Roy Babbington

Babbington, Roy, britischer Jazz- und Rockbassist, * Kempston, Bedfordshire, England, 8.7. 1940

Babbington erlernte als Jugendlicher das Spiel des Kontrabasses autodidaktisch und begann im Alter von 18 Jahren das Instrument in verschiedenen Jazzformationen seiner Heimatstadt zu spielen. Erst Jahre später, 1969,wechselte er nach London und schloss sich der Gruppe Delivery an, eine Band, die zum näheren Umfeld des Canterbury Rocks gezählt wird. In dieser Band traf er auf Musiker wie den Phil Miller, Pip Pyle und Lol Coxhill, die im später britischen Jazz beziehungsweise in den Bands der Canterbury Scene bedeutende Rollen spielten. Danben arbeitet er im gleichen musikalischen Umfeld als Studiomusiker, etwa für den Pianisten und Posaunisten Michael Gibbs, den Pianisten Keith Tippett, in dessen Gruppe seinerzeit der Saxophonist Elton Dean spielte. Auch in Tippetts Big Band Centipede spielte Babbington zeitweise Bass. Als Studiomusiker arbeitete er an Produktionen von Alexis Korer, Harvey Andrews, Mike d’Abo, Chris Spedding und den Bands Solid Gold Cadillac und Ovary Lodge mit. Obligat wurde er gerufen,wenn amerikanische Jazzmusiker auf Tournee in Großbritannien waren und für ihre Konzerte einen Bassisten suchten. Ebenso war Babbington die erste Wahl für Produktionen des National Theatre.
Als Delivery sich 1971 auflöste übernahm er in Ian Carrs Jazzrock-Gruppe Nucleus die gerade vakante Position des Bassisten. Nucleus wird zwar nicht zum engeren Kreis der Canterbury-Bands gerechnet, in dieser Formation spielten über die Jahre aber Musiker wie der Holzbläser Karl Jenkins, der Schlagzeuger John Marshall, der Keyboardspieler Dave MacRae und der Gitarrist Allan Holdsworth, allesamt zu verschiedenen Zeiten auch Mitglied einiger Canterbury-Bands.
Eng verbunden mit Centipede war Soft Machine. Babbington wurde von Soft Machine engagiert, um hier und da den Klang seines Kontrabasses zu den Kompositionen der Band beizusteuern, und als der Bassist Hugh Hopper Soft Machine 1973 verließ, übernahm Babbington seinen Platz, dabei vom Kontrabass zur elektrischen Bassgitarre wechselnd; typisch war die Art,wie er das Instrument in den Händen hielt: fast senkrecht, der Spielweise eines Kontrabasses so weit wie möglich nahe kommend. Mit John Marshall, seinerzeit Drummer bei Soft Machine, bildete er eine kompakte Rhythm Section, beide führten im Verein mit Karl Jenkins Soft Machine aus dem versponnenen Jazz und Rock der ersten Jahre der Band heraus, ohne dass sie dadurch zum Epigonen des US-amerikanischen Jazzrocks der Prägung Miles Davis‘ wurde.
Babbington verließ Soft Machine 1976, blieb aber sowohl im Jazz wie im ambitionierten Rock Großbritanniens eine feste Größe, wurde etwa von der Saxophonistin Barbara Thompson für ihre verschiedenen Bands engagiert, von Mose Allison, Carol Grimes und Stan Tracey, spielte im BBC Radio Orchestra, aber auch für die Produktionen von Pop- und Rockinterpreten wie Judie Tzuke und Elvis Costello. Im Laufe der Jahre zog er sich auf die reine Lehre des Jazz seiner Anfangsjahre zurück, griff wieder häufiger zum Kontrabass und störte sich auch nicht an seinem Spitznamen »The Jazz Handbrake«. Als Hugh Hopper schwer erkrankte, sprang Babbington für ihn bei The Soft Machine Legacy ein und blieb der Formation auch nach Hoppers Tod 2009 verbunden.