Henry Cow

Henry Cow, britische Rockgruppe, 1968 von Fred Frith (* 1949; voc, g, p), Tim Hodgkinson (* 1949; sax, cl), Chris Cutler (* 1947; dr) und John Greaves (* 1950; bg) in Cambridge gegründet; der gelegentlich zu findende Hinwies, der Name der Band ginge auf den des amerikanischen Komponisten Henry Cowell (* 1897, † 1965) zurück, entspricht nach Aussage der Bandmitglieder nicht den Tatsachen.

Bandbiografie

Die Studenten Tim Hodgkinson und Fred Frith hatten gemeinsam mit Cutler und Greaves die Band zunächst als Freizeitbeschäftigung gegründet; wenig später stieß der Saxofonist Geoff Leigh zur Gruppe. Mehr scherzhaft hatten die Musiker ihre Band Henry Cow genannt. Entsprechend ihrer dezidiert linken politischen Einstellung sollte es bei einem Freizeitvergnügen bleiben, doch änderten sie ihre Haltung und unterschrieben 1973 bei Richard Bransons Label Virgin Records einen Schallplattenvertrag. Branson hatte mit Mike Oldfields Album »Tubular Bells« (1973) gerade sehr viel Geld in der Kasse und war auf der Suche nach Bands. Der Band aus Cambridge machte er keinerlei Auflagen, sondern ließ ihr völlig freie Hand. Noch im selben Jahr veröffentlichten die Musiker »Legends«, ein Album, dass die seinerzeit gängigen Grenzen von Rockmusik erheblich ausweitete: Neben gängigen Rockschemata standen frei improvisierte Passagen, durchsetzt von Bruchstücken ironisch parodierter Kunstmusik.
Beim Publikum fand dieses LP wie auch das 1974 folgende Album »Unrest« allerdings keinen Anklang. Leigh hatte zu diesem Zeitpunkt die Band bereits verlassen; an seine Stelle war die Fagottistin Lindsay Cooper (* 1951) getreten. Mit dem in der Rockmusik nicht gerade üblichen Instrument bereicherte die virtuose Musikerin die Klangfarbenpalette des Gruppenklangs durchaus, pochte aber ebenso auf die Unabhängigkeit ihrer Musik wie die anderen Musiker Henry Cows. Branson verlor die Geduld und entließ Henry Cow aus dem Vertrag, ließ die Band 1976 aber noch auf einem Unterlabel von Virgin eine Live-Platte veröffentlichen. Die Musiker nahmen dann ihre Geschäfte selbst in die Hand und hofften, allein mit dem Veranstalten von Konzerten ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können; entsprechend ihrer politischen Einstellung erhielt jedes Bandmitglied, aber auch jeder Roadie den gleichen Lohn.
In dieser Situation tat sich die Band mit dem musikalisch ähnlich ambitionierten Trio Slapp Happy zusammen; zu Slapp Happy gehörte die deutsche Sängerin Dagmar Krause, die in den 1960er-Jahren in der Hamburger Gruppe The City Preachers gesungen hatte. Unter der Bezeichnung Henry Cow/Slapp Happy veröffentlichte die Formation 1975 »Desperate Straights«. Im Gegenzug beteiligten sich die Musiker von Slapp Happy – Dagmar Krause, Anthony Moore und Peter Blegvad – an der Produktion der dritten LP von Henry Cow. Zwar gewann die Musik der nun recht großen Band zumal durch den Gesang von Dagmar Krause, doch stieß auch »In Praise of Learning« (1975) nicht auf das Interesse des Publikums. Die Musiker fassten daraufhin den Entschluss, noch eine LP unter dem Namen Henry Cow zu veröffentlichen; »Western Culture« erschien erst 1979. Mittlerweile hatten die Musiker Henry Cow aufgelöst und in gleicher Besetzung die Formation Art Bears gegründet.
Henry Cow wird zu der so genannten ↑Canterbury-Scene gezählt, einer spezifisch britischen Ausprägung des Jazzrocks. Mit dem Jazzrock amerikanischer Prägung etwa der Art Miles Davis’ hat dieser Jazzrock fast nichts zu tun, spielt doch der Blues keine Rolle; auch ist die Musik nicht an Riffs gebunden und auf elektrische oder elektrifizierte Instrumente fixiert. Bei Henry Cow stand der spielerische, immer wieder auch ironische Umgang mit dem musikalischen Material im Zentrum des Interesses der Musiker. Selbst das Tabu der Rock- und Popmusik, die Tonalität, stellten sie in Frage und verließen sie zuweilen zugunsten einer unbestimmten, schwebenden Tonalität. Die Ergebnisse dieser künstlerischen Freiheit allerdings wurden vom Publikum nicht beachtet, so dass die Auflösung der Band unumgänglich wurde. Die Nachwirkung der Musik Henry Cows allerdings war erheblich und zeigte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren selbst im amerikanischen Jazz. Henry Cow ihrerseits ist in die Rockgeschichte eingegangen – und sei es lediglich als »die Band mit der Socke«: Ihre ersten drei LPs zeigen in wechselnder Farbstellung lediglich die Abbildung einer Socke auf dem Cover.



Diskografie

Legend (1973)
Unrest (1974)
In praise of learning (1975)
Concerts (1976)
Western Culture (1979)



Stichwort

Art Bears