Isotope

Isotope, britische Jazzrock-Band, 1972, nach anderen Quellen 1973, von dem Gitarristen Gary Boyle (* 1941) in London gegründet; die Band ist nicht zu verwechseln mit diversen anderen, später gegründeten Formationen gleichen Namens.

Gary Boyle hatte sich nach einem Studium am College of Music in Leeds der Folkrock-Band Eclection angeschlossen, wurde später von der Sängerin Dusty Springfield für ihre Begleitband engagiert und wurde dann Mitglied der Formation Brian Auger and the Trinity. Anfang der 1970er-Jahre arbeitete er mit den Jazz-Musikern Keith Tippett, Mike Gibbs und Mike Westbrook zusammen. Er gehörte ebenso zu Stomu Yamash’tas Band East Wind, wie er mit der Jazz-Sängerin Norma Winstone und dem Folk-Gitarristen Bernd Jansch auftrat.
1972 wandte er sich verstärkt dem Jazzrock zu und gründete mit dem Keyboard-Spieler Brian Miller, dem Bassisten Jeff Clyne und dem Schlagzeuger Nigel Morris seine Band Isotope; für kurze Zeit gehörten auch der Saxophonist Stan Sulzman und der Perkussionist Aureo de Souza zu der Band. Ohne Sulzman und de Souza wurde 1973 die erste LP der Gruppe eingespielt. Doch schon im folgenden Jahr verließen Clyne und Miller Boyles Band und mussten durch den Bassisten Hugh Hopper und den Keyboard-Spieler Laurence Scott ersetzt werden. Hatte Miller noch den größten Teil der auf der ersten LP präsentierten Kompositionen verfasst, so entstand »Illusion« (1974) weit mehr in der Gruppe selbst. Konstant blieb aber auch diese Besetzung nicht: Morris wurde bei den Tourneen durch den Schlagzeuger Jeff Seopardie ersetzt, 1975 kam Frank Roberts für Scott, dann ging auch Hopper und spielte nur noch für ein einziges der für das dritte Album vorgesehenen Stücke Bass. Dan K. Brown übernahm das tieftönende Instrument, zusätzlich holte Boyle den Perkussionisten Morris Pert, später unter anderem bei Brand X, und schließlich wurde die Band 1976 mit der Pianistin Zoë Kronberger verstärkt. Dennoch setzte 1977 der Schwanengesang für Isotope ein: Von allen bei den Aufnahmen zu »Deep End« (1976) beteiligten Musikern verlassen, besetzte Boyle seine Band mit dem Bassisten Steve Shone, dem Schlagzeuger Colin Wilkinson und dem Keyboard-Spieler Geoff Downes noch einmal neu. Diese Formation brachte es aber nur noch zu einigen Auftritten im Rundfunk, so dass Boyle Isotope endgültig auflöste und eine Karriere als Solo-Musiker einschlug.
Isotope gehört eigentlich nur zum weiteren Umfeld des Canterbury Rocks, weil für einige Zeit Hugh Hopper Mitglied der Band war. Bemerkenswert ist es natürlich, dass Geoff Downes in Boyles Band Mitglied war, denn Isotope war sicherlich keine Progressive-Rock-Band und hatte auch nichts mit dem Pop im Sinne, den Downes kurze Zeit später mit The Buggles präsentierte. Vielmehr fiel Isotope »zwischen die Zeiten«: Zur Zeit ihrer Gründung war die Band noch Teil des spezifisch britischen Jazzrocks, spielte aber für die Rockmusik, insbesondere den Progressive Rock jener Zeit Anfang und Mitte der 1970er-Jahre keine Rolle, und in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre nahm instrumentaler Jazzrock nur noch eine Nische ein, zumal Boyle mit Isotope zunehmend dem »reinen« Jazz zuneigte.


Diskografie

Isotope (1974)
Illusion (1974)
Deep End (1974)
Live at the BBC (2004; Aufnahmen von 1973 und 1974)
Golden Section (2004; Aufnahmen von 1973 und 1974)