Van der Graaf Generator

Stichworte Charisma Records | King Crimson | Querflöte | Canterbury-Scene



Van der Graaf Generator, britische Progressive Rockband um den Sänger, Gitarristen, Komponisten und Texter Peter Joseph Andrew Hammill (* 1948); der Name, von einem früheren Bandmitglied vorgeschlagen, bezieht sich auf den nach dem holländischen Physiker R. Van de Graff konstruierten Hochspannungsgenerator.

Bandbiografie

Hammill gründete seine erste Band 1967 noch als Student der Manchester University. Gemeinsam mit dem Organisten Nick Pearne und dem Schlagzeuger Chris Judge bildete er die erste Formation, die sich nach einem Vorschlag von Smith Van der Graff Generator nannte. Als die Gruppe ihre Musik, eine Mischung von Jazz und Rock, einigen Vertretern der Plattenfirma Mercury Records demonstrierte, erhielten die Musiker wenig später einen Vertrag bei der Firma. Hammill besetzte die Band bald um. Als Van der Graaf Generator 1968 erste Aufnahmen für Mercury produzierte, gehörten neben Hammill der Organist Hugh Robert Banton (* 1949), der Bassist Keith Ian Ellis und der Schlagzeuger Guy Evans (* 1947). Smith und Pearne, Mitunterzeichner des Mercury-Vertrages, hatten die Band verlassen, was zur Folge hatte, dass Mercury, um juristischen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen, die schon veröffentlichte Single »People You were going to« wieder vom Markt nahm. Die Querelen um den Vertrag führten dann zur De-Jure-Auflösung der Band, doch verpflichtete Hammill, der den Vertrag als allein verbliebener Unterzeichner erfüllen musste, seine Bandkollegen als Studiomusiker. So erschien das erste Album der Band, »The Aerosol grey machine«, 1969 unter dem Namen der Band. Hammill hatte damit seiner Vertragspflicht Genüge getan und konnte für seine Musik ein neues Label suchen, das er in Charisma Records auch schnell fand – Van der Graaf war der erste Vertragspartner des kurz zuvor ins Leben gerufenen Labels.
Die bei Charisma veröffentlichten LPs stellen die Klassiker der Band dar: »The last we can do is wave to each other« (1970), »H to he, who am the onlyone« (1970) und »Pawn hearts« (1971). Mit diesen Alben verschaffte sich die Band Anfang der 1970er-Jahre eine singuläre Stellung innerhalb der britischen Rockmusik, allenfalls mit der King Crimsons vergleichbar. King Crimsons Oberhaupt Robert Fripp war dann auch einige Male an Produktionen Hammills beteiligt. Ellis hatte die Band bereits vor den Aufnahmen zur zweiten LP verlassen und war durch den Bassisten Nic Potter (*1951, †2012) ersetzt worden. Mit David Jackson war ein Saxofonist und Flötist in die Band gekommen. Diese Besetzung gilt als die »klassische« Besetzung Van der Graaf Generators.
1972 löste Hammill die Band auf, doch blieben ihm die Musiker verbunden und beteiligten sich an Hammills Solo-Alben. Die Grenzen zwischen den Alben Hammills und den Platten von Van der Graaf Generator verschwammen, zumal Hammill von 1975 die Band wieder belebte, 1978 erneut auflöste und sie 2005 erneut reanimierte, wenn auch stets mit kleineren Um- und Neubesetzungen. 2009 gehörten Hammill, Banton und Evans zu Van der Graaf Generator.
Van der Graaf Generator wird zwar zum engeren Kreis des britischen Progressive Rock gezählt, nimmt hier aber eine Außenseiter-Stellung ein. Die Ursache ist wohl nur zum Teil in der kaum zu übersehenen Individualität Peter Hammills zu suchen, sondern vor allem in der Musik der Band wie auch in der Musik Hammills. Es handelt sich um eine Mischung von Rock und Jazz, auch unterbrochen von Free-Jazz-Ausbrüchen, wiewohl Hammill Kontakt weder zur britischen Blues-Gemeinde noch etwa zu den Musikern der Canterbury-Scene suchte. Allenfalls in Robert Fripp fand er einen Bruder im Geiste. Im Zentrum aber steht Hammills völlig eigenständiger Gesang, der eben gängige Erwartungen an Gesang in der Rockmusik nicht erfüllt.



Diskografie

The aerosol grey machine (1969)
The least we can do is wave to each other (1970)
H to he, who am the only one (1970)
Pawn hearts (1971)
Godbluff (1975)
Still life (1976)
World record (1976)
The quiet zone/The pleasure dome (1977)
Vital (1978)
Time vaults (1982; Aufnahmen von 1972-1975)
Maida vale (1994)
Present (2005)
Real time (2007; Konzertaufnahmen von 2005)
Trisector (2008)



Weblink

http://www.sofasound.com (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Peter Hammill)