MCA Records

MCA, Inc., Abkürzung von Music Corporation of America, 1924 von Jules Stein und William R. Goodheart in Chicago gegründete Künstleragentur; MCA, Inc. betrieb später auch das Schallplatten-Label MCA Records.

Stein und Goodheart vermittelten zunächst lediglich Musiker an Clubs und Restaurants, gegen Ende der 1920er-Jahre aber gelegentlich auch Schauspielerinnen und Schauspieler. Als Lewis Robert Wassermann (* 1913, † 2002) 1936 in das Unternehmen eintrat, war MCA auch schon im Rundfunk aktiv geworden. Wassermann wirkte maßgeblich an der Konzeption der von MCA produzierten Radio Show »Kay Kyser and His Kollege of Music Knowledge«, eine Quiz-Show um das Thema Musik, die von NBC Ausgestrahlt wurde. Die Show war so erfolgreich, dass Wassermann bei MCA mit größeren Aufgaben betraut wurde. Wassermann war 1939 es auch, der Stein riet, die Agentur nicht nach New York, sondern nach Los Angeles zu verlegen. In Hollywood forcierte Wassermann die Aktivitäten der Firma auf dem Gebiet der Schauspieler-Vermittlung und schloss Management-Verträger etwa mit Bette Davis, Henry Fonda, James Stewart und Ronald Reagan, mit dem Wassermann bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden blieb. Die Firma wuchs so rasch und wurde so rigoros von Stein und Wassermann geführt, dass das US-amerikanische Justizministerium Untersuchungen einleitete, ob die Firma gegen das Verbot der Monopolbildung verstieß; immerhin standen bei MCA über 700 Musiker, Schauspieler und Schallplatten-Produzenten unter Vertrag. Auch hielten sich Gerüchte, dass MCA Beziehungen zur Unterwelt unterhielt.

1948 zog sich Stein aus dem Unternehmen zurück, so dass Wassermann die Geschicke der Firma allein verantwortete. Er wandte sich mit MCA nunmehr auch dem seinerzeit noch neuen Fernsehen zu, gründete die MCA Television Limited, dann 1950 die Revue Productions, die im Laufe der 1950er-Jahre ein Reihe erfolgreicher Revue-Produktionen für das Fernsehen verkaufen konnte. 1957 wurde Paramount Pictures übernommen, 1958 von Universal Pictures deren Filmstudios. Wassermann hatte nun alle Produktionsvoraussetzungen – die bei MCA vertraglich gebunden Schauspieler, darunter nun auch Doris Day und Rock Hudson wie auch der Regisseur Alfred Hitchcock drehten Filme in den eigenen Studios, die von der eigenen Filmgesellschaft produziert wurden. Wassermann, bis dahin Besitzer der Firma, ersann für seine Angestellten ein raffiniertes Beteiligungssystem, das ihm dennoch die volle Kontrolle über die Aktivitäten erlaubte; 1958 ging die Firma unter der Bezeichnung MCA, Inc. an die Börse. Unbekümmert um die Untersuchungen der Justiz übernahm MCA die amerikanische Dependance der britischen Decca, zu der auch Coral Records und Brunswick Records gehörte, zudem erwarb er die Mehrheit an Universal Pictures. Nun allerdings griffen die amerikanischen Antitrust-Gesetze und die Künstleragentur musste vom Unternehmen abgetrennt werden. Das hinderte Wassermann nicht an weiteren Übernahmen: Er kaufte 1966 Uni Records und 1967 Kapp Records; selbst der Gitarrenhersteller Danelectro, deren Instrumente seinerzeit sehr gefragt waren, schien ihm zu MCA passend. Um die Schallplatten seiner Firmen adäquat vermarkten zu könne, gründete Wassermann 1967 MCA Records. Das Label beschränkte sich zunächst auf den Markt außerhalb der USA, doch 1972 wurde MCA Records auch auf dem nordamerikanischen Markt aktiv. Damit nicht genug: 1975 kaufte MCA den Verlag G.A. Putnam’s Sons und wurde damit auch auf dem Buchmarkt aktiv.

Die Expansion der Firma erfolgte auch auf dem Schallplattenmarkt: Von 1979 an kaufte MCA zunächst ABC Records samt Tochter-Label, dann mit dem Erwerb von Gulf + Western die Labels Paramount und Dot, 1985 Chess Records, 1988 Motown Records. Motown ging 1993 zur Polygram-Group, doch hatte MCA 1990 schon GRP Records und Geffen Records übernommen. Dann aber trat der Whysky-Hersteller Seagram auf den Plan, kaufte 1995 eine Mehrheit der MCA-Aktien. Damit wurde auch der Name MCA obsolet, der neue Eigner nannte die Firma Universal Studios. 1998 kaufte Seagram auch die Polygram Group und verband die Firmen zu einer Einheit, die Universal Music Group genannt wurde. Wenn auch die Firma MCA nicht mehr bestand, so wurde der Name MCA Records auch von den neuen Eigentümern beibehalten. 1998 ging die Universal Music Group in den Besitzer des französischen Konzerns Vivendi über, dessen Leitung 2003 MCA Records der ebenfalls zu dem Konzern gehörenden Label Geffen Records zugeschlagen, so dass nunmehr auch der Name MCA Records Geschichte war und nur noch als Namenbestandteil des Labels MCA Nashville Records beibehalten wurde.

MCA Records widmete sich direkt nach seiner Gründung der Rockmusik und veröffentlichte nach der Entscheidung, auch auf dem nordamerikanischen Markt tätig zu werden, 1972 etwa Elton Johns »Crocodile Rock«. Über die hinzu gekauften Labels, die häufig diverse Sub-Label mitbrachten, waren viele Rock- und Popmusiker mit MCA verbunden, wenn nach außen hin auch nicht immer unbedingt kenntlich – Geffen Records etwa behielt seinen Namen. So finden sich im Katalog von MCA so unterschiedliche Namen wie The Who, Boston, Bobby Brown, Alice Cooper, The Damned, Olivia Newton-John, Nik Kershaw, Cher, Lynyrd Skynyrd, Dream Theater, Voivod und – Papst Johannes Paul II., dessen 1979 von der MCA-Tochter Infinity Records produzierte Sprech-Platte allerdings keinen Anklang bei den Amerikanern fand.