Mercury Records

Mercury Records, amerikanisches Schallplatten-Label, 1945 von Irving Green (* 1916, † 2006), Berle Adams (* 1917, † 2009) und Arthur Talmadge in Chicago (Illinois) als Mercury Record Corporation gegründet; das Label arbeitet in Großbritannien nunmehr als eigenständiges Label, gehört in den USA aber zu Island Def Jam Records der Universal Music Group.

Zwar veröffentlichte das Label von Anfang an in jedem Segment des Musikmarktes – also traditionelle Kunstmusik, Jazz, Country und dann auch Rock’n’Roll –, widmete sich aber in besonderer Weise der Pop Music, in dem Sänger wie Patty Page, Frankie Lane, Vic Damone und Tony Fontane unter Vertrag genommen wurden. Mercury prosperierte schnell und gründete eigene Sub-Labels wie Blue Records, Cumberland Records, Emarcy Records, Limelight Records Smash Records und Wing Records. Ende der 1940er-Jahre kaufte Mercury das von dem Jazz-Impresario Norman Grantz und John Henry Hammon Jr. geleitete Label Keynote Records, das sich bereits mit der Veröffentlichung von Jazz-Schallplatten einen Namen gemacht hatte. Grantz und Hammond verließen die Firma zwar Mitte der 1950er-Jahre, Mercury blieb aber ein wichtiges Label für Jazz-Veröffentlichungen. Bei Keynote, später bei Emarcy und schließlich bei Mercury selbst wurden Platten etwa von Dinah Washington, Sarah Vaughn, den Gebrüdern Adderley, Clifford Brown, Max Roach, Maynard Ferguson, Quincy Jones, Charles Mingus und Buddy Rich verlegt.
1961 vereinbarte der niederländische Elektronik- und Schallplattenkonzern Philips, der seinen bisherigen Partner Columbia Records verloren hatte, einen Austausch von Lizenzen. Schon wenig später ließ Philips Mercury mitsamt aller Tochter-Labels von seinem industriellen Partner Coneica (Consolidated Electronics Industries Corporation) kaufen. Auf diese Weise wurde Mercury die erste US-Schallplattenfirma, die ab 1967 bespielte Compact Cassetten verkaufen konnte. Philips übernahm in den folgenden Jahren mehr und mehr die Geschicke von Mercury, kaufte dazu zunächst Coneico – die Firme wurde in North American Philips Corporation umbenannt – und erhielt damit auch direkten Zugriff auf Mercury; das Unternehmen wurde in Mercury Records Productions Inc. umbenannt. Größere Veränderungen brachte allerdings der Zusammenschluss von Philips und der Deutschen Grammophon zu Polygram. Die US-Firma Mercury wurde in Phonogram Incorporated umbenannt. Keine zehn Jahre später, 1981, wurden Mercury, Polydor Records, RSO Records und Casablanca Records unter dem Dach von Polygram Records Inc. zusammengefasst. Der Firmensitz von Mercury wurde im Zuge dieser Umstrukturierung von Chicago nach New York verlegt. Mercury war nun, erst recht, nachdem es mit Casablanca zusammengelegt worden war, ein Label, unter dessen Namen vor allem Rock und Pop veröffentlicht wurden. Als Polygram von dem kanadischen Whysky-Brenner Seagram gekauft und in dessen Musikkonzern Universal Music Group überführt wurde Mercury Teil der Island Def Jam Music Group. Die bei Mercury unter Vertag stehenden Musiker und Bands wurden je nach musikalischer Ausrichtung auf Island Records und Def Jam Records verteilt. Mercurys schon 1957 eingeführter Country-Bereich erhielt 2007 unter dem Namen Mercury Nashville Records innerhalb der Island Def Jam Group eine gewisse Eigenständigkeit. Mercury Records blieb als Label-Name zwar erhalten, erhielt aber die Aufgabe, die Rechte an Aufnahmen, die Polydor vor 1998 veröffentlicht hatte, auszuwerten. Zu diesen gehören etwa Platten der Rolling Stones, die die Band zwischen 1971 und 1997 veröffentlicht hatte. Die Filialen des Labels in Großbritannien, Frankreich, Australien und anderen Ländern betreibt Universal zurückhaltend, wenn auch einige von ihnen zumindest jeweils national einige Bedeutung haben.
Bei Mercury oder einem seiner Tochter-Labels haben im Laufe der Jahrzehnte viele Musiker und Bands eine oder mehrere Platten veröffentlicht; so finden sich die Logos der Firma unter anderem auf Schallplatten von Anastacia, All About Eve, Aphrodite’s Child, Babyx face, The Bar-Kays, Chuck Berry, Big Country, The Big Bopper, J.J. Cale, Captain Beefheart, Deep Purple, Duffy, Fine Young Cannibals, Bob Geldof, Herbie Hancock, 10cc, Jamiroquai, Elton John, Mark Knopfler, Ramsey Lewis, Amy MacDonald, Lulu, Metallica, John Mellencamp, Buddy Miles, Van Morrison, New York Dolls, The Nice, The Orb, Roy Orbison, Oscar Peterson, Carl Perkins, The Platters, Portishead, Lionle Ritchie, Rush, The Shangri-Las, Spirit, Status Quo, Rod Stewart, Tears for Fears, The Troggs, U2, Wet Wet Wet, Bary White und Lucinda Williams.
Der Name Mercury steht auch für einige tontechnische Neuerungen: Anfang der 1950er-Jahre erprobten der Toningenieur C. Robert Fine und der Aufnahmeleiter David Hall eine Aufnahmetechnik, bei der lediglich ein einziges Mikrofon verwendet wurde. Sie hatten diese Technik zuvor bei der Aufnahme kleiner Ensembles erprobt und 1951 dann das Chicago-Symphony-Orchester unter der Leitung on Rafael Kubelík aufgenommen. Die Aufnahme – eine Orchesterfassung des Klavierzyklus’ »Pictures at an Exhibition« (»Bilder einer Ausstellung«) – fand die überwältigende Zustimmung der Kritik, so dass die Charakterisierung eines Kritikers – er hatte von »living presence« gesprochen – als Slogan für die gesamte Serie der unter Einsatz dieser Technik zustande gekommenen Schallplatten genommen wurde. Als Produzentin der Serie fungierte die damalige Vize-Präsidentin der Firma, Vilma Cozart (* 1927, † 2009), die in den 1990er-Jahren auch die teilweise Wiederveröffentlichung dieser Aufnahmen auf CD überwachte.
Mercury war auch führend in der Mehrspur-Aufnahmetechnik. Bereits 1955 verwendeten die Toningenieure der Firma drei Mikrofone, die ein jedes einer Aufnahmespur einer Drei-Spur-Tonbandmaschine zugeordnet waren; die Drei-Spur-Aufnahmen wurden auf eine zweikanalige Stereo-Spur abgemischt. Ein Vorteil dieser Technik war auch darin zu sehen, dass aus einer Aufnahme sowohl die Mono- als auch die Stereo-LP produziert werden konnte, wie es Anfang der 1960er-Jahre noch üblich war. Anfang der 1960er-Jahre verwendete Mercury für die Drei-Spur-Aufnahmen eine Bandmaschine, die mit einem 35 Millimeter breitenrelativ schnell laufenden Tonband arbeitete. Auf diese Weise konnte der Frequenzbereich der Aufnahmen ausgeweitet und unliebsame Erscheinungen wie vor allem das Vor-Echo eliminiert werden. Das seinerzeit verwendete Equipment wurde für die CD-Wiederveröffentlichungen aus dem Magazin der Firma geholt und wieder eingesetzt.



Weblinks

http://www.islanddefjam.com/default.aspx?labelID=77 (Offizielle Website von Mercury Records USA)
http://www.mercuryrecords.co.uk/ (Offizielle Website von Mercury Records UK)