Phil Miller

Miller, Phil, eigentlich Philip Adam, englischer Gitarrist, * Barnet, Hertfordshire, 22.1. 1949

Phil Miller erhielt seine erste Gitarre im Alter von acht Jahren, nahm aber zunächst wenig Notiz von dem Instrument. Erst im Alter von 15 Jahren entwickelte sich sein Interesse an der Gitarre und er brachte sich das Spiel des Instrumentes selbst bei. Mit seinem Bruder Steve, der Klavier spielte, gründete er 1966 seine erste Band, Delivery. Zu Delivery gehörten außer den Miller-Brüdern der Schlagzeuger Pip Pyle und der Bassist Jack Monck. Steve Miller, der als Blues-Pianist bereits ein gewisses Renomme in London hatte, konnte den ihm bekannten Saxophonisten Lol Coxhill überreden, ebenfalls Mitglied der Band zu werden. 1969 ersetzte Roy Babbington Monck, wenig später wurde Carol Girmes Sängerin der Band. Als die Gruppe bei B&C Records 1970 das Album »Fool’s Meeting« veröffentlichen konnte, geschah dies unter dem Namen Carol Grimes & Delivery. Die Bluesband, die Delivery war, hatte einen guten Ruf und wurde oft auch als Begleit-Band engagiert, wenn US-amerikanische Bluesmusiker wie Lowell Fulson, Eddie Boyd oder Otis Span in London gastierten. Zu dieser Zeit, 1969, begann Miller eigene Songs zu schreiben, von denen auf »Fool’s Meeting« einige zu finden sind.
Die Tage von Delivery waren allerdings 1970 gezählt: Pyle wechselte zu Gong, der Band von Daevid Allen, Babbington ging zu Ian Carrs Gruppe Nucleus. Auch Carol Grimes verließ die Band und wurde durch die Folk-Sängerin Judy Dyble; vorher bei Fairport Convention, ersetzt. Des wiederum zog eine Änderung des namens nach sich, fortan nannten die Miller-Brüder ihre Formation DC & MB – Dyble/Coxhill & Miller Brothers. Zwar konnte die Band in dieser Besetzung noch eine Tournee durch Großbritannien und die Niederlande absolvieren, als Phil Miller sich aber Robert Wyatts Band Matching Mole anschloss, zerfiel auch diese Band.
Mit Matching Mole war Miller an deren zwei LPs beteiligt, nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Komponist. Seine Songs »God Song«, »Righteous Rhumba« und »NanTure’s Hole«, mit dne Alben von Matching Mole veröffentlicht, gehörten später auch zum Repertoire von Hatfield and the North. Bereits während der Aufnahmen zu »Little Red Record« von Matching Mole, hatte Miller mit seinem Bruder, dem Bassisten Richard Sinclair, zuvor bei Caravan, und Pip Pyle, der Gong verlassen, sich verständigt, eine neue Band zu gründen, die wieder den Namen Delivery erhielt. Aus dieser Band entstand Hatfield and the North, nachdem Steve Miller erst durch Alan Gowen, dieser durch Dave Sinclair und dieser 1973 dann durch Dave Stewart ersetzt worden war.
Stewart und Gowen hatten anlässlich eines Konzerts von Hatfield and the North und Gilgamesh die Idee, eine gemeinsame Band in Form eines Doppelquartetts zu gründen. Zwar konnte dieser Plan nicht exakt realisiert werden, doch entstand 1973 aus diesem Gedankenspiel die Band National Health, die bis 1980 bestand.
Nach dem Bruch von National Health spielte Phil Miller mal im Duo mit dem Gitarristen Phil Lee, mal im Trio mit Bruder Steve und Coxhill. 1982 dann gründete er seine Band In Cahoots, der seitdem sein hauptsächliches Interesse gilt. Daneben kam es immer wieder mal zu Begegnungen mit den Weggefährten vergangener Tage, und mit dem Bassisten und Gitarristen Fred Baker gründete er ein Duo, in dem Baker ebenfalls Gitarre spielt. 1991 spielte er mit Hugh Hopper, Didier Malherbe und Pip Pyle gemeinsam in der Formation Short Wave.
Phil Miller ist der »typische« Musiker des Canterbury Rocks: Er stammt nicht aus Canterbury, kam über die britische Blues-Bewegung der 1960er-Jahre zur Musik, spielte dann aber in den bedeutenden Bands der zweiten Generation des Canterbury Rocks: Matching Mole, Hatfield and the North, National Health, also die Bands, die den spezifischen Klang dieser Musik ausformulierten. Wie anderen Musikern des Canterbury Rocks, etwa Peter Blegvad oder selbst Dave Stewart, schien ihm die Musik dieser Strömung der britischen Rockmusik schließlich allzu elaboriert und er wandte sich einfacheren Strukturen zu, in denen er sich auch als Komponist wieder heimisch fühlte. Mit seiner Band in Cahoots hat er diese Balance zwischen Jazz und Rock wieder gefunden.


Diskografie

Solo

Cutting Both Ways (1987)
Split Seconds (1988)
Diggin In (1991)

Mit Lol Coxhill

Miller/Coxhill (1973)

Mit Alan Gowen, Richard Sinclair, Trevor Tomkins

Before A Word Is Said (1982)

Mit Frank Wuyts und Geoff Leigh

From Here To Drums (1988)

Mit Fred Baker

Double Up (1992)

Mit Short Wave

Short Wave Live (1993)

Mit Hugh Hopper

Unsettled Scores (1995)

Mit Pip Pyle

Seven Years Itch (1998)

Mit Mark Hewins

Rebela (1999)


Weblink

http://philmillerincahoots.com (Offizielle Website des britischen Gitarristen Phil Miller)