Lady June

Lady June, eigentlich June Campbell Carter, englische Malerin, Dichterin und Sängerin, * Doncaster, Yorkshire 3.6. 1931, † Deià (Mallorca) 7.6. 1999

June Campbell Carter, Tochter eines Schotten und einer Russin, wuchs in Plymouth auf, bevor ihre Eltern mit ihr in den 1940er-Jahren nach Mallorca wechselten. Ihr Vater, der mit modischer Kleidung handelte, ließ die Halbwüchsige als Model arbeiten. In den 1950er-Jahren kehrte June Campbell Carter nach London zurück. Sie nahm ein Kunststudium auf, arbeitete aber auch in London weiterhin als Model. Anfang der 1960er-Jahre zog es sie wieder auch Mallorca, wo sie in der Nähe von Palma lebte und dort auf die Musiker Daevid Allen und Kevin Ayers traf. Sie gab sich den Künstlernamen June Onion und bestritt ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Bilder. Ende der 1960er-Jahre lebte sie wieder in London, wo ihre Wohnung zu einer Art Salon für die Pop-Szene der Stadt wurde. Anlässlich des Geburtstages der Sängerin Gilli Smyth, Lebensgefährtin Allens, gab sie 1973 in ihrer Wohnung eine Party, in deren Verlauf Robert Wyatt, Schlagzeuger von Soft Machine, aus einem im zweiten Stock gelegenen Fenster fiel und sich das Rückgrat brach; Wyatt überlebte den Sturz, ist seitdem aber querschnittsgelähmt.

Seit Beginn der 1970er-Jahre betätigte sich June Campbell Carter als Performanc-Künstlerin und präsentierte bei ihren Auftritten ihre Malerei und ihre Gedichte, häufig umrahmt von Musik. Mit Kevin Ayers, Brian Eno und Pip Pyle produzierte sie in einer Art Home-Recording-Session ihr erstes Album, »Lady June’s Linguistic Leprosy« (1974), eine wilde Mischung von surrealen Texten, die Campbell Carter zur Musik von Eno, Pyle und Allen vortrug.

June Campbell Carter blieb den Musikern des Canterbury Rocks zwar auch weiterhin verbunden, trat selbst auch hin und wieder als Sängerin ihrer Gedichte auf, zog sich aber immer wieder nach Deià zurück. 1996 nahm sie mit einigen Musikern von Gong und dem Saxophonisten Lol Coxhill ein weiteres Album auf, das unter dem Titel »Lady June’s Hit and Myth« veröffentlicht wurde. Ihr Tod 1999 beendete abrupt die Arbeit an ihrem Projekt »Rebela«, für das der Gitarrist Mark Hewins die Musik schrieb und das er bei einer eventuellen Aufführung leiten sollte; beteiligt an »Rebela« waren auch andere Musiker des Canterbury Rock.

Diskografie

Lady June’s Linguistic Leprosy (1974)
Lady June’s Hit and Myth (1996)