Brunswick Records

Brunswick Records, amerikanisches Schallplatten-Label, 1916 von der in Chicago ansässigen Brunswick-Balke-Collender-Company für die Produktion von Schallplatten eingerichtet; die Firma stellte unter anderem Phonographen her. Brunswick Records ist neben Motown und Stax/Volt eines der Labels, die maßgeblich den Soul der 1960er-Jahre forcierten und als Heimstatt des Chicago Soul gilt.

Brunswick produzierte Tonträger im Format der Edison Discs – relativ dicke Scheiben aus einem Verbundstoff von Holzmehl, später Kaolin, und Asphalt, überzogen mit Zelluloid – wechselte aber 1920 zu dem gängigeren Format der Victor-Platten, wenn die Firma auch weiterhin mit anderen Techniken experimentierte. Bereits Mitte der 1920er-Jahre gehörte Brunswick neben Victor und Columbia zu den größten Tonträger-Herstellern. Brunswick hatte kein eigentliches Programm, sondern veröffentlichte gleichermaßen im Bereich gängiger Popular Music – neben diversen Tanzorchestern stand etwa auch Al Jolson unter Vertrag bei der Firma – wie im Bereich der traditionellen Kunstmusik, so etwa Aufnahmen des New York String Quartet, des Cleveland Orchestras und des New York Philharmonic. Da die zu dieser Zeit von Brunswick noch favorisierte photoelektrische Aufnahmetechnik Resultate von sehr schwankender Qualität hervorbrachte, übernahm Brunswick europäische Aufnahmen in Lizenz.

In den 1920er-Jahren war Brunswick Records stark gewachsen, hatte 1924 das Label Vocalion übernommen, eine Dependance in New York gegründet und eine Reihe bedeutender Jazz-Musiker und -Formationen für das Label gewinnen können, darunter Fletcher Henderson, Duke Ellington, King Oliver und den Kornettisten und Bandleader Red Nichols. Auf einem der damals noch üblichen Race-Labels – Musik, die für Käufer dunkler Hautfarbe gedacht war – wurden Blues, Gospel und vereinzelte Jazz-Aufnahmen veröffentlicht.

1930 verkaufte die Brunswick-Balke-Collender-Company das Label an Warner. Warner hatte sich in den Anfängen des Tonfilms für ein Tonsystem entschieden, bei dem der Ton parallel zum Film von Platten abgespielt wurde, das so genannte Vitaphon-System. So wurden bei Brunswick unter Warner auch Aufnahmen von Schauspielern verlegt, darunter etwa auch von Bing Crosby, seinerzeit einer der erfolgreichsten Crooner. Die Weltwirtschaftskrise machte Warner allerdings einen Strich durch die Rechnung, so dass der Filmkonzern Brunswick an die American Record Coporation (ARC) zur Pacht überließ, wenn auch nur für wenige Jahre: 1939 wurde das Label an Columbia Broadcasting System (CBS) verkauft. Damit waren die Turbulenzen für Brunswick Records nicht beendet, denn bereits 1940 stellte CBS dessen Tätigkeit ein.

Bereits 1934 hatte die britische Decca den britischen Zweig des Brunswick Labels übernommen, 1943 gingen die Rechte der Firma mitsamt Namen komplett an Decca. Bei Decca hatte das Label zunächst kein eigenes Programm, sondern wurde für die Veröffentlichung amerikanischer Aufnahmen in Großbritannien genutzt. Erst ab 1952, unter dem Dach von Deccas Label Coral Records, wurde Brunswick Records für die Veröffentlichung neuer Musik genutzt, und entwickelte sich im Laufe weniger Jahre zum führenden Label des noch jungen Rock ’n’ Roll. 1957 verpflichtete Brunswick Records mit Jackie Wilson einen der kommenden Stars der schwarzen Musik. Dessen Manager übernahm im selben Jahr den Artist-And-Repertoire-Bereich des Labels, verschaffte ihm 1960er innerhalb des Decca-Konzerns eine gewisse Eigenständigkeit und legte damit den Grundstein für das erste Rhythm & Blues- und Soul-Label von größerer Bedeutung. Bei Brunswick standen bald Musiker und Formationen wie The Young-Holt Trio, LaVern Baker, Gene Chandler, Marvin Smith, The Artistics, Billy Butler, Little Richard, Barbara Acklin, The Chi-Lites, Tyrone Davis und andere mehr unter Vertag; selbst Big-Band-Größen wie Count Baise und Lionel Hampton legte hier einige Aufnahmen vor, die weit mehr Rhythm & Blues als Jazz waren. Im Verein mit dem Produzenten Carl Davis war Tarnopol so erfolgreich mit der neuen schwarzen Musik, dass er 1964 die Hälfte des Brunswick-Labels übernahm; 1969 gehörte Brunswick Records ihm zur Gänze. Zu dieser Zeit befand sich der Soul aber schon in seinem Neidergang und wurde bald von Disco abgelöst. Das Label konnte dem in den 1970er-Jahren nichts entgegensetzen und begann, seinen Back-Katalog an CBS zu lizenzieren. Rechtliche Problem kamen hinzu, und als Nat Tarnopol 1987 starb, war das Label nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die Rechte an den Aufnahmen, die im Laufe der Jahrzehnte bei Brunswick veröffentlicht wurden, liegen je nach Veröffentlichungsdatum bei Decca – nunmehr also bei Universal -, CBS, teils auch bei Verve Records und der Familie Tarnopol; letztere besitzt die Rechte der seit 1957 entstandenen Aufnahmen. Auch die Rechte im Besitz des 1967 von Carl Davis als Tochterlabels gegründeten Labels Dakar Records werden von Brunswick genutzt. Brunswick seinerseits wurde 1995 von Paul und Mara Tarnopol, Kinder Nat Tarnopols, in New York zur Verwertung der Rechte wieder installiert.

Diskografie

Diverse: The Story of Brunswick – The Classic Sound of Chicago Soul (2002)

 

Website

http://www.brunswickrecords.com (Website des amerikanischen Schallplatten-Labels Brunswick Records mit ausführlichen Informationen zur Firmengeschichte seit 1957)