine Antwort auf die British Invasion war und so etwas wie eine Paraphrase auf »Sergeant Pepper’ s Lonely Hearts Club Band« von den Beatles darstellte, führte aber trotz seines Erfolge zu einer Kontroverse innerhalb der Band: Katz und Colomby empfanden Koopers Gesang als unzureichend und drängten ihn, sich auf die Komposition zu beschränken und sich ansonsten an seine Orgel zurückzuziehen, ein besserer Sänger sollte das Mikrophon übernehmen. Kooper widersetzte sich zwar, verließ aber nach kurzem heftigen Streit die Band.

Colomby, nunmehr Oberhaupt der Gruppe, fand über die Vermittlung der Folk-Sängerin Judy Collins in dem kanadischen Rocksänger David Clayton-Thomas, vorher bei The Boss Men und Gitarrist in der Band John Lee Hookers, Ersatz. Ziehen lassen musste er die beiden Trompeter Becker und Jerry Weiss; für sie kamen Lew Soloff und Chuck Winfield. Soloff gehörte später zu der Stammbesetzung der Gruppen von Carla Bley.

Die Produktion der zweiten LP der Band übernahm James William Guercio. Guercio hatte bei Columbia Records mit The Chicago Transit Authority, dann nur Chicago, eine eigene Jazzrock-Gruppe untergebracht, die über einen dreistimmigen Bläsersatz verfügte. Die Band war höchst erfolgreich und Columbia hoffte, dass der erfahrene Guercio Blood Sweat & Tears ebenfalls zu Hits verhelfen konnte.

Guercio gelang dies in unerwartet großem Maße. Die zweite LP der Band, einfach »Blood Sweat and Tears« (1969) genannt, erbrachte die Hit-Singles »You’ve made me so very happy«,»And when I die« und »Spinning wheel«, letzteres ein mitreißendes Stück Rock von Clayton Thomas; nebenbei machten die Musiker ihr Publikum mit dem französischen Komponisten Erik Satie bekannt – sie arrangierten eine von dessen »Gymnopédies« für akustische Gitarre und Querflöte. Die Band trat als sogenannter Headliner in Woodstock auf, erhielt im darauffolgenden Jahr Grammys in zwei Kategorien und stach damit auch die Beatles mit deren Album »Abbey Road« aus. Als weniger glücklich erwies sich die Entscheidung der Band, auf Einladung des US-Außenministeriums eine Tour durch Osteuropa zu unternehmen; diese und anschließende despektierliche Äußerungen Clayton-Thomas’ über den Kommunismus in Ost-Europa – den er mit dem Faschismus gleichsetzte –, kamen bei den amerikanischen Rockhörern nicht gut an und setzten die Band zwischen die Stühle: einerseits Rock, andererseits Establishment.

In ihrer Musik setzte die Band allerdings unverdrossen den eingeschlagenen Weg fort. Das dritte Album, »3«, wartete also mit Cover-Versions auf (»Symphony for the Devil – Sympathy for the Devil« von den Rolling Stones, »Hi de ho« von Carole King), einer Bearbeitung klassischer Kompositionen (»40 000 Headmen« mit Bruchstücken von Werken S. Prokofjews und B. Bartók) und Eigenem (»Lucretia MacEvil« von Clayton-Thomas), zeigte damit aber auch, dass die Band zwar alles spielen, aber nicht verdeutlichen konnte, was eigentlich ihre eigene Musik war. »B, S & T 4«, wenn auch mit mehr Eigenkompositionen versehen, brachte dem Publikum zwar ebenfalls keine Aufklärung, war aber kommerziell wieder erfolgreich.

Innerhalb der Band allerdings herrschte ständige Unruhe; Posaunist Jerry Hyman ging und wurde durch Dave Bargeron ersetzt, dann verließen Clayton-Thomas, später Fred Lipsius Blood Sweat & Tears – jede neue Platte der Band konfrontierte den Käufer mit neuen Bandmitgliedern. Hatte der als Ersatz für Clayton-Thomas engagierte Sänger Jerry Fisher zunächst noch wie ein Garant für die plakatierte Verbindung von Rock und Jazz gewirkt, so taumelte die Band später zwischen Soul, Philly Sound, Pop und – als Clayton-Thomas nach mehr oder weniger erfolgloser Solokarriere wieder an das Mikrophon trat – erneut Rhythm ´n´ Blues. 1974 war außer Colomby keines der Gründungsmitglieder mehr dabei und als auch er ging, bestand die Band aus Clayton-Thomas – der die Rechte an dem Namen besaß – und für Plattenaufnahmen und Tourneen hinzuengagierten Studiomusikern. Das Publikum hatte längst das Interesse an der Band verloren, die dennoch in den 1980er- und 1990er-Jahren immer wieder mal die Bühne betrat. Ab 2005 trat der Rocksänger Chuck Negron, früher bei Three Dog Night, gelegentlich mit einer Bläsergruppe unter dem Namen auf, gehörte aber 2008 bereits nicht mehr zur Band – B, S & T wurde mit Steve Katz wieder von einem Gründungsmitglied angeführt.

Als Blood Sweat & Tears erstmals ins Horn stießen, war der Klang für das Rockpublikum neu und aufregend. Zwar gab es schon Chicago, doch waren diese mehr dem schwarzen Rhythm `n´ Blues zugeneigt; Gitarrenbands mit Bläsern – ein oder zwei Trompeten, ein oder zwei Saxophone – waren nicht etwas wirklich Neues und im Soul obligat – Chicago hat immer wieder sich etwa von der Begleitband James Browns inspirieren lassen –, doch die artifizielle Musik, die Kooper vorstellte, ging über einen bloßen rhythmischen und optischen Effekt hinaus. Er spielte mit den Klangfarben der Blasinstrumente und deutete den Jazz nur an, ohne das Publikum direkt mit dieser Musik zu konfrontieren. Mit der zweiten, der dritten und der vierten LP – diese drei Platten bilden den Kern dessen, was Blood Sweat & Tears eigentlich war – veränderte sich das Bild. Rock schob sich in den Vordergrund und manchmal gab es etwas Kitsch und Sentiment; im Konzert dagegen spielte der Jazz eine weit größere Rolle. Bei Blood Sweat & Tears hat eine Reihe von später erfolg- und einflussreichen Jazzmusikern gespielt: Randy Brecker, Lew Soloff, Dave Bargeron, Lou Marini Jr., Tom Malone, Jaco Pastorius, Steve Khan, Larry Willis und Mike Stern sind die bekanntesten.

Der Erfolg der Band rief zahlreiche Nachahmer auf den Plan: Dreams, Tower of Power, Lighthouse, Ten Wheel Drive, Chase, JJ Band, If, die deutschen Messengers, selbst das United Jazz und Rock Ensemble um den deutschen Pianisten Wolfgang Dauner können dazu gezählt werden. Der Klang der Verbindung von Blech- und Holzbläsern und einer Gitarrenband ist längst ein Topos in der Rockmusik geworden und wird in beinahe jeder Stilrichtung immer wieder mal eingesetzt.

Auszeichnungen

1970 Grammy in zwei Kategorien

Diskografie

Child is father to the man (1968)
Blood Sweat & Tears (1969)
Blood Sweat & Tears 3 (1970)
The owl and the pussy cat (1970; Soundtrack)
Blood Sweat & Tears 4 (1971)
New blood (1972)
No sweat (1973)
Mirror image (1974)
New city (1975)
More than ever (1976)
In Concert (1976)
Brand new day (1977)
Nuclear blues (1980)
Latin fire (1985; Aufnahmen von 1980/81)
Live and improvised (1991; Aufnahmen von 1975)
Live (1994; Aufnahmen vn 1980)

Weblinks

http://www.bloodsweatandtears.com (Offizielle Website der amerikanischenn Rockband Blood Sweat & Tears)

http://www.classicwebs.com/bs&t.htm (Website zu den Mitgliedern der amerikanischen Rockband Blood Sweat & Tears)