Decca Records Ltd.

Decca Records Ltd., britisches Schallplattenlabel, 1929 von Edward Lewis in London gegründet; der Name Decca geht auf ein 1914 auf den Markt gekommenes tragbares Grammofon mit dem Namen »Decca Dulcephone« zurück.

Lewis kaufte die Herstellerfirma des Gerätes, The Decca Gramophone Co. Ltd., 1929 und baute sie innerhalb weniger Jahre zur ihrerzeit weltweit zweitgrößten Plattenfirma um. Von Anfang an wurde unter dem Label sowohl klassische als auch mehr oder weniger populäre Musik veröffentlicht. 1932 kaufte Lewis das Label Brunswick Records hinzu, später Melotone Records und Edison Bell Records. Bis 1939 war Decca neben EMI die einzige Plattenfirma Großbritanniens.

1934 gründete Decca eine Dependance in den USA. Durch den Kauf von Brunswick Records – bei dem etwa Bing Crosby und Al Jolson unter Vertrag standen – hatte Decca auf dem amerikanischen Markt sehr schnell erheblichen Erfolg. Der amerikanische Zweig der Firma konnte recht frei agieren, nahm zahlreiche amerikanische Musiker unter Vertrag – so unter anderem Louis Armstrong, Count Basie, Billie Holiday, Jimmy Dorsey, Chick Webb, Kitty Wells, Ernest Tubb, Judy Garland und The Andrews Sisters. Auch Patsy Cline und Loretta Lynne veröffentlichten einige Jahre lang ihre Schallplatten bei Decca. Mitte der 1940er-Jahre reiften Pläne, die amerikanische und die britische Decca zu trennen. Nach der Trennung gründete die britische Decca London Recordings, meist London Records genannt,um die eigenen Produkte auf dem amerikanischen Markt verkaufen zu können – den eigenen Namen konnte das Label in den USA nicht mehr verwenden. So wurden beispielsweise die Platten der Rolling Stones in Großbritannien bei Decca Records veröffentlicht, in den USA bei London Records. Umgekehrt verwendete die britische Decca den Namen London Records, um in Großbritannien und dem übrigen Europa Platten verkaufen zu können, deren Rechte sie in den USA gekauft hatte. 1952 kaufte die Firma noch Universal Pictures. Ende der 1950er-Jahre allerdings war Decca eine von vielen amerikanischen Medienfirmen und wurde 1962 an MCA Records verkauft. MCA führte noch einige Jahre, wenn auch nur als Unterlabel, den Namen Decca weiter, gab ihn 1973 aber für eine Zeit lang auf.

1962 lehnte die britische Decca es ab, eine kleine Rockband aus Liverpool unter Vertrag zu nehmen – man war in der Führungsetage der Ansicht, dass Gitarrenmusik im Laufe der 1960er-Jahre aus der Mode kommen werde. Die Rockband nannte sich The Beatles und der damalige Chef des Labels, Dick Rowe, versuchte wenig später, den kapitalen Fehler wieder gut zu machen: Einer Empfehlung George Harrisons folgend, verpflichtete er The Rolling Stones für sein Label; die Rolling Stones blieben bis 1970 bei Decca und veröffentlichten dort die Großzahl ihrer wichtigsten LP. Um 1970 verlor Decca an Bedeutung: Nach den Rolling Stones kehrten auch andere Rockbands der Firma den Rücken. RCA, deren Platten Decca seit 1957 in Großbritannien vertrieben hatte, kündigte den Vertrag ebenso wie Atlantic Records. Dabei hatte Decca bereits 1966 auf sich ankündigende Strömungen in der Rockmusik reagiert und das Unterlabel Deram gegründet, auf dem zahlreiche Aufnahmen des noch jungen Progressive Rock veröffentlicht wurden.

Decca kehrte sich von der Rockmusik ab und konzentrierte sich auf den Klassik-Markt. Doch auch hier geriet die Firma zunächst in den Hintergrund. Zwar veröffentlichten bei Decca Künstler wie Joan Sutherland, Herbert von Karajan und Sir Georg Solti, später auch Cecilia Bartoli und Luciano Pavarotti, doch nach dem Tode Lewis’ wurde Decca 1980 an den Polygram-Konzern verkauft. Polygram seinerseits ging später an den Universal-Konzern, der Decca neben Deutscher Grammophon und Philips Classic als Klassik-Label führt. Neben den Aufnahmen klassischer Musik werden auf Decca vor allem Aufnahmen von Broadway-Musicals veröffentlicht; zeitgenössischer Musik widmet sich ein jüngeres Unterlabel namens Point.

Der Name Decca ist untrennbar mit der Entwicklung der Aufnahmetechnik einerseits und der technischen Entwicklung der Langspielplatte andererseits verbunden. 1946 kam John Culshaw zu der Firma und revolutionierte die Aufnahmetechnik klassischer Musik, indem er die Mikrofone nicht lediglich in Front der Musiker aufstellte, sondern einige vor den Instrumentalgruppen aufstellte und weitere im Raum verteilte. Bei Opernaufnahmen ließ er die Sänger sich im Raum bewegen und erreichte damit eine der Bühne zumindest ähnliche Situation. Eine besondere Mikrofon-Anordnung für Stereoaufnahmen ging als Decca Tree in die Geschichte der Aufnahmetechnik ein. Decca nutzte die seit Ende der 1940er-Jahre verfügbare LP aus Vinyl, wodurch sich die Firma einen erheblichen Marktanteil gegenüber der EMI verschaffen konnte, hielt diese doch noch für einige Jahre an der alten Schellack-Platte fest. Die Möglichkeiten der Kunststoff-LP kamen mit dem von Decca entwickelten FFRR-Verfahren (full frequency range recording) voll zur Geltung.

Literatur


Rust, Brian: The American Record Label Book – From the 19th Century through 1942; New Rochelle/New York 1978