Amiga

Amiga, deutsches Schallplatten-Label; unter dem in der DDR beheimateten Label wurde so genannte Unterhaltungsmusik jeglicher Art, also auch Jazz sowie Pop- und Rockmusik veröffentlicht. Amiga war das einzige Label der DDR, das Rock und Pop produzierte.

Der Sänger, Schauspieler und Regisseur Ernst Busch (* 1900, † 1980) hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Lieder der deutschen Arbeiterbewegung gesammelt. 1946 erhielt er die Erlaubnis der sowjetischen Militär-Regierung im Ostteil Berlins, unter dem Namen »Lied der Zeit Schallplatten-Gesellschaft mbH« eine Schallplattenfirma zu gründen. Busch richtete drei Label ein, von denen Lied der Zeit sich der Veröffentlichung von Liedern widmete, Amiga der Tanzmusik und Eterna der traditionellen Kunstmusik. 1953 wurde Busch enteignet und seine Schallplattenfirma nach Abtrennung des Notenverlages als VEB Deutsche Schallplatten weiter betrieben; die VEB Deutsche Schallplatten war direkt dem DDR-Ministerium für Kultur unterstellt.
Der Zugang zu Veröffentlichungen auf Amiga war streng reglementiert. Die Möglichkeit, eine Platte aufzunehmen und zu veröffentlichen war also längst nicht jedem gestattet. Schlager einerseits, Rock- und Pop-Musik waren die größten Kontingente zugeteilt, Folk und Blues jeweils kleinere, während Lieder für Kinder und so genannte leichte Klassik eine untergeordnete Rolle spielten.
Amiga wurde in der Bundesrepublik Deutschland nicht selbst aktiv, sondern arbeitete mit der Teldec zusammen, die aber oft nicht die Platten in Originalgestalt übernahm, sondern meist aus mehreren Veröffentlichungen eines Musikers oder einer Band Zusammenstellungen für ihr Label Pool anfertigte. Originale Platten waren vor allem im Westteil der Stadt Berlin dennoch zu erhalten, gab es doch mehr oder weniger dunkle Kanäle, auf denen auch für westliche Hörer interessante Platten den Weg in die Stadt fanden.
Amiga seinerseits übernahm seit den 1970er-Jahren auch Aufnahmen aus dem kapitalistischen Ausland und veröffentlichte, teils in originaler Gestalt, vor allem aber in Zusammenstellungen. Die erste Lizenzplatte war eine 1965 veröffentlicht LP mit Songs von den Beatles; bis 1974 folgte jedes Jahr eine weitere, ab 1974 mehrere Platten mit West-Musik bei Amiga veröffentlicht wurden. Mit dem im Westen Berlins beheimateten Label Free Music Production – bei dem auch Produktionen von Künstlern aus der DDR veröffentlicht wurden –, herrschte ein reger Austausch. Über allem aber stand der Mangel, denn die Auflagen der Platten mit aus dem Westen lizenzierter Musik konnten die Nachfrage längst nicht befriedigen. Kritisch zu sehen ist die Methode der DDR-Behörden, die Gestaltung der Platten mit aus dem Westen importierter Musik gegebenenfalls zu verändern, wenn sie dem politischen Kalkül nicht entsprach.
Bei Amiga konnte, wie schon angedeutet, nicht jeder an einer Veröffentlichung seiner Musik interessierte Musiker, nicht jede Band eine Platte produzieren. So gibt der Katalog des Labels ein etwas schiefes Bild der Rock- und Pop-Musik der DDR ab. Bands wie Puhdys, Silly, Karat und City haben natürlich ihre Platten bei Amiga verlegen lassen können. Als weitere Musiker und Bands wären zu nennen: Amiga Blues Band, Bayon, Berluc, Holger Biege, Uschi Brüning und Günter Fischer Quintett, Kurt Demmler, Stefan Diestelmann Folkblues Band, Electra, Ute Freudenberg, Elefant, Engerling, Veronika Fischer, Karussell, Keks, Kreis, Reinhard Lakomy, Klaus Lenz Big Band, Magdeburg, Modern Soul Band, Neumis Rock Circus. Pankow, Pannach, Fuchs und Kunert, Panta Rhei, Peter & Paul, Prinzip, Reform, Klaus Renft Combo, Die Sputniks, Stern-Combo Meißen, Transit, Frank Schöbel und natürlich Die roten Gitarren, eine in der DDR sehr beliebte Band aus Polen.
Amiga überstand den politischen Umbruch 1989 und das Ende der Existenz der DDR zunächst, wurde aber 1994 von der damaligen Bertelsmann Music Group übernommen und gehört nunmehr zu Sony Musik Entertainment. Der Name der Marke bleib erhalten und für die Veröffentlichung der alten Aufnahmen – der Katalog der Amiga umfasst etwa 2200 LPs und 5000 Singles – weiterhin eingesetzt und auch für Neuproduktionen verwendet.

 

Literatur

Leitner, Olaf: Rockszene DDR – Aspekte einer Massenkultur im Sozialismus; Reinbek 1983
Rauhut, Birgit/Rauhut, Michael: Amiga. Die Diskographie aller Rock- und Pop-Produktionen 1964-1999; Berlin 1999
Brüll, Mathias: Jazz auf Amiga – Die Jazz-Schallplatten des Amiga-Labels von 1947 bis 1990; Berlin 2003

 

Weblink

http://www.amiga-music.de/neu/ (Offizielle Website des Schallplatten-Labels Amiga bei Sony Music Entertainment)