Lindsay Cooper

Cooper, Lindsay, * Hornsey, North London 3.3. 1951, † 18.9. 2013, englische Jazz- und Rockmusikerin (Komposition, Fagott, Oboe, Querflöte, Sopransaxophon)

Lindsay Cooper erhielt bereits als Kind eine musikalische Ausbildung, lernte zunächst Klavier, wechselte dann zum Fagott und nahm in den 1960er-Jahren ein Musikstudium am Dartington College of Arts und am Royal College of Music mit dem Hauptfach Fagott auf. In diesen Jahren war sie auch Mitglied im National Youth Orchestra of Great Britain und der Royal Academy of Music in London. Ende der 1960er-Jahre hielt sie sich ein Jahr in New York auf.
Ihre Erfahrungen im Musikleben in der Stadt führten nach Lindsay Coopers Rückkehr nach London 1971 zu einer neuen Ausrichtung ihrer Karriere: Sie schloss sich der Band Comus an, einer Band, die im Spannungsfeld von Progressive Rock und Folk ihren Weg suchte. Cooper blieb zwar nur ein Jahr bei Comus, bestärkten sie aber in ihrer die Entscheidung, in avancierter Rockmusik ihre Zukunft zu suchen. So arbeitete sie zunächst als Studiomusikerin. Bei einem dieser Engagements lernte sie die Musiker der Band Henry Cow kennen. Als Geoff Leigh, Saxophonist der Band, Henry Cow im Jahre 1973 verließ, erhielt sie das Angebot, seinen Platz einzunehmen. Das erste Album der Gruppe, an dem Cooper mitwirkte, war »Unrest« (1974). Die Fagottistin blieb – mit einer Unterbrechung von 1974 bis 1975 – bis zur Auflösung von Henry Cow im Jahr1978. Im Laufe der Jahre hatte sie zunehmend auch Eigenes auf den Platten der Band unterbringen können, bei »Western Culture« (1978) nahmen ihre Kompositionen die gesamte zweite Seite der LP ein. Längst war sie eine feste Größe im Jazz Großbritanniens und zumal im Canterbury-Rock geworden. Sie spielte in Mike Westbrooks Orchester, wurde Mitglied von National Health – die Band gilt als Super Group des Canterbury Rocks – und gründete mit der Sängerin und Komponistin Sally Potter, der Sängerin Maggie Nicols, der Cellistin und Bassistin Georgie Born und der Pianistin Irène Schweizer die Feminist Improvising Group. Um ihre Kompositionen für Filme adäquat einspielen zu können, rief sie 1982 außerdem The Lindsay Cooper Film Music Orchestra ins Leben. Immer wieder kam sie mit einzelnen Musikern von Henry Cow zusammen, gründete 1983 mit Cutler die Formation News from Babel, brachte in dieser Konstellation zwei Alben heraus – »Work Resumed on the Tower« (1984) und »Letters Home« (1986). Mit Cutler schloss sie sich The Pedestrians an, einer Band des amerikanischen Sängers David Thomas, Kopf der Gruppe Pere Ubu.
Spätestens ab Mitte der 1980er-Jahre auch widmete sich Lindsay Cooper zunehmend ihren eigenen musikalischen Vorhaben, nach wie vor wurde sie von anderen Musikern für deren Produktionen gerufen, nun aber rief sie. 1987 präsentierte Cooper den Zyklus »Oh Moscow«; sie hatte die Musik, Sally Potter den Text geschrieben. Das Werk, in dem es um die Teilung Europas durch den Kalten Krieg geht, führte sie in Europa – auch in Moskau – und den USA auf. Erst Ende 1989 wurde »Oh Moscow« mit Sally Potter, Alfred Harth, Hugh Hopper, Marilyn Mazur und Phil Minton als Konzertmitschnitt aufgenommen, noch später, 1991, erst veröffentlicht.
Im Laufe der Jahre ihrer Karriere, auch unter dem Eindruck ihrer Zeit bei Henry Cow, hatte sie ihr instrumentales Spektrum kontinuierlich erweitert. Zum Fagott waren zunächst Oboe und Querflöte gekommen, dann griff sie auch zum Sopran- und zum Sopraninosaxophon ein, gelegentlich auch zur Blockflöten. Ebenso setzte sie elektronische Gerätschaften ein. Gleichzeitig verschob sich ihr Interesse an der Musik ein wenig, Rock spielte eine nur noch untergeordnete Rolle, Jazz und Neue Musik standen im Vordergrund. Sie komponierte für Filme, für Instrumentalgruppen wie das Rova Saxophone Quartet und selbst für Tanzgruppen, trat allein auf wie auch in Orchestern, etwa als Mitglied des von John Wolf Brennan geleiteten Creative Works Orchestra und mit dem Orchester der Oper in Bologna – mit ihm führte sie 1992 ihre »Songs for Bassoon and Orchestra« auf.
Ende der 1970er-Jahre war bei ihr Multiple Sklerose diagnostiziert, sie hatte dies aber nicht öffentlich gemacht, sondern weiter das anstrengende Leben eines konzertierenden Musikers geführt. Ende der 1990er-Jahre ließ die Krankheit dies nicht mehr zu.


Diskografie

Rags (1981)
The Golddiggers (1983; Soundtrack)
Music for Other Occasions (1986)
Oh Moscow (1991)
An Angel on the Bridge (1991)
Schroedinger’s Cat (1991)
Sahara Dust (1993)
A View from the Bridge (1998)

Mit Comus

To Keep from Crying (1974)

Mit Mike Oldfield

Hergest Ridge (1974)

Mit Mike Westbrook

The Cortege (1982)
Westbrook-Rossini (1987)
Westbrook-Rossini Zürich Live (1994)

Mit Chris Cutler, Bill Gilonis, Tim Hodgkinson und Robert Wyatt

The Last Nightingale (1984)

Mit News from Babel

Work Resumed in the Tower (1984)
Letters Home (1986)

mit David Thomas and the Pedestrians

Winter Comes Home (1983)
Variations on a Theme (1983)
More Places Forever (1985)

Weitere mit Egg, Slapp Happy/HenryCow, Steve Hillage, Hatfield and the North, Art Bears, Dagmar Krause, Anthony Phillips, John Wolf Brennan, Sally Potter und Tim Hodgkinson


Weblinks

http://lindsaycooper.fanspace.com/about.html (Fan-Website mit ausführlicher Diskographie)