Hör Zu Black Label

Hör Zu Black Label, Label der zum Springer-Konzern gehörenden deutschen Rundfunk- und Fernseh-Programmzeitschrift »Hör Zu«, 1968 gegründet; das Label stellte bereits 1972 seine Tätigkeit wieder ein.

Die 1946 erstmals erschienene Programmzeitschrift war seit den 1950er-Jahrne enorm erfolgreich gewesen, so dass der Springer-Verlag den Namen der Zeitschrift auch für Aktivitäten auf anderen Gebieten als dem Zeitschriftenmarkt, etwa dem Musikmarkt nutzte. So übernahm der Verlag unter dem Namen Hör Zu auch den Vertrieb von Schallplatten, die in der Zeitschrift aufwändig beworben wurden. Beispielsweise vertrieb der Verlag die LPs der Beatles. Da für die Zusammenarbeit die Labels Electrola und Teldec gewonnen worden waren, gab es auch LPs, auf denen sowohl Musiker bzw. Bands von Electrola wie von Teldec vertreten waren, etwa Elvis Presley und The Beatles.

Um dem sich gegen Ende der 1960er-Jahre verändernden Schallplattenmarktes gerecht werden zu können, gründete der Verlag Ende 1968 das Hör Zu Black Label. Kennzeichen der LPs war die einheitliche Gestaltung des Covers, die allesamt eine Abbildung auf stets schwarzem Grund zeigten; links oben war das Signet des Labels zu sehen, auf ebenfalls schwarzem Grund die in Weiß gehaltenen Schriftzüge Hör Zu Black Label, Wort für Wort untereinander. In der Gestaltung der Abbildungen griff das Label auf Arbeiten im Stile von etwa Willy Fleckhaus und Alan Aldridge wie auch auf Elemente der Gestaltung des Beatles-Film »Yellow Submarine« zurück, ließ sich also von Op Art und Pop Art inspirieren.

Ebenso gleichzeitig modisch wie eigenwillig war die Veröffentlichungspolitik des Labels. Eine Unterscheidung zwischen E-Musik und U-Musik, zwischen Rock, Jazz und Neuer Musik wurde nicht gemacht. So finden sich auf den bei Black Label veröffentlichten LPs Namen wie Erik Satie, Iannis Xenakis, Karlheinz Stockhausen, György Ligeti, Friedrich Gulda, Helmut Qualtinger, Gerard Hoffnung – ein englischer Cartoonist, der seinerzeit unter Gymnasiasten wie Studenten wegen seiner Musikerkarikaturen und seiner anarchistischen Konzerte bekannt und beliebt war –, Vanilla Fudge, Steve Miller Band, I.D. Company – ein kurzlebige Formation, gebildet von Inga Rumpf und Dagmar Krause – John & Alice Coltrane, Albert Mangelsorff, Django Reinhardt, Rolf und Joachim Kühn, Soft Machine, Miroslav Vitous, Haboob, letzteres ein von drei Amerikanern in München gegründetes Jazztrio. Insgesamt wurden auf dem Hör Zu Black Label etwa zwei Dutzend LPs veröffentlicht.

Das Hör Zu Black Label ist sicherlich nicht in gleicher Weise wie beispielsweise Harvest Records oder Vertigo Records ein Label, das ohne weiteres als Label des Progressive Rocks angesehen werden kann. Aufs Ganze gesehen repräsentiert das Konzept des Labels aber die Ende der 1960er-Jahre weit verbreitete Ansicht, dass es ein Unterschied nicht zwischen Ernster Musik und Unterhaltungsmusik gemacht werden müsse, wohl aber zwischen »guter« und »schlechter« Musik. So würden die künstlich getrennten Musikarten trotz aller historischen Gegebenheiten und sozialer Bedingungen im Laufe kurzer Zeit zusammenwachsen. Bereits in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre wurde der Optimismus dieser Ansicht erkannt und oft genug belächelt. Die Reihe Black Label, Anfang der 1970er-Jahre schon wieder eingestellt, ist ein auch Jahrzehnte später noch zu bestaunendes Zeugnis dieses Optimismus‘.

Diskografie

Diverse: Primadonnen der Moderne
I.D. Company: I.D. Company
Albert Mangelsdorff: Jazz at the Opera
Gerard Hoffnung: Hoffnung
Jerry Novac: The Fifth Word
Hans-Joachim Hespos: Hans-Joachim Hespos
Erik Satie: Plüsch und Pomp
Django Reinhardt: Die andere Saite
Helmut Qualtinger: Über die mänschlichen Schwechen
Seve Miller Band. PROgressive Pop
Vanilla Fudge: The Beat Goes On
Karlheinz Stockhausen: Spirale für Blockflöte und Kurzwellen u.a.
György Ligeti: Atmospheres; Volumina u.a.
Diverse: Da singt wer
John & Alice Coltrane: John 6 Alice Coltrane
Iannis Xenakis: Medea u.a.
Soft Machine: The Soft Machine
Rolf Kühn & Joachim Kühn: Monday Morning
Miroslav Vitous: The Bass
Friedrich Gulda: Vienna So Blue
Haboob: Haboob

Weblink

rateyourmusic.com/list/monoblue/hor_zu_black_label (Website mit Informationen zum Label Hör zu Black Label und Abbildungen der Covers)