EMI

EMI Music (London), seit 1971 der Name der Electric & Musical Industries Ltd., die im Jahre 1931 aus den Schallplattenfirmen The Gramophone Company Ltd. und Columbia Graphophone Ltd. hervorging. Gemeinsam mit dem Musikverlag EMI Music Publishing bildet die Tonträgerfirma EMI Music die EMI Group Ltd.

Die Vorgeschichte der Firma reicht allerdings bis an das Ende des 19. Jahrhunderts zurück: die Gramophone Company Ltd. wurde bereits im Jahre 1889 in London gegründet; in Deutschland wurden deren Platten von der Deutschen Grammophon Gesellschaft, gegründet von Emile und Joseph Berliner, in Hannover hergestellt. Die DGG wurde im Jahre 1917 als britisches Feindvermögen konfisziert und an die Polyphon Musikwerke in Leipzig verkauft. 1925 wurde die Gramophone Ltd. für den Verlust der DGG entschädigt und gründete in Berlin die deutsche Tochtergesellschaft Electrola.
Durch die Fusion der Gramophone Company Ltd. und der Columbia Graphophone Ltd. kamen auch die Schallplattenwerke der Carl Lindström Gesellschaft und die Odeon-Werke in den Besitz der neuen gemeinsamen Firma. In Deutschland nahmen die beiden Schwestergesellschaften bald eine marktbeherrschende Stellung ein. Erst im Jahre 1972 fusionierten die Electrola GmbH und die Carl Lindström GmbH zu EMI Electrola. Bereits 1952 war der Sitz beider Firmen von Berlin nach Nürnberg, ein Jahr später nach Köln verlegt worden. 1980 verband sich die EMI Ltd. mit der Thorn Electrical Industries Ltd. (London) zu dem Konzern Thorn EMI Ltd.; der Musikbereich erhielt den Namen EMI Music. Thorn EMI erwarb für diesen Bereich 1989 jeweils die Hälfte der Schallplattenfirmen Chrysalis, IRS Records und Enigma, außerdem den Musikverlag SBK Entertainment World. 1991 kaufte EMI das im Rock-Bereich bedeutende Label Chrysalis gänzlich, ein Jahr später Virgin Records. 1996 wurde die Verbindung Thorn-EMI wieder gelöst.
Insgesamt gehörten zu Thorn EMI mehr als 35 Firmen, darunter auch die amerikanische Plattenfirma Capitol. Eine erneute Umstrukturierung der EMI Electrola datiert aus dem Jahre 1990, als die Firma in drei Bereiche aufgeteilt wurde: EMI, Electrola und EMI Classics; dabei befasst sich EMI mit anglo-amerikanischem Repertoire – also vornehmlich Rockmusik –, Electrola mit dem lokalen Repertoire und EMI Classics ausschließlich mit der Vermarktung von E-Musik.
Nach der Jahrtausendwende versuchte die EMI den veränderten Gegebenheiten im Musikgeschäft gerecht zu werden und ging eine Vereinbarung mit dem Internet-Musikvermarkter Streamwave ein. 2005 verklagte Apple Records, Label der Beatles, den Konzern – der habe fällige Tantiemen nicht überwiesen. Der Versuch der EMI, Warner Bros. zu kaufen , schlug fehl; ihrerseits wies die EMI aber auch Kaufgelüste Warners ab. 2007 aber war es so weit: Die Private-Equitiy-Gesellschaft Terra Firma Capital Partners kaufte die EMI für 3,2 Milliarden englische Pfund. Als die EMI danach weiter an Marktanteil verlor, verließen Schwergewichte wie Paul McCartney, Radiohead und The Rolling Stones den Konzern, das Management von Pink Floyd zog wegen ausgebliebener Honorare vor Gericht. Guy Hands, Vorstand von Terra Firma Capital Partners, strich weltweit 2000 Arbeitsplätze.
EMI Music gehört zu den vier großen Musikkonzernen der Welt; mehrmals versuchte EMI den Schallplatten-Konzern Warner Music Group zu übernehmen, was allerdings stets misslang. Die beiden Konzerne trafen allerdings Absprachen über den Vertrieb ihrer Produkte in Asien. Die Musik-Unternehmen der EMI haben in den USA und Europa jeweils nationale Eingeständigkeit: EMI Records Ltd. in Großbritannien, Capitol Industries-EMI Inc. in den USA, Pathe Marconi EMI SA in Frankreich – der Name verrät, dass die Gramophone Company Anfang des 20. Jahrhunderts die Marconiphone Company kaufte –, EMI Italiana SpA in Italien, EMI Music Australia in Australien, Toshiba-EMI in Japan und EMI Electrola GmbH in der Bundesrepublik Deutschland. 1989 wurde mit Cui Jian der erste chinesische Rockstar für EMI Music verpflichtet. Insgesamt sollen weltweit über 14 000 Musiker und Bands bei EMI unter Vertrag stehen, doch nur mit wenigen verdient die Firma auch Geld. EMI war auch die Plattenfirma, die die erfolgreichste Rock-Gruppe überhaupt, The Beatles, für ihr Label Parlophone (A & R-Manager George Martin) unter Vertrag nahm. Weitere wichtige Bands, die bei EMI oder einem der mit EMI verbundenen Labels unter Vertrag sind oder waren, sind etwa Queen, Pink Floyd, The Beach Boys, Kraftwerk, Toto und Jethro Tull sowie die Musiker Paul McCartney, Kate Bush, Sinead O’Connor, Billy Idol, Bonnie Raitt, Tina Turner, MC Hammer und Peter Blakeley.
EMI Electrola, die deutsche Tochter der britischen EMI, vertreibt eine Vielzahl von eigenen und fremden Labels, darunter etwa Abbey Road, Apple, Blue Note, Capitol, Columbia, Crystal, EMI Noise, Folkways, Harvest, HörZu/Electrola, Liberty, Mute, Odeon, Parlophone, Private Stock, Rhino, Rockport, Rolling Stones, Sunset, United Artists, Welt-Rekord, Wings und Zapple. Auch die »His Masters Voice«-Labels – in jedem Land gibt es eines in der jeweiligen Landesprache – werden von EMI vertrieben. Auf dieses Label geht das Markenzeichen des Musikkonzernes zurück: Der vor dem Messingtrichter eines Grammophons sitzende, aufmerksam lauschende Hund. Das Tier hieß Nipper und gehörte dem Maler Marc Barraud, der das Bild 1899 der Gramophone Ltd. für hundert Pfund verkauft hatte.