London Records

London Recordings, auch London Records, Unterlabel von Decca Records, 1947 in London gegründet.

Mitte der 1940er-Jahre entschloss sich die britische Plattenfirma Decca Records, ihre auf dem US-Markt tätige Tochterfirma abzutrennen. Nach der Trennung gründete die britische Decca unter dem Namen London Recordings, meist London Records genannt, um die eigenen Produkte auf dem amerikanischen Markt verkaufen zu können – den eigenen Namen konnte das Label in den USA nicht mehr verwenden. Umgekehrt nutzte die britische Decca den Namen, um in Großbritannien und dem übrigen Europa Platten verkaufen zu können, an denen sie die Rechte sie in den USA erworben hatte, etwa von Firmen wie Chess, Imperial, Atlantic, Sun und selbst Motown.
London Records in den USA war aber nicht lediglich der amerikanische Vertrieb der britischen Decca, sondern entwickelte auch eigene Ambitionen insbesondere auf dem so genannten Klassikmarkt. Der Aufstieg des Labels begann aber erst so recht, als Decca die Rolling Stones unter Vertrag genommen hatte. Decca hatte es abgelehnt, The Beatles unter Vertrag zu nehmen. Den Fehler wollten das Management der Firma keine zweites Mal begehen und verpflichtete auf eine Empfehlung George Harrisons Band.
Die Platten der Rolling Stones wurden bis 1970 in Europa von Decca, in den USA aber von London veröffentlicht. Entsprechend der noch bis in die 1960er-Jahre hinein üblichen Gepflogenheit, Platten für den US-Markt gesondert zu vermarkten – also mit etwas anderem Repertoire und einem anderen Cover – veröffentlichten die Rolling Stones bei Decca fünf LPs, bei London aber sieben.
Es traf daher London Records hart, als die Band sich 1971 zu einem Label-Wechsel entschloss. Zwar verkaufte die Firma noch einige Zusammenstellungen mit der Musik der Briten, insgesamt aber verlor London an Bedeutung, erst recht, als die britische Decca an Polygram verkauft wurde. London Records agierte in den folgenden Jahren wie ein unabhängiges Label. Eine sich Ende der 1980er-Jahre anbahnende Zusammenarbeit mit Factory Records – bei dem Label standen etwa New Order und Happy Mondays unter Vertrag – scheiterte, als Factory in Konkurs ging. Nunmehr aber konnte London die verwaisten Bands des Labels unter Vertrag nehmen, dazu auch East 17 und All Saints. London 90 nannte sich eine Sparte des Labels, bei der etwa Chumbawamba, Voice Of The Beehive, Dannii Minogue, Michelle Shocked, Wet Wet Wet, Jimmy Somerville, Zucchero und Sugarbabes unter Vertrag standen. Zur Jahrtausendwende wandelte sich das Bild erneut: Der britische Teil von London wurde von der Warner Music Group übernommen, der US-amerikanische ging mit Sire Records zu London-Sire Records zusammen.
Die britische London wurde schließlich vom Universal-Konzern übernommen, dort Teil von Polydor, das amerikanische Geschäft betrieb nunmehr Mercury Records. 2011 übernahm Universal den Namen vollständig und schlug das Label der britischen Dependance von Capitol Records zu.
Mit London waren im Laufe der Jahre weitere Labels mehr oder weniger eng verbunden, so unter anderem MGM Records, Spectrum, Sire, Parrot, Deram, Slash, Threshold und UK. Neben anderen hatten auch Klassik-Stars wie Sir Georg Solti, Joan Sutherland und Luciano Pavarotti bei London (US) veröffentlicht.